In einer alternden Bevölkerung wird die Belastung durch Demenzen zunehmen. Da es bislang keine wirksame Therapie gibt, ist die Prävention umso wichtiger. Würden 14 Risikofaktoren minimiert, könnte jeder zweite Demenzfall verhindert werden, so die Berechnungen einer Expertenkommission, die von dem renommierten britischen Fachmagazin „The Lancet“ berufen wurde.

Zu den Risikofaktoren gehören erhöhte Werte des schädlichen LDL-Cholesterins. Besonders wichtig ist die Prävention für Patienten, die nicht nur erhöhte LDL-Cholesterinwerte haben, sondern zugleich an Typ-2-Diabetes leiden.

Eine frühe Behandlung dieser Risikogruppe mit Statinen könnte das Risiko für eine spätere Demenz senken, schreiben dänische Forscher des Universitätsklinikums Kopenhagen in der Fachzeitschrift „The Lancet Regional Health – Europe“.

Statine gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten überhaupt. Die Wirkstoffgruppe blockiert ein bestimmtes Enzym in der Leber, das für die Produktion von LDL-Cholesterin verantwortlich ist. Das schützt nachweislich vor Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bekannt ist, dass Diabetes-Typ-2-Patienten ein erhöhtes Risiko für Gefäßschäden haben.

Die neue Studie deutet nun darauf hin, dass Statine auch einen Beitrag zur Vorbeugung von Demenz leisten könnten.

Die Forscher hatten aus dänischen Registern die Daten von 132.585 Personen ausgewertet, die bis 2006 noch nicht mit Statinen behandelt worden waren und bei denen in den folgenden Jahren bis 2019 ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurde. Die Nachbeobachtung erfolgte bis 2021. Es wurden dabei drei verschiedene Patientengruppen unterschieden.

Risiko um 15 Prozent reduziert

Die erste Gruppe umfasste Patienten, die fünf Jahre nach der Diagnose keine Statine erhielten, die zweite Gruppe wurde im ersten Jahr nach der Diagnose mit Statinen behandelt und die dritte innerhalb von fünf Jahren, nachdem die Diabetes-Erkrankung diagnostiziert worden war.

Die Auswertung der Daten zeigte: Im Vergleich zu keiner Statintherapie war eine frühzeitige Statinbehandlung mit einem um 15 Prozent reduzierten Demenzrisiko innerhalb von zehn Jahren verbunden. Bei einem späteren Beginn war das Risiko noch um zehn Prozent verringert.

Tummas Ternhamar, Erstautor der Studie, fasst das Ergebnis der Analyse so zusammen: „Bei Menschen, die an Typ-2-Diabetes erkranken, war die Einnahme von Statinen mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden, insbesondere bei frühzeitigem Therapiebeginn.“

Obwohl Diabetes-Patienten bereits seit Langem empfohlen wird, ihren Cholesterinspiegel zu senken und damit ihr Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall zu reduzieren, würden Statine noch zu selten eingesetzt, so Ternhamar.

Die Ergebnisse der Studie, so Ternhamar weiter, deuteten auf einen weiteren wichtigen Grund hin, Patienten mit Typ-2-Diabetes und hohem LDL-Cholesterin frühzeitig mit Statinen zu behandeln, die vergleichsweise kostengünstig sind.

Die Forscher betonen jedoch, dass es sich bei ihrer Untersuchung um eine Beobachtungsstudie handelt. Um einen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ableiten zu können, seien weitere Studien notwendig.

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