ICE-Beamte schießen auf Migranten – Gouverneur fordert Bürger auf, Vorfälle zu filmen
Eine Woche nach den tödlichen Schüssen eines Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE auf eine Frau hat erneut ein Bundesbeamter in Minneapolis einen Schuss abgegeben und einen Mann verletzt. Das Heimatschutzministerium berichtete auf X von einer eskalierten Verkehrskontrolle am Mittwochabend (Ortszeit).
Demnach kontrollierten Bundespolizeibeamte einen „illegalen Einwanderer aus Venezuela“ in seinem Auto. Der Mann sei zunächst im Wagen und nach einem Unfall weiter zu Fuß geflüchtet. Als ein Beamter ihn festnehmen wollte, habe er Widerstand geleistet und ihn angegriffen. Zu dem Gerangel kamen nach Ministeriumsangaben zwei Menschen hinzu, die den Beamten unter anderem mit einer Schneeschaufel attackierten. Aus Angst um sein Leben habe der Beamte einen Schuss abgegeben und den ursprünglichen Verdächtigen am Bein verletzt. Der Stadt Minneapolis zufolge befindet sich der Mann mit nicht lebensbedrohlichen Verletzungen im Krankenhaus.
Nach Angaben des Ministeriums kam auch der Polizist ins Krankenhaus. Die beiden anderen Angreifer seien in Gewahrsam genommen worden. Zum Gesundheitszustand des Beamten gab es bislang keine Angaben. Dass es ein Gerangel gab, könne er nicht bestätigen, sagte Minneapolis’ Polizeichef Brian O’Hara. Am Tatort seien aber ein Besen und eine Schneeschaufel gefunden worden.
Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Beamten
Nach dem Vorfall versammelten sich rund 200 Demonstranten am Tatort und forderten ICE-Agenten zum Verlassen der Stadt auf, wie die „New York Times“ berichtet. Polizeichef O’Hara sagte, die Menschenmenge am Tatort habe sich an „rechtswidrigen Handlungen“ beteiligt. Er forderte die Demonstranten auf, den Platz zu verlassen. „Sie haben Feuerwerkskörper auf Polizeibeamte geworfen, und mehrfach wurde Tränengas eingesetzt“, zitiert die Zeitung O’Hara.
Demonstranten sollen ein ICE-Fahrzeug umringt und aussteigende Beamten mit Schneebällen beworfen haben. Die Beamten zogen sich schließlich zurück und feuerten beim Verlassen des Tatorts mindestens zwei Gasgranaten ab, die einen lauten Knall verursachten und einigen Personen das Atmen erschwerten.
Bürgermeister: Menschen haben Angst
Am Mittwoch vergangener Woche hatte ein ICE-Beamter in Minneapolis die US-Bürgerin Renee Nicole Good in ihrem Auto mit drei Schüssen getötet. Der Vorfall löste in den USA Proteste aus, allein in Minneapolis gingen tausende Menschen auf die Straßen. US-Heimatschutzministerin Kristi Noem entsandte daraufhin hunderte zusätzliche Bundespolizisten nach Minneapolis. Sie behauptete, Politiker der Demokraten hätten die Demonstranten zu Gewalt gegen die Einwanderungspolizei angestachelt.
Der Bundesstaat Minnesota reichte Klage gegen die Regierung von US-Präsident Donald Trump ein. Das harte Vorgehen der ICE-Beamten habe den von Demokraten regierten Bundesstaat „weniger sicher gemacht“, erklärte die örtliche Generalstaatsanwaltschaft.
Der ebenfalls von den Demokraten regierte US-Bundesstaat Illinois reichte eine ähnliche Klage gegen die US-Regierung ein. Auch in Illinois hat es verstärkt ICE-Einsätze gegeben.
Die Trump-Regierung stellt Good als „inländische Terroristin“ dar, die von dem Polizisten aus Notwehr getötet worden sei, nachdem sie ihn „überfahren“ habe. Auf Videos des Vorfalls ist allerdings zu sehen, dass der ICE-Beamte links neben dem Wagen zu sehen ist, als dieser nach rechts abdreht – also von dem Beamten weg.
Der Bürgermeister der Stadt, Jacob Frey (Demokraten), sprach bei einer Pressekonferenz von einer „unmöglichen Situation“. Frey übte erneut scharfe Kritik am Vorgehen der Einwanderungsbehörde, die Menschen hätten Angst. „Ich habe von der ICE Verhaltensweisen gesehen, die widerwärtig und inakzeptabel sind“, sagte er. „Das ist nicht der Weg, den wir in Amerika gehen sollten.“
Das Heimatschutzministerium warf Frey und dem Gouverneur von Minnesota vor, zu organisiertem Widerstand gegen ICE zu ermutigen. Frey wies das zurück.
Gouverneur fordert Bürger auf, „Gräueltaten“ zu filmen
Die Stadt Minneapolis rief auf X zur Ruhe auf: „Wir verstehen, dass es Ärger gibt. Wir bitten die Öffentlichkeit, ruhig zu bleiben.“ Erneut forderte sie ICE auf, Minneapolis und den Bundesstaat Minnesota zu verlassen.
Gouverneur Tim Walz schrieb auf X, dass US‑Präsident Donald Trump genau das wolle – Gewalt auf den Straßen.
Walz forderte die Bürger in einer Videobotschaft auf, die ICE-Aktivitäten zu filmen. „Wenn Sie ICE-Beamte in Ihrer Nachbarschaft sehen, nehmen Sie Ihr Handy und drücken Sie auf Aufnehmen“, sagte Walz. „Helfen Sie uns, eine Datenbank der Gräueltaten zu erstellen.“ Damit sollten Beweise für zukünftige Strafverfolgungen gesammelt werden.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke