„Wie schlecht war Manchester City eigentlich?“
Manchester City hat nicht nur die Folgen seines Finanzskandals zu moderieren, sondern jetzt auch eine echte sportliche Krise. Neuester Tiefpunkt: Die 1:3-Niederlage bei Nottingham Forest, vor dem Spieltag Vorletzter der Premier League. Nach sieben Ligasiegen in Serie zum Saisonstart war es die dritte Niederlage in Folge.
Für die englische Presse Grund genug, auf City draufzuhauen. „Wie schlecht war City eigentlich?“, fragte „The Athletic“. Die „Sun“ ergänzte: „Nach der dritten Niederlage in Folge – und zwar einer verdienten – droht die Saison von City zu scheitern.“
Die Spielzeit steht ohnehin unter schlechten Vorzeichen. Nachdem der Verein wegen Verstößen gegen die Finanzregeln der Premier League in mehr als 100 Anklagepunkten für schuldig befunden wurde, droht eine heftige Strafe. Um einen erwarteten deutlichen Punktabzug, der zu einem Abstieg führen könnte, vielleicht doch noch abzufedern, bräuchte der englische Top-Klub eigentlich jeden Punkt.
Die Presse zog daher auch direkt Parallelen zwischen dem sportlichen Einbruch und dem Schuldspruch im Finanzskandal. „Die Form ist fast so beunruhigend wie der Schuldspruch“, schrieb der „Telegraph“ (gehört wie WELT zur Axel Springer SE). Die „Daily Mail“ forderte die City-Verantwortlichen sogar dazu auf, es „nicht auf den Schuldspruch zu schieben“.
Trainer Enzo Maresca jedenfalls fand eine andere Erklärung für die rätselhafte Leistung bei Nottingham Forest, dem Klub des ehemaligen Frankfurt-Trainers Oliver Glasner. „In solchen Spielen muss man in Sachen Intensität mithalten und Zweikämpfe gewinnen, sonst wird es immer kompliziert. In der ersten Halbzeit waren wir bei den Zweikämpfen und den zweiten Bällen nicht gut genug – wir haben sie alle verloren. Als wir dann reagieren wollten, lagen wir bereits mit 2:0 zurück“, sagte der Nachfolger von Pep Guardiola.
Achtes Pflichtspiel in Serie mit mindestens einem Gegentor
Tatsächlich ist es primär die eklatante Defensivschwäche, die Maresca Sorgen bereiten sollte. Vor dem 0:1 durch Jair Cunha (6. Minute) ließ sich Joško Gvardiol den Ball einfach im Mittelfeld abnehmen. Vor dem 0:2 durch Liam Delap (18. Minute) leisteten Marc Guéhi und Kapitän Rúben Dias dem Nottingham-Stürmer bei dessen Solo über fast 50 Meter nur Begleitschutz. Es war das achte Pflichtspiel in Folge, in dem City mindestens ein Gegentor kassierte. Früher als in Nottingham lag der zehnfache englische Meister in einem Ligaspiel zuletzt im November 2019 (damals gegen Liverpool) mit zwei Toren zurück.
„Ich habe noch nie erlebt, dass eine City-Mannschaft den Ball im Mittelfeld so oft verloren hat“, analysierte der ehemalige Nottingham-Spieler Steve Stone bei der BBC. Und Ex-Liverpool-Spieler Danny Murphy befand, dass City „zu Beginn des Spiels wohl etwas arrogant aufgetreten“ sei.
Maresca hat nun zwei Wochen Zeit, die Einstellung seiner Spieler zu ändern und die defensiven Fehler abzustellen. Nach der Länderspielpause steht dann das Duell mit dem FC Fulham an. „Wenn man ein Spiel verliert, möchte man am liebsten sofort wieder spielen, aber diese Pause tut den Spielern auch gut. Wir werden sie nutzen, um zu klären, wie wir uns verbessern können“, sagte Maresca. Eine solche Analyse hat City dringend nötig.
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