„Der kühle Blick des Statistikers ist zutiefst bestürzend“, sagt Sarrazin
Der frühere SPD-Politiker und Bestseller-Autor Thilo Sarrazin zieht zehn Jahre nach dem „Wir schaffen das“-Ausspruch der damaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ein kritisches Fazit. Mit Blick auf die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt sagte Sarrazin im Gespräch mit WELT TV: „Nein, wir haben es nicht geschafft.“
„Der kühle Blick des Statistikers über das, was wirklich geschehen ist, ist zutiefst bestürzend“, sagte Sarrazin. „Zumal wir wissen, dass die unteren 30 Prozent in der Arbeitspyramide vom Einkommen her praktisch gar nicht zu den Finanzen beitragen.“ Das Thema Migration sei eng verbunden mit dem Thema der Staatsfinanzen. Er verwies auf die steigenden Kosten des Bürgergelds – und den wachsenden Anteil des Ausländeranteils bei den Leistungsbeziehern.
Die Kosten beim Bürgergeld seien wesentlich getrieben durch Einwanderung. „Diese Zusammenhänge muss man sehen, wenn man beurteilen will, ob diese Politik in der Summe erfolgreich war. Das war sie nicht.“
Sarrazin kritisierte auch eine Vereinbarung von Parteien im Kommunalwahlkampf in Köln, Migranten „nicht für negative gesellschaftliche Entwicklungen“ verantwortlich zu machen. „Keine kommunale Frage in einer modernen westdeutschen Großstadt kann ohne das Thema Migration überhaupt beantwortet werden“, sagte Sarrazin. Als Beispiele nannte er die Wohnungsfrage oder die Frage nach der Qualität der Bildung. „Wer sagt, ich lasse jetzt ein ganz wichtiges Beeinflussungselement aus, sagt: Ich möchte aus opportunistischen Gründen keine wirkliche Problem- und Aufgabenanalyse haben.“ Nebeneffekt sei außerdem, dass man der AfD die Diskussionsräume überlasse.
Sarrazin hatte Anfang des Jahres eine kommentierte Neuauflage des 2010 heftig diskutierten und kritisierten Buchs „Deutschland schafft sich ab“ mit dem erweiterten Titel „Die Bilanz nach 15 Jahren“ veröffentlicht. „Leider habe ich in den meisten Prognosen Recht behalten“, sagte Sarrazin damals.
Wo er sich geirrt habe, sei die Entwicklung noch negativer verlaufen. So gebe es weit mehr als damals „kulturfremde Masseneinwanderung“ und eine schlechtere wirtschaftliche Entwicklung. Er sage das mit einer gewissen Trauer, „denn ich liebe Deutschland zu sehr, um mich über mein Rechtbehalten wirklich freuen zu können“.
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