Man könnte meinen, ein Stromausfall, der im Südwesten Berlins fast 30.000 Haushalte und rund 1200 Unternehmen betrifft, sei eine relevante Nachricht – zumal bei den aktuellen Minustemperaturen. Pflegebedürftige Menschen mussten in Turnhallen untergebracht werden, weil sie zu Hause oder in Heimen nicht mehr versorgt werden konnten. Die Reparaturen werden Tage dauern, Experten warnen jetzt schon vor Folgeschäden dieses Blackouts. Zu dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke bekannte sich eine linksextremistische Gruppe, die Ermittlungen laufen.

Dementsprechend groß war bei etlichen Zuschauern die Verwunderung darüber, wie die „Tagesschau“ in der 20-Uhr-Ausgabe am Montag mit dieser Notlage umging. Der Stromausfall wurde in exakt 29 Sekunden abgehandelt – eingebettet zwischen der „Zerreißprobe der BSW-SPD-Koalition“ in Brandenburg und der Debatte über ein Böllerverbot. „Der Linksterrorismus ist mit steigender Intensität in Deutschland zurück“, wurde Innenminister Dobrindt (CSU) noch zitiert.

Danach folgte der Sprung zu einem „von der Deutschen Umwelthilfe initiierten Bündnis“ zum Thema privates Feuerwerk, das eine Million Unterschriften für ein Böllerverbot gesammelt hat, die dem Bundesinnenministerium übergeben wurden. Dass die Gewerkschaft der Polizei mit 3,2 Millionen Unterzeichnern deutlich mehr Unterstützung mobilisieren konnte, wurde erst später erwähnt.

Deutlich mehr Platz nahm dagegen ein anderes Thema: die Lage der Brillenpinguine in Südafrika. Vor dem Wetterbericht widmete die Sendung ihnen fast zwei Minuten. Experten kommen ausführlich zu Wort, Pfleger werden gezeigt, wie sie die Tiere behandeln. Denn die Tiere drohten zu verhungern. „Umweltverschmutzung, Schiffslärm – die Pinguine haben viele Probleme“, hieß es unter anderem. Hauptursachen seien Überfischung und Klimawandel.

In den sozialen Medien sorgte diese thematische Gewichtung für Kritik. „Die @tagesschau berichtet ausführlicher über Pinguine in Südafrika als über den linken Terroranschlag in Berlin“, schreibt ein User.

„Gerade in der Tagesschau: ein Bericht über Brillenpinguine ein Vielfaches ausführlicher als das kurze Statement zum Stromausfall in Berlin. Ein Trauerspiel“, schreibt ein anderer. Oder noch jemand: „Tagesschau bizarr: Brillenpinguine statt Stromterror“.

Viele der User fordern eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks oder gar die Abschaffung des Rundfunkbeitrags, denn auch auf einen Brennpunkt im Anschluss an die „Tagesschau“ wurde in der ARD verzichtet. Dabei wird über den Stromausfall in Berlin mittlerweile auch in der internationalen Presse berichtet.

Bis alle Betroffenen wieder am Netz sind, wird es noch etwa bis Donnerstagnachmittag dauern. „Heute beginnen die elektrischen Arbeiten.“ Damit liege man „sehr gut im Zeitplan“, so der Sprecher am Dienstag.

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