Fast 1,2 Milliarden Menschen psychisch krank – Verdoppelung der Fälle seit 1990
Die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen hat sich global seit 1990 fast verdoppelt: Rund 1,17 Milliarden Menschen leben heute mit einer solchen Diagnose, 1990 waren es noch etwa 599 Millionen. Das entspricht einem Anstieg um 95,5 Prozent bis 2023. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) in den USA und der University of Queensland in Australien, veröffentlicht im Fachmagazin „The Lancet“.
Alle psychischen Störungen nahmen zwischen 1990 und 2023 zu, besonders stark Angststörungen und schwere Depressionen. Dahinter folgen depressive Verstimmungen (Dysthymie), Anorexie, Bulimie, Schizophrenie und Verhaltensstörungen.
Rat und Hilfe
Sie haben suizidale Gedanken? Befinden Sie sich in einer psychischen Krise? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter (0800) 1110111 und (0800) 1110222 sowie 116 123 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail oder Chat ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. Bei unmittelbarer Suizidgefahr: Wählen Sie den Notruf 112, wenn Sie selbst akut gefährdet sind oder es jemand in Ihrem Umfeld ist. In akuten Krisen steht auch der medizinische Notdienst unter 116 117 zur Verfügung.
Die Untersuchung erfasste zwölf psychische Störungen in 25 Altersgruppen, 21 Regionen und 204 Ländern. Grundlage der Analyse ist die IHME-Studie „Global Burden of Disease“ von 2023.
Der jüngste Anstieg beruht hauptsächlich auf Angststörungen und schweren Depressionen. Allein seit 2019 stieg die Zahl schwerer Depressionen um etwa 24 Prozent, während die Fälle von Angststörungen im selben Zeitraum um mehr als 47 Prozent zunahmen. Beide Erkrankungen erreichten nach der Corona-Pandemie ihren Höchststand.
Frauen waren 2023 weltweit stärker betroffen als Männer. Insgesamt lebten 620 Millionen Frauen mit einer psychischen Störung, im Vergleich zu 552 Millionen Männern. Am stärksten betroffen waren die 15- bis 19-Jährigen, zeigt die Studie.
„Im Vergleich zu Männern leiden Frauen unter einem geringeren Selbstwertgefühl, einer stärkeren Neigung zu körperbezogener Scham sowie einer höheren Rate an häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch“, zitiert der australische Rundfunk ABC aus dem Bericht.
Die Forscher berechneten auch die „krankheitsbereinigten Lebensjahre“ (Disability-Adjusted Life-Years, DALYs), die den Verlust gesunder Lebenszeit messen. Psychische Störungen waren 2023 weltweit die fünfthäufigste Ursache für DALYs, nach Platz 12 im Jahr 1990. Insgesamt gingen 171 Millionen gesunde Lebensjahre verloren.
Psychische Belastung nimmt zu: Forscher fordern umfassende Maßnahmen
„Psychische Störungen verursachten 2023 in allen Ländern und Regionen eine erhebliche gesundheitliche Belastung, unabhängig von den verfügbaren Gesundheitsressourcen“, kommentierten die Studienautoren und warnten, dass sich die globale Belastung verschärfe.
Dr. Damian Santomauro, Hauptautor der Studie, erklärte ABC: „Diese steigenden Trends spiegeln möglicherweise sowohl die anhaltenden Auswirkungen pandemiebedingten Stresses als auch längerfristige strukturelle Faktoren wie Armut, Unsicherheit, Missbrauch, Gewalt und nachlassende soziale Verbundenheit wider.“
Um die wachsende Herausforderung zu bewältigen, seien nachhaltige Investitionen in die psychische Gesundheitsversorgung, ein besserer Zugang zu Therapien und koordinierte globale Maßnahmen nötig, so Santomauro. Besonders gefährdete Gruppen müssten gezielt unterstützt werden.
Die Psychologin Elisabet Domínguez, die nicht an der Studie beteiligt war, bezeichnete die Ergebnisse im spanischen „Science Media Center“ als „unmissverständlichen Weckruf“. Sie forderte frühzeitige Prävention, auf Frauen und junge Menschen zugeschnittene Angebote und mehr Investitionen in die psychische Gesundheit.
Auch der Psychologe Jorge Aguado hob die Bedeutung der Studie hervor, mahnte jedoch zur Vorsicht bei der Interpretation der Daten. Der Anstieg der Fallzahlen könne auf demografische Veränderungen, bessere Diagnosen oder die Folgen von Covid-19 zurückzuführen sein. Zudem gebe es methodische Einschränkungen, etwa fehlende Daten aus einigen Ländern, Unterschiede in der Datenqualität und den Fokus auf Länder mit hohem Einkommen.
Weitere Quellen: „Spiegel“, Euronews, CNN
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