„Sie haben Golf in ein Wettrüsten verwandelt, wollten die European Tour zerstören“
LIV Golf habe die European Tour „zerstören“ wollen. Das sagt der Chef der europäischen Turnierserie, Guy Kinnings, während er sich nun darauf vorbereitet, zahlreiche Spieler wieder aufzunehmen, die in den vergangenen vier Jahren zur von Saudi-Arabien finanzierten Konkurrenzserie gewechselt waren. Ein schwieriges Unterfangen.
Die Gründung von LIV hatte im Jahr 2022 den professionellen Golfsport grundlegend verändert. Die neue Serie lockte einige der größten Stars von der European Tour und der PGA Tour mit enormen Summen an, finanziert vom PIF, dem saudi-arabischen Staatsfonds. Wenige Jahre später kämpft die abtrünnige Serie selbst ums Überleben. In einer abgespeckten Version als „LIV 2.0“ und ohne saudische Investitionen durchläuft sie ein Insolvenzverfahren.
Das hat dazu geführt, dass die meisten großen Namen LIV verlassen haben und eine Rückkehr zu den etablierten Touren planen. Denn bei ihrem bisherigen Veranstalter gibt es kaum noch etwas zu holen. Jon Rahm, Tyrrell Hatton und Sergio Garcia kehren auf die European Tour (mittlerweile DP World Tour) zurück, andere Spieler sollen über Sponsoreneinladungen Startmöglichkeiten bekommen.
Tour-Boss Kinnings steht damit vor einem schwierigen Spagat: Einerseits gewinnt die Tour prominente Spieler zurück. Andererseits herrscht unter einigen Mitgliedern Unmut darüber, dass ehemalige LIV-Profis nun einfach zurückkehren können, nachdem die Konkurrenzserie zuvor für erhebliche Verwerfungen gesorgt hatte.
„Sie haben mehr als sieben Milliarden Dollar ausgegeben“
In einem Interview mit der Zeitung „The Scotsman“ räumte Kinnings ein, dass bei der Wiedereingliederung der Rückkehrer eine Balance gefunden werden müsse.
„Wir müssen die Tour auch vor einer Organisation schützen, die, wie uns gesagt wurde, mehr als sieben Milliarden Dollar ausgegeben hat und eines ihrer Ziele darin sah, die DP World Tour zu zerstören“, sagte er: „Ich habe das von sehr vielen unterschiedlichen Menschen gehört, mit denen sie gesprochen haben. Menschen, die ich seit mehr als 30 Jahren aus dem Golfsport kenne und denen ich uneingeschränkt vertraue.“ Kinnings weiter: „Ich und alle bei der DP World Tour haben gegenüber unseren Mitgliedern die Pflicht, unsere Tour zu schützen.“
Guy KinningsRory McIlroy, der sich seit der Gründung von LIV Golf deutlich gegen die Serie positioniert hat, unterstützte Kinnings’ Aussagen. Beim Abu Dhabi Championship sagte McIlroy am Mittwoch: „Ich stimme allem zu, was Guy gesagt hat. Sie haben Spieler genommen, sie haben Sponsoren genommen, sie haben den professionellen Golfsport in ein Wettrüsten verwandelt. Sie liefen herum und erzählten den Leuten, sie wollten die European Tour zerstören.“
McIlroy bezeichnete es als „ironisch“, dass das neue Motto von LIV-Golf-Chef Scott O’Neil „complete, not compete“ lautet. Gemeint ist, dass LIV seinen Platz im bestehenden Golf-Ökosystem finden wolle, anstatt zu versuchen, dieses zu dominieren. „Das ist etwas anderes als das, was sie zu Beginn des Jahres gesagt haben“, sagte McIlroy. „Nach allem, was passiert ist, wollten viele der Jungs zurückkommen und wieder auf der DP World Tour spielen. Ich glaube, das bringt diese Tour in eine wirklich starke Position.“
Etablierte Spieler und Legenden rechnen ab
Aber auch Probleme. Kinnings räumte ein, dass es „keine perfekte Lösung“ für die Rückkehr der ehemaligen LIV-Spieler gebe, von denen sich einige in der Vergangenheit extrem kritisch über die European Tour geäußert hatten, unter anderem Sergio Garcia. Das fällt ihnen nun auf die Füße.
So sagte der ehemalige Ryder-Cup-Kapitän Paul McGinley aus Irland: „Niemand wirft ihnen vor, dass sie damals das saudi-arabische Geld genommen haben. Das Problem ist, wie sich Typen wie Sergio García, Ian Poulter und Lee Westwood beim Abschied verhalten haben. Sie haben die DP World Tour öffentlich in den Schmutz gezogen. Die Spieler, die hiergeblieben sind, haben ein gutes Gedächtnis. Das ist nicht vergessen.“
Tour-Veteran Joost Luiten (Niederlande) wählt ähnlich drastische Worte: „Vor vier Jahren war ihnen die DP World Tour scheißegal. Wenn unsere Tour sie jetzt einfach so zurückholt, ist das eine extrem schwache Entscheidung und vor allem absolut unfair gegenüber all den jungen Talenten, die sich über die Qualifying School den Arsch aufreißen, um überhaupt eine Chance zu bekommen.“
Oder der Engländer Eddie Pepperell, der meinte: „Die Vorstellung, dass Spieler wie Charles Howell III, Thomas Pieters oder Louis Oosthuizen jetzt einfach Einladungen für unsere Turniere bekommen sollen, ist völlig bizarr. Die treuen Mitglieder der DP World Tour, die jede Woche um ihre Karte kämpfen müssen, werden sich durch diese Bevorzugung von der Tour-Leitung komplett verraten fühlen.“
Kinnings sagt dazu: „Ich verstehe, dass das ein sensibles Thema ist. Es muss so fair und so leistungsabhängig wie möglich geregelt werden. Unabhängig davon, um welche Spieler es sich handelt: Sie müssen sich innerhalb des Systems beweisen.“
Er deutete zudem an, dass einige der Einladungen für zurückkehrende LIV-Spieler gezielt für kleinere Turniere der European Tour zwischen Februar und August vergeben werden könnten. In diesem Zeitraum spielen viele der Topstars hauptsächlich auf der PGA Tour.
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