Ocon muss sofort gehen – und die Hintergründe sind mysteriös
Esteban Ocon wird in der Formel 1 nicht mehr für den Rennstall Haas an den Start gehen und beim nächsten Rennen durch Nachwuchsfahrer Rafael Câmara ersetzt, wie das Haas-Team mitteilte. Der 21-jährige Câmara soll in seiner Heimat Brasilien beim Großen Preis von São Paulo an der Seite von Ollie Bearman an den Start gehen. Das Rennen wird am Sonntag ausgetragen (18 Uhr, Sky).
„Solche Entscheidungen werden niemals leichtfertig getroffen. So war es auch in Mexiko-Stadt – doch damals wie heute sind wir der festen Überzeugung, dass dies im besten Interesse des Teams für die Zukunft ist“, sagte Teamchef Ayao Komatsu. Ocon sollte ohnehin nach dieser Saison von Câmara ersetzt werden, der derzeit Spitzenreiter der Nachwuchsserie Formel 2 ist.
Ocon war bereits am vergangenen Wochenende in Mexiko-Stadt kurzfristig gestrichen worden; für ihn ging der 32 Jahre alte Japaner Ryo Hirakawa an den Start. Gründe nannte Haas nicht. Es handle sich nicht um einen Krankheitsfall, hieß es lediglich.
Nach Informationen der „Bild“ zog Haas nun endgültig die Konsequenzen aus dem Mexiko-Eklat. Das Blatt hatte zunächst in den Tagen des Rennens in Mexiko über einen heftigen Disput hinter den Kulissen berichtet. Nach dem zweiten freien Training soll es dem Bericht zufolge in einem Team-Meeting zu einer lautstarken Auseinandersetzung gekommen sein.
„Tut mir das nicht an“, bat Ocon
Ocon war zuvor bereits mit den Anweisungen seiner deutschen Renningenieurin Laura Müller unzufrieden gewesen und mit ihr aneinandergeraten. Während des Trainings hatte Müller den Franzosen an die Box beordert und ihm Medium-Reifen verordnet. Ocon wehrte sich bereits am Funk gegen die Anweisung: „Nein, ich will auf den Soften bleiben. Tut mir das nicht an!“
Doch der Ärger war damit offenbar nicht vorbei. Der „Bild“ zufolge kam es nach dem Training zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Ocon und Teamchef Komatsu.
Ein Bild aus den Tagen, als das Binnenverhältnis im Haas-Team noch besser war: Ocon (rechts) mit Teamchef KomatsuSeitdem schwirren zahlreiche Gerüchte durch das Fahrerlager. Die „Bild“ berichtete von einer heftigen Meinungsverschiedenheit zwischen Ocon und Komatsu. Dabei soll Ocon seinen Boss an die Schulter gefasst haben, als dieser das Gespräch verlassen wollte. Andere Medien gingen in ihrer Darstellung noch weiter und berichteten von Gewaltvorwürfen.
Ocon hatte auf Instagram danach „Berichte oder Vorwürfe kategorisch“ zurückgewiesen, die nahelegen würden, dass es zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung gekommen sei. Er bitte auch darum, solche Spekulationen zu unterlassen und kündigte weitere Informationen zu gegebener Zeit an. Der 30-Jährige kommt seit 2016 auf fast 200 Grand-Prix-Einsätze.
Zu den Gründen für die Absetzung Ocons äußerte sich Komatsu weiter nicht konkret: „Die Gespräche, die letztendlich zwischen dem Team und Esteban stattfanden, bleiben eine interne Angelegenheit, und wir werden den vertraulichen Charakter solcher Gespräche hinter verschlossenen Türen auch weiterhin respektieren“, sagte er.
Ocon selbst hatte den Verlust seines Haas-Cockpits als „unverdient“ kritisiert, sich mit seinem jüngsten Verhalten jedoch ebenso wenig empfohlen wie mit seinen Leistungen auf der Strecke. „Er hat womöglich den Rest seiner Formel-1-Karriere weggeschmissen“, kritisierte der frühere Weltmeister Jenson Button bei Sky.
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