Am Ende liefert sich Maduro einen Disput mit einem Zuhörer
Die 26. Etage des Bundesgerichts von Manhattan im Herzen von New York City, dunkle Holzbänke, hinter Richter Alvin Hellerstein ein „X“ als Kunstwerk an der Wand. Klappstühle überall im Raum verteilt, weil es so voll ist. Um kurz nach 12 Uhr werden Nicolás Maduro und seine Frau am Montagmittag in den Gerichtssaal geführt, ohne Handschellen, begleitet von US-Marshalls.
Auf Englisch sagt er „Happy New Year“, sucht den Blickkontakt mit Journalisten, die hinten im Saal sitzen. Es ist der erste öffentliche Auftritt, seit US-Kräfte das Ehepaar am Wochenende bei einem dramatischen Militäreinsatz in Caracas gefasst hatten.
„Ich bin unschuldig. Ich bin nicht schuldig. Ich bin ein anständiger Mann. Ich bin immer noch Präsident meines Landes“, sagt Maduro über einen Dolmetscher an Richter Hellerstein gewandt, als er zu seinem Plädoyer zu den Vorwürfen des Drogenterrorismus und der Waffendelikte gefragt wird. Dann unterbricht ihn der Richter und wirft ein: „Für Herrn Maduro wird ein Nicht-schuldig-Plädoyer eingetragen.“
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Es ist einer von mehreren Momenten während der rund 30 Minuten dauernden Anhörung, die Maduro nutzt, um seine Festnahme durch US-Kräfte zu beklagen. Sowohl Maduro als auch seine Frau tragen die Standard-Gefängniskleidung: dunkelblaue Überwürfe über orangefarbenen Langarmshirts, dazu kakifarbene Hosen. An ihren Plätzen im Saal haben sie Kopfhörer auf, um den Dolmetschern zu folgen.
Als Maduro aufsteht, um den Richter anzusprechen, hält er sich an den Armlehnen seines Stuhls fest, kommt unsicher auf die Beine. Flores, deren blondes Haar zu einem Dutt zurückgebunden ist, hat mehrere kleine Pflaster im Gesicht. Sie habe bei ihrer „Entführung“ in Caracas Verletzungen erlitten, sagt einer ihrer Anwälte.
Während der Anhörung verliest Hellerstein dem Paar eine Zusammenfassung der Vorwürfe und belehrt den venezolanischen Präsidenten und die First Lady über ihre Rechte. Er spricht sie als „Mr. Maduro“ und „Ms. Flores“ an.
Als Maduro gebeten wird, seine Identität zu bestätigen, beginnt er in festem Spanisch mit der Erklärung, er sei der „Presidente constitucional de la Republica Venezuela“ – der verfassungsmäßige Präsident der Republik Venezuela: „Ich bin hier, entführt, seit Samstag, 3. Januar. Ich wurde in meinem Haus in Caracas, Venezuela, gefasst.“
„Es wird eine Zeit und einen Ort geben, um auf all das einzugehen“, unterbricht ihn der Richter.
Nach ihrem Plädoyer gefragt, spricht Flores mit leiser, heiserer Stimme. „Nicht schuldig. Vollkommen unschuldig“, sagt sie.
Beide, Maduro wie Flores, haben gesundheitliche Probleme und benötigten während der Zeit bis zum Prozess medizinische Versorgung, erklären ihre Anwälte. „Ms. Flores hat während ihrer Entführung erhebliche Verletzungen erlitten, wie Sie heute hier im Gericht sehen können“, sagt ihr Verteidiger zum Richter: „Es besteht die Annahme, dass sie möglicherweise einen Bruch oder starke Prellungen an den Rippen hat.“
In der 25-seitigen Anklageschrift gegen Maduro, seine Ehefrau, seinen Sohn und drei weitere Personen heißt es, venezolanische Führungspersonen hätten „seit mehr als 25 Jahren ihre Positionen öffentlichen Vertrauens missbraucht und einst legitime Institutionen korrumpiert“, um tonnenweise Kokain in die Vereinigten Staaten einzuführen.
Maduro wird von Promi-Anwalt verteidigt
Maduro wird vor Gericht von Barry Pollack vertreten, einem prominenten Anwalt, der als Verteidiger des WikiLeaks-Gründers Julian Assange Bekanntheit erlangte. Die Anwälte erklären, sie werden am Montag keine Freilassung gegen Kaution für Maduro oder Flores beantragen, behielten sich jedoch vor, dies zu einem späteren Zeitpunkt zu tun. „Mr. Maduro ist das Staatsoberhaupt eines souveränen Staates“, sagt Pollack. „Er hat Anspruch auf die Privilegien und Immunitäten, die mit diesem Amt einhergehen. Darüber hinaus gibt es Fragen zur Rechtmäßigkeit dieser militärischen Entführung.“
Maduro ist seit Langem ein Ziel des US-Justizministeriums. Bundesstaatsanwälte in Manhattan klagten ihn erstmals 2020 an und warfen ihm vor, an der Spitze des Drogennetzwerks „Cartel de los Soles“ zu stehen. Schon 2015 waren die Neffen von Maduros Ehefrau Flores in Haiti festgenommen und von derselben Behörde, die auch den Maduro-Fall bearbeitet, wegen Drogenhandels angeklagt worden.
All das ist hier in New York heute kein Thema, zumindest noch nicht. Als die Anhörung zu Ende geht, steht eine Person in der vierten Reihe auf und ruft, Maduro werde „im Namen des venezolanischen Volkes“ für seine Verbrechen bezahlen.
„Ich bin ein Mann Gottes, und ich bin ein Kriegsgefangener“, entgegnet Maduro auf Spanisch. Dann führen US-Marshalls ihn aus dem Saal.
Der nächster Gerichtstermin ist am 17. März.
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