Wie nah Donald Trump einem Deal mit Kuba ist
Donald Trump hatte eine ziemlich genaue Vorstellung, wie es im Verhältnis zwischen Kuba und den USA weitergehen sollte. Das Land werde wahrscheinlich auf die USA zukommen: „Ich glaube, wir werden mit Kuba einen Deal aushandeln.“ Die Situation für den Inselstaat sei wirklich schlecht, so Trump. „Sie haben kein Geld. Sie haben kein Öl.“
Kaum eine Woche später hat sich die Einschätzung des US-Präsidenten bewahrheitet. „Kuba ist bereit, mit den USA in einen Dialog zu treten, einen Dialog über jedes Thema“, sagte der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel am Donnerstag im Staatsfernsehen. Damit es nicht wie eine völlige Kapitulation aussieht, ergänzte er, solche Gespräche müssten „ohne Druck oder Vorbedingungen“ stattfinden. Aber Havanna ist in einer solch schwachen Position, dass es nicht viele Forderungen wird stellen können.
Wegen jahrzehntelanger Misswirtschaft und Korruption steckt Kuba in einer katastrophalen Versorgungslage. Da die USA Sanktionen gegen Staaten androhen, die Kuba mit Öl beliefern, geht der Insel nun die Energie aus. Am Dienstag, einem Tag mit historisch niedrigen Temperaturen um den Gefrierpunkt, mussten viele Kubaner ohne Stromversorgung frieren. Auch Tankstellen stellten wegen Benzinmangels den Betrieb ein. Machthaber Díaz-Canel nennt die Exportsperre einen „Genozid“ der USA am kubanischen Volk.
Kuba hat weder nennenswerte Rohstoffvorkommen, noch können die landwirtschaftlichen Erträge das Volk ernähren. Die Volkswirtschaft liegt am Boden, ein Zehntel der kubanischen Bevölkerung hat die Insel verlassen – unter anderem aus Angst vor drakonischen Haftstrafen, die die Behörden während der historischen Sozialproteste von 2021 verhängten.
Kubas einstige Partner brechen weg
Bis zur Inhaftierung von Ex-Machthaber Nicolás Maduro lieferte Venezuela zuverlässig subventioniertes Öl nach Kuba, das der Karibikstaat dringend für seine Energieerzeugung braucht. Nur einen Monat nachdem die USA die venezolanische Regierung unter ihre Kontrolle stellten, verdoppelte Venezuela seine Öl-Exporte und machte die USA wieder zu ihrem größten Abnehmer. Doch die Öllieferungen nach Kuba scheinen vorerst Geschichte. Auf den Seitenwechsel des venezolanischen Machtapparats reagieren Havannas kommunistische Eliten mit großer Wut.
Auch Mexikos linkspopulistische Präsidentin Claudia Sheinbaum kommt den Forderungen der USA nach, vorerst kein Öl nach Kuba zu liefern. Sie fürchtet um den Erfolg der derzeitigen Verhandlungen über das nordamerikanische Handelsabkommen TMEC.
Der Verlust wichtiger Handelspartner verschärft Kubas Notlage. Deshalb könne sich Kuba einer Vereinbarung mit den USA kaum noch entziehen, verkündete Trump Anfang Februar: „Kuba ist seit langem ein gescheiterter Staat. Aber jetzt hat es Venezuela nicht mehr, um sich abzustützen. Wir sprechen mit den hochrangigsten Leuten in Kuba und wir sehen, was passiert“, sagte Trump.
Parallel liefern die USA Kuba Hilfsgüter im Wert von sechs Millionen Euro, die vor allem den Opfern des Hurrikans „Melissa“ zugutekommen. Das Unwetter hatte im Oktober 2025 großen Schaden im Osten der Insel angerichtet. Zu den Hilfsgütern zählen Konserven und andere haltbare Lebensmittel sowie Solarlampen.
Trumps größtes Druckmittel könnte zugleich ein verlockendes Angebot für Kubas Machthaber sein. Ihm schwebt vor, die Ölblockade und das jahrzehntelange Handelsembargo aufzuheben, wenn Kuba im Gegenzug vorzeigbare innenpolitische Fortschritte vorweist, etwa die Öffnung des Ein-Parteien-Systems. Auch im geopolitischen Wettstreit würde eine Annäherung die Kräfte weiter zugunsten der USA verschieben. Kuba ist ein enger Verbündeter Russlands, Chinas und des Iran.
Zahlreiche Latino-Wähler in den USA sind von Trump wegen dessen restriktiver Abschiebepolitik enttäuscht. Doch sollte er Venezuela und Kuba vom Kommunismus befreien, würde sich die Lage ändern. In Florida leben mehr als eine Million Exil-Kubaner und -Venezolaner, die sich einen Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen in ihren Heimatländern sehnlichst wünschen.
Ein „Deal“ wäre für Trump auch deshalb attraktiv, weil er Latino-Wähler für die Midterm-Wahlen im November zurückgewinnen könnte. „Ich will, dass die Leute, die hierhergekommen sind und von Kuba schrecklich behandelt wurden, zurückgehen dürfen. Sie haben ihre Familien dort seit Jahren nicht mehr sehen können“, sagt Trump.
Bislang scheiterten alle US-Regierungen vor Trump daran, Kuba zu demokratisieren. Trumps Vorgänger Barack Obama leitete eine Annäherung ein, lockerte zum Ende seiner zweiten Amtszeit die Sanktionen und reiste sogar nach Havanna. Zudem verschärfte Obama auf Wunsch Havannas die Migrationsbedingungen für Kubaner in den USA, um eine Abwanderung vor allem junger Bürger zu verhindern. Da Havanna aber trotzdem keinerlei demokratische Öffnung zuließ, zog Trump gleich zu Beginn seiner ersten Amtszeit die Sanktionen wieder an.
Die katholische Kirche auf Kuba bietet sich indes als Vermittler an und fordert ebenfalls „strukturelle Veränderungen“. Sollte Trump Erfolg haben, hätte das aus Sicht vieler Latinos und konservativer Wähler ein historisches Ausmaß. Zudem könnte Trump einen „neuen Markt“ in unmittelbarer Nähe präsentieren, der bisher verschlossen blieb und zehn Millionen potenzielle Kunden integriert.
Hoffnung auf innenpolitische Reformen
Kubas Kommunisten müssten dafür allerdings privatwirtschaftliche Initiativen und eine Opposition zulassen. Bislang blieben solche Initiativen oberflächlich, tiefgreifende Änderungen ließ die kubanische Führungsriege kaum zu. Möglicherweise findet sich in der jüngeren Führungsriege der kubanischen Kommunisten eine Figur, die das ändert. Dann geriete Machthaber Miguel Díaz-Canel auch innenpolitisch unter Druck.
„Jedes Abkommen zwischen dem kubanischen Regime und den Vereinigten Staaten muss die Freilassung aller politischen Gefangenen und das Ende der politisch motivierten Unterdrückung vorsehen“, sagt Kubas prominentester Dissident Jose Daniel Ferrer im Gespräch mit WELT.
Ferrer verbrachte die vergangenen Jahre im Gefängnis – wie derzeit rund 1.200 andere politische Gefangene auf Kuba. Im Oktober kam er frei und lebt heute in den USA. „Die Vertreter des kommunistischen Castro-Regimes müssen sich verpflichten, die Verfolgung, Schikanierung, Verhaftung und Inhaftierung aus politischen Gründen zu beenden“, sagt Ferrer. Zumindest müsse das kubanische Volk das Recht haben, in einem Referendum zu entscheiden, welches Gesellschaftsmodell es wolle, sagt Ferrer.
Das Volk könne sich dann zwischen einem „undemokratischen, repressiven Einparteiensystem“ und einem organisierten, geordneten sowie gewaltfreien Übergang zu einem demokratischen Staat entscheiden, sagt Ferrer. Auch deswegen schauen die Kubaner gespannt nach Venezuela. Dort nahm in dieser Woche die neue US-Botschafterin Laura Dogu ihre Arbeit auf. Und formulierte ihr Ziel: „Wir wollen ein prosperierendes und demokratisches Venezuela.“ Der gesellschaftliche Wandel werde vorbereitet.
Tobias Käufer ist Lateinamerika-Korrespondent. Im Auftrag von WELT berichtet er seit 2009 über die Entwicklungen in der Region.
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