Schalker Durchhalteparolen vor einem brutalen Programm
Miron Muslic wusste, was nach dem Aus im DFB-Pokal auf ihn zukommen wird. Deshalb hatte sich der Trainer von Schalke 04 auch einige Aussagen zurechtgelegt, um all den negativen Thesen und Befürchtungen, die erwartungsgemäß aufkommen werden, etwas entgegenzusetzen. „Die Schlagzeilen überlasse ich euch“, sagte er an die Adresse eines Journalisten, der – stellvertretend für alle Beobachter, die sich zunehmend Sorgen um den Bundesliga-Aufsteiger machen – das Naheliegende gefragt hatte: Ist Schalke dabei, in eine Krise zu schlittern?
„Wir bewahren klaren und kühlen Kopf. Ich weiß, was Schalke kann und wie Schalke tickt. Und ich weiß auch, wie wir es geschafft haben, aus schwierigen Situationen herauszukommen“, sagte Muslic nach dem 0:2 (0:0) beim Zweitligisten Dynamo Dresden – einem Spiel, bei dem sein Team jegliche Torgefahr hatte vermissen lassen. Die Harmlosigkeit, die Schalke ausgestrahlt hatte, war erschreckend. „Hochverdient“, sei die Niederlage gewesen, räumte Muslic ein.
Trainer Miron Muslic während der für ihn ernüchternden Partie in DresdenNatürlich ist die Krise auf Schalke angekommen. Ob der Trainer dies nun bestätigt oder nicht, ist zweitrangig. Es war das dritte Pflichtspiel in Folge, in dem es nicht gelang, ein Tor zu schießen – und bereits das sechste in der laufenden Saison. Das ist alarmierend. Besonders fatal war jedoch, dass sich die Mannschaft auch gegen einen klassentieferen Gegner nicht einmal Möglichkeiten herausspielen konnte. Schalke fand offensiv schlicht nicht statt.
Schalke bleibt stumpf
Muslic wollte dieses immer bedrohlichere Problem allerdings nicht nur an den Offensivspielern festmachen. „Ich muss unsere Stürmer in Schutz nehmen. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Mannschaft und nicht nur die Spieler, die vorne spielen“, sagte er. Diesmal hatte er auf Edin Dzeko als Sturmspitze gesetzt und mit Adil Aouchiche und Hee-Chan Hwang zwei Offensivspieler hinter dem mittlerweile 40-jährigen bosnischen Routinier agieren lassen. Im Verlauf des Spiels wechselte Muslic mit Kenan Karaman, Junior Adamu und Dejan Ljubicic, der gerade eine Knieverletzung auskuriert hat, noch weitere Profis ein, die grundsätzlich Qualitäten im Angriffs- und Kreativspiel haben sollten – doch auch das änderte nichts. „Die Dresdener waren uns in allen Phasen überlegen. Wir waren sehr unpräzise und nicht on point“, so Muslic.
Was auch immer Muslic macht, in welcher Ausrichtung und mit welchem Personal er auch spielen lässt – Schalke bleibt stumpf. Die Angriffsbemühungen sind für die jeweiligen Gegner leicht zu durchschauen und entsprechend einfach zu verteidigen. „Wir müssen es wieder schaffen, dass unsere Stürmer wieder in Situationen kommen, in denen sie Chancen haben“, sagte Muslic. Wie das geschehen soll, ließ er jedoch offen. Die Statistiken aus der Bundesliga sprechen Bände: Sein Team benötigt 17,5 Torschüsse und 7,4 Chancen für einen Treffer – das sind die schlechtesten Werte aller 18 Mannschaften.
Edin Dzeko – auch der Altstar kann Schalke derzeit nicht den gewünschten Input im Sturm verleihenDie Schalker, die in der vergangenen Saison die zweite Liga dominiert hatten und dabei zumindest auch in der Rückrunde offensiv überzeugen konnten, stoßen in der Bundesliga an ihre Grenzen. Im Gegensatz zu den beiden Mitaufsteigern aus Elversberg und Paderborn, die zwar auch ihre Probleme haben, ist ihnen die taktische Anpassung an das höhere Niveau überhaupt nicht gelungen. Um Konterfußball zu spielen, fehlt es an Geschwindigkeit – und für ein dominantes Kombinationsspiel reichen die technischen Mittel nicht aus. Dass es deshalb eine schwere Saison werden würde, ist wenig überraschend.
„Wir werden uns stabilisieren“
Darauf hatte vor allem Muslic hingewiesen – auch zu einem Zeitpunkt, als dies noch niemand hören wollte. Sogar nach dem zweiten Spieltag, als es den Schalkern gelungen war, den Bayern ein 0:0 abzutrotzen. Damals, am 5. September, war in Gelsenkirchen noch viel von der Euphorie zu spüren gewesen, die der Wiederaufstieg ausgelöst hatte. Doch Muslic wusste, wie das Ergebnis gegen die Münchener zustandegekommen war: wie viel aufopferungsvolle Abwehrarbeit nötig war und vor allem – wie viel Glück. Die kommenden Monate werden deshalb „brutal“ werden, hatte der Österreicher prophezeit.
Genau so sollte es kommen – weswegen sich Muslic bestätigt sieht. „Ich bin aber froh, dass wir diese Phase jetzt haben, also Ende Oktober, und nicht Ende März, im April oder im Mai, wenn es um alles gehen wird“, erklärte er am Mittwochabend. Gleichzeitig versprach er Besserung. „Wir werden uns stabilisieren und am Ende der Saison wieder alles erreichen, was wir uns vornehmen.“ Soll heißen: So wie die Schalker die Rückkehr in die Bundesliga schafften, obwohl es ihnen niemand zugetraut hatte, werden sie auch den Klassenverbleib erreichen.
Diese Durchhalteparolen sind tradierter Bestandteil der Rhetorik von Muslic. Allerdings geht er nicht wirklich in Details: Er sagt nicht konkret, wie es besser werden soll. Und dies könnte auf Sicht zum Problem werden. Der Glaube, dass der Kader qualitativ tatsächlich stark genug ist, könnte schwinden.
Zumal das Programm, das in den kommenden Wochen wartet, anspruchsvoll ist. Am Samstag kommt RB Leipzig (15:30 Uhr, Sky und im WELT-Liveticker), dann geht es zur TSG Hoffenheim und schließlich gegen den VfB Stuttgart – gegen gleich drei Europapokalteilnehmer. Auch das werde wieder „richtig hart“, so Muslic: „Das müssen wir überstehen – und werden wir auch überstehen.“
Die Sorge ist jedoch: Wie lange werden die Appelle des Trainers, der wegen des Aufstiegs intern und auch bei den Fans viel Kredit hat, noch ausreichen, um das Kippen der Stimmung zu verhindern? Am Mittwoch wurde die Mannschaft erstmals seit Monaten von den eigenen Anhängern nicht mehr mit aufmunterndem Beifall, sondern schweigend verabschiedet. Pfiffe gab es – noch – nicht.
„Die Fans haben alles Recht der Welt, so zu reagieren. Die meisten von ihnen sind 600 Kilometer gefahren, fahren jetzt wieder nach Hause und müssen morgen früh um acht Uhr wieder bei der Arbeit sein. Dafür haben sie Respekt verdient. Und wenn wir dann nicht beklatscht werden, haben es die Jungs auch ein Stück weit verdient“, so Muslic. Dann fügte er – wieder einmal – einen Appell an. Schalke sei es gewohnt, sich aus schwierigen Lagen zu befreien. „Wir kennen das, wir wissen noch, wie hier vor 16 Monaten alles in Schutt und Trümmern lag. Auch da haben wir den Mut nicht verloren.“ Damals, als Muslic kam, hatte der Traditionsverein gerade den Absturz in die dritte Liga verhindert.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke