Fröhlich kicken, während Donald Trump den Europäern droht? Plötzlich wird über einen Boykott der WM-Spiele in den USA diskutiert. Von den Grünen kommen drastische Worte.

Donald Trump gerät ins Schwärmen, wenn er von der Fußball-WM spricht. Der US-Präsident erkennt darin eine "einmalige Gelegenheit" für sein Land, aber offenbar auch für sich selbst. Das Turnier hat er per Dekret zur Chefsache erklärt und eine Task Force eingerichtet, mit ihm an der Spitze. "Sehr aufregend" sei das mit der WM, sagt Trump und verspricht das "vielleicht größte Sportereignis der Welt". 

Liegt hier ein Elfmeter für die Europäer? 

Plötzlich steht ein Turnier-Boykott im Raum, als eine mögliche Gegenreaktion auf die Drohgebärden des US-Präsidenten. Trump hält mit Nachdruck an seinem Machtanspruch auf Grönland fest, droht EU-Staaten, die sich mit der Insel und Dänemark solidarisieren, nun mit hohen Strafzöllen, sollten sie weiter Widerstand leisten. In Brüssel wird derzeit beraten, wie die EU darauf reagieren könnte. 

Ob dazu auch ein Fußball-Boykott gehören könnte? Fraglich. Union und SPD sind uneins, diskutieren quasi noch auf Kunstrasen. Bei den Grünen wird indes zum Fan-Boykott aufgerufen – wegen der Sicherheitslage unter Trumps Administration.

Donald Trump sieht "unglaublich bedeutende Chance"

Zuerst hatte Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, die Boykott-Idee ins Spiel gebracht. "Eine Turnierabsage käme allenfalls als Ultima Ratio in Betracht", sagte Hardt zur "Bild"-Zeitung, "um Präsident Trump in der Grönlandfrage zur Vernunft zu bringen". Der CDU-Politiker verwies darauf, dass Trump bereits klargemacht habe, "welch hohen Stellenwert die WM für ihn hat". Dies sei aber eine rein theoretische Diskussion, betonte Hardt wenig später im Deutschlandfunk. 

Die Bundesregierung hält sich zurück, sieht sich in der Angelegenheit nicht zuständig. "Die Bundesregierung respektiert die Autonomie des Sports", sagte ein Sprecher von Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein, CDU, dem stern. Entscheidungen über Teilnahme oder Boykott würden ausschließlich bei den zuständigen Sportverbänden liegen, nicht der Politik. Die Bewertung obliege daher dem Deutschen Fußballbund (DFB) und der Fifa. "Diese Einschätzung wird die Bundesregierung akzeptieren."

Ein politischer Boykott der WM-Spiele dürfte für Trump ein Ärgernis darstellen, ja einen Affront. Der US-Präsident erwartet ein prestigeträchtiges Event, nicht zuletzt ein lukratives Geschäft für die USA. Das Turnier sei eine "unglaublich bedeutende wirtschaftliche Chance für unzählige amerikanische Arbeiter und Unternehmer", sagte Trump, der sich knapp 200.000 neue Jobs und Einnahmen von bis zu 15 Milliarden für den US-Austragungsort verspricht. 

Klarer Widerspruch für die Boykott-Idee kommt jedoch vom kleinen Koalitionspartner SPD. "Einen WM-Boykott halte ich für unsinnig", sagte Adis Ahmetović, außenpolitischer Sprecher der Fraktion, dem stern. Deutschland solle antreten und um den Titel spielen. "Daneben müssen wir die Chance ergreifen, am Rande des Turniers neue Partnerschaften mit politischen Akteuren und der Zivilgesellschaft in D.C. zu knüpfen." 

Grüne: Sicherheit der Fans nicht gewährleistet

Aus der Grünen-Fraktion sind mitunter drastische Worte zu hören – und eine Warnung. So fordert Außenpolitiker Boris Mijatović einen Fan-Boykott für die WM-Spiele in den USA, unter Umständen aber auch einen "diplomatischen Boykott"-Aufruf durch Bundeskanzler Friedrich Merz und Außenminister Johann Wadephul. 

"Die Sicherheit für Fans ist in den USA unter der Trump-Administration nicht gewährleistet", sagte der Oppositionspolitiker dem stern. Mijatović, der in seiner Fraktion für die Themen Menschenrechte und Sport zuständig ist, erinnerte an die tödlichen Schüsse eines US-Grenzschutzbeamten auf eine Frau in Minnesota. "Es ist für Fans nicht sicher, zu dieser Weltmeisterschaft zu reisen. Ich kann jedem Fan nur dazu raten, die WM-Spiele in den USA zu boykottieren", sagte Mijatović. 

Die Trump-Administration habe die USA "systematisch zu einem Polizeistaat geformt", sagte der Grüne, das zeigten die letzten Wochen und Monate. Er forderte die Bundesregierung dazu auf, "endlich klare Bedingungen" für eine weitere Zusammenarbeit zu formulieren. "Wenn diese Entwicklungen in den USA nicht korrigiert werden, erwarte ich von Merz und Wadephul, zu einem diplomatischen Boykott der WM-Spiele in den USA aufzurufen". 

In Deutschland hatte sich zuletzt eine knappe Mehrheit dafür ausgesprochen, die Fußball‑Weltmeisterschaft 2026 in den USA zu boykottieren, sollte Trump tatsächlich Grönland annektieren: 47 Prozent befürworteten das in einer Insa-Umfrage der "Bild"-Zeitung, 35 Prozent lehnten einen Boykott ab, 18 Prozent seien unentschieden oder machten keine Angabe. 

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