Ob der US-Präsident seine Antwort diplomatischer ausgedrückt hätte? Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, rügte bei einer Pressekonferenz erneut einen Journalisten. Er hatte eine kritische Frage zum Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE gestellt. Videos der verbalen Attacke machen inzwischen in den sozialen Medien die Runde.

Der Saal war zum Zeitpunkt des Vorfalls bis auf den letzten Platz mit Journalisten gefüllt, viele Reporter standen auf den Gängen, während Leavitt Fragen beantwortete. „Vorhin haben Sie die ICE-Agenten allgemein verteidigt“, leitete ein Journalist seine Frage ein, „und zuvor sagte Ministerin Noem zur Presse unter anderem, dass sie alles korrekt machen“. Dann zählte er auf: „32 Menschen sind im vergangenen Jahr in Gewahrsam durch ICE gestorben. 170 US-Staatsbürger wurden von ICE festgehalten und Renee Good wurde in den Kopf geschossen und von einem ICE-Agenten getötet.“ Wie das zu ihrer Aussage passe, dass ICE alles richtig mache, wollte Niall Stanage vom US-Portal „The Hill“ von Leavitt wissen.

Hintergrund der Frage waren die jüngsten Vorwürfe gegen die US-Einwanderungsbehörde. Zuletzt war die Stimmung zwischen Demonstranten und der ICE in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota eskaliert, weil die Agenten im großen Stil Razzien unter anderem gegen Somali-Amerikaner durchgeführt hatten. Die US-Bürgerin Renee Good wurde dabei in ihrem Auto von einem ICE-Agenten erschossen, nachdem sie zuerst eine Straße blockierte. Die Trump-Regierung stellt Good als „inländische Terroristin“ dar, die von dem Polizisten aus Notwehr getötet worden sei, nachdem sie ihn „überfahren“ habe. Auf Videos des Vorfalls ist allerdings zu sehen, dass der ICE-Beamte links neben dem Wagen zu sehen ist, als dieser nach rechts abdreht – also von dem Beamten weg.

Trumps Pressesprecherin fragte den Reporter: „Warum wurde Renee Good leider und auf tragische Weise getötet?“

„Fragen Sie mich nach meiner Meinung?“, wollte der Journalist nun wissen und antwortete dann: „Weil sich ein ICE-Agent rücksichtslos verhalten und sie ungerechtfertigt getötet hat.“

Leavitt attackierte den Reporter frontal: „Oh, Sie sind also ein voreingenommener Reporter mit einer linken Meinung“, warf sie ihm vor. „Sie sind ein linker Schmierfink. Sie sind kein Reporter. Sie geben sich in diesem Raum als Journalist aus“, unterstellt sie ihm. Dies sei schon an seiner Fragestellung erkennbar. Er und andere Medienvertreter mit derartigen Vorurteilen würden nur so tun, als seien sie Journalisten. „Sie sollten überhaupt nicht auf diesem Stuhl sitzen. Sie tun so, als wären Sie ein Journalist, aber Sie sind ein linker Aktivist.“

Die Trump-Regierung nimmt die Agenten der Einwanderungsbehörde regelmäßig in Schutz. „Wenn die korrupten Politiker von Minnesota das Gesetz nicht befolgen und die professionellen Agitatoren und Aufständischen nicht daran hindern, die Patrioten von ICE anzugreifen, die nur versuchen, ihre Arbeit zu tun, werde ich das Aufstandsgesetz in Kraft setzen, wie es viele Präsidenten vor mir getan haben, und der Farce, die sich in diesem einst großartigen Staat abspielt, schnell ein Ende setzen“, drohte US-Präsident Trump auf seiner Online-Plattform „Truth Social“.

Reporterin der „Washington Post“ im Visier des FBI

Die Trump-Regierung hat zuletzt nicht nur den Druck auf Migranten erhöht, sondern auch auf Journalisten von einigen Medien. So hatte das FBI am Mittwoch die Wohnung der „Washington Post“-Reporterin Hannah Natanson durchsucht. Nach Angaben der „Post“ beschlagnahmten die FBI-Ermittler Natansons Telefon und zwei Laptops.

Die Beamten hätten Natanson informiert, dass sie nicht die Zielperson der Ermittlungen sei. Es gehe vielmehr um Ermittlungen im Fall eines Regierungsauftragnehmers, der beschuldigt wird, geheime Unterlagen entwendet zu haben, berichtete die „Washington Post“. Die „Washington Post“ gehört dem Amazon-Gründer Jeff Bezos.

Natanson hatte zuvor in der Zeitung intensiv über umfassende Entlassungen von Regierungsmitarbeitern unter Trump berichtet. Die „Post“ schrieb, es sei „höchst ungewöhnlich“, dass Ermittlungsbehörden die Wohnung eines Reporters durchsuchten.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke