Was gibt es Besseres, als am Sonntag auszuschlafen und den ersten Kaffee erst am späten Morgen zu genießen? Für viele ist der verschobene Rhythmus am Wochenende ein kleiner Luxus. Doch eine neue Studie legt nahe, dass dieser Wechsel – zumindest bei Männern – nicht ganz folgenlos für das Herz bleiben könnte.

Die im Fachjournal „Communications Medicine“ erschienene Arbeit stammt von einem französischen Forschungsteam der Université Sorbonne Paris Nord und Université Paris Cité. Sie untersucht ein noch wenig erforschtes Phänomen: den sogenannten „Essens-Jetlag“. Gemeint ist die Verschiebung der Essenszeiten zwischen Arbeitstagen und freien Tagen.

Gemessen wird dabei nicht, was jemand isst, sondern wann. Konkret geht es um den zeitlichen Mittelpunkt zwischen der ersten und der letzten Kalorienaufnahme des Tages. Wer werktags um sieben Uhr das erste Mal isst und um 19 Uhr das letzte Mal, bei dem liegt der Mittelpunkt um 13 Uhr. Liegt dieser Mittelpunkt am Wochenende erst um 15 Uhr, hat man einen Essens-Jetlag von zwei Stunden.

Der Hintergrund ist die innere Uhr. Der Körper folgt einem etwa 24-stündigen Rhythmus, der Stoffwechsel, Hormonausschüttung und Organfunktionen taktet – der zirkadiane Rhythmus. Licht ist dafür der wichtigste Taktgeber, doch auch die Nahrungsaufnahme wirkt als Signal, besonders für die peripheren Uhren in Organen wie Leber und Herz. Verschieben sich die Essenszeiten ständig, geraten innerer Takt und tatsächliches Verhalten aus dem Gleichlauf.

Für die Untersuchung werteten die Forscher Daten von rund 104.800 Teilnehmern der französischen NutriNet-Santé-Kohorte aus, die im Median gut acht Jahre nachbeobachtet wurden. In dieser Zeit traten etwa 2400 Herz-Kreislauf-Ereignisse auf.

Das Ergebnis: Bei Männern ging ein größerer Essens-Jetlag mit einem höheren Risiko einher. Pro zusätzlicher Stunde Verschiebung am Wochenende hatten sie ein um etwa 14 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei der koronaren Herzkrankheit sogar rund 21 Prozent. Bei Frauen fand sich kein messbarer Zusammenhang.

Dabei steigt das Risiko nicht unbegrenzt. Jenseits von etwa anderthalb Stunden Verschiebung flacht die Risikokurve ab. Auch war die Richtung der Verschiebung weniger entscheidend als die Unregelmäßigkeit selbst – ob jemand am Wochenende später aß oder früher, spielte eine geringere Rolle als die Tatsache, dass der Rhythmus überhaupt schwankte. Die Zusammenhänge blieben bestehen, auch nachdem Schlafdauer, Schlafenszeit und Ernährungsqualität herausgerechnet waren. Die Autoren werteten dies als eigentliche Stärke ihrer Arbeit.

Sie mahnen jedoch auch zur Vorsicht bei der Interpretation ihrer Untersuchung, denn es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Das heißt, sie zeigt einen Zusammenhang, belegt aber keinen ursächlichen Zusammenhang.

Zudem wurde unterstellt, dass alle Teilnehmer montags bis freitags arbeiten und am Wochenende freihaben – die tatsächlichen Arbeitszeiten wurden nicht erfragt. Auch die Kohorte ist überdurchschnittlich weiblich, gebildet und gesundheitsbewusst und damit nicht repräsentativ für die Bevölkerung.

Gleichzeitig gilt der Befund ausdrücklich nur für Männer. Bei Frauen zeigte sich kein statistisch belastbarer Zusammenhang – ob dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern aber echt ist oder teils dem Zufall geschuldet, konnte die Studie nicht abschließend klären.

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