Ein Angriff der USA auf Grönland käme nach Ansicht der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen einem Ende der Nato gleich. „Wenn die Vereinigten Staaten beschließen, ein anderes Nato-Land militärisch anzugreifen, dann ist alles vorbei“, sagte Frederiksen am Montag dem Fernsehsender TV2. „Das heißt, auch unsere Nato und damit die Sicherheit, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gewährleistet ist.“

Grönland gehört zum Königreich Dänemark, das trotz großer Autonomie der Insel unter anderem für die Außen- und Verteidigungspolitik zuständig ist. Grönland ist kein unabhängiges Mitglied der ⁠Nato, aber durch die Mitgliedschaft Dänemarks Teil des Militärbündnisses. US-Präsident Donald Trump hat wiederholt gefordert, die größte Insel der Welt, auf der nicht einmal 60.000 Menschen leben, den USA einzuverleiben und hat auch militärische Gewalt nicht ausgeschlossen.

Frederiksen sagte, wenn Trump Grönland für die USA fordere, müsse man das ernst nehmen. „Wir werden eine Situation, in der wir und Grönland auf diese Weise bedroht werden, nicht akzeptieren“, fügte sie hinzu. Sie erhielt am Montag die Rückendeckung der EU und vieler europäischer Staaten erhalten, darunter auch Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

„Dänemark ist immer ein guter Verbündeter gewesen“, sagte sie TV2 weiter. Das Land habe sich im vergangenen Jahr um Aufrüstung auf der Arktisinsel bemüht. „Wir sind uns in der Nato einig darin, die Sicherheit im hohen Norden zu verstärken.“ Man könne aber nicht einfach hergehen und einen Teil des Territoriums eines anderen Landes übernehmen.

„Man kann Grönland nicht mit Venezuela vergleichen“

Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen versuchte am Montag, den Konflikt zu entschärfen. Er erklärte, sein Land erwarte trotz der neuerlichen US-Offerte keine Intervention der Amerikaner. „Wir gehen nicht davon aus, dass eine Übernahme des Landes über Nacht geschehen könnte“, ‍sagte Nielsen in der Hauptstadt Nuuk. „Man kann Grönland nicht mit Venezuela vergleichen“, sagte Nielsen. „Wir sind ein demokratisches Land.“

Auf den Straßen der grönländischen Hauptstadt Nuuk waren die neuerlichen Drohungen aus den USA Gesprächsthema Nummer eins. „Das ist so respektlos, dass sie glauben, dass sie einfach unser Land übernehmen können“, sagte die Grönländerin Mia Schmidt dem dänischen Rundfunk. „Das macht mich rasend!“

Viele Grönländer sagten dem Sender DR, sie seien nun noch beunruhigter als zuvor. „Das ist ein klares Signal der USA, dass sie darauf bestehen, die Kontrolle über Grönland zu übernehmen“, sagte Jesper Müller aus Nuuk.

Nach der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro teilte die Frau eines führenden Beraters von Trump ein Bild einer Karte Grönlands in US-Farben und schrieb dazu „bald“. Auch der US-Präsident bekräftigte seinen Anspruch am Sonntag. „Wir brauchen Grönland vom Standpunkt der nationalen Sicherheit aus“, sagte Trump. Die Insel sei von großer strategischer Bedeutung, aktuell aber von russischen und chinesischen Schiffen umgeben, behauptete Trump.

Der Experte für globale Sicherheit vom Dänischen Institut für Internationale Studien, Ulrik Pram Gad, schrieb dagegen, in der Arktis gebe es zwar russische und chinesische Schiffe, „aber diese Schiffe sind zu weit entfernt, um sie von Grönland aus mit oder ohne Fernglas zu sehen“. Die USA unterhalten mit der Pituffik Space Base eine wichtige Militärbasis auf Grönland.

Trump untermauerte seine Aussage auch mit Spott über Dänemark. „Wissen Sie, was Dänemark jüngst gemacht hat? Um die Sicherheit in Grönland zu verstärken, haben sie noch einen Hundeschlitten hinzugefügt. Es ist wahr. Sie dachten, das war eine großartige Verstärkung.“

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