Wie der Mädchen-Traum vom Leben als Superstar wahr wurde
Nelly Kordas Traum beginnt 2013 auf der Driving Range des Sebonack Golf Clubs. Der Anlass: die U.S. Women’s Open. Sie ist 14 Jahre, ein dünner Teenager mit Zahnspange und langem blonden Zopf. Diesen Startplatz bei diesem Turnier wollte sie unbedingt ergattern, schon weil die große Schwester Jessica auch am Start ist.
Nelly ist das, was man üblicherweise die nervige kleine Schwester nennt, die sich an den Rockzipfel der fünf Jahre Älteren klemmt. Ihre Schwester Jessica Korda hat eine Wildcard bekommen.
Zwischen den weltbesten Spielerinnen, neben bekannten Coaches, Spielerinnen mit Ambitionen fühlt Nelly sich aber wunderbar. Sie ist die Jüngste im Feld, hat sich beim Qualifikationsturnier über 36 Löcher im Bear Lakes Country Club einen von vier Startplätzen geholt. Bei dieser ersten U.S. Women’s Open schafft sie mit drei über Par den Cut, landet am Ende mit 15 über Par auf dem geteilten 64. Rang. Aber als sie wieder nach Hause fährt, weiß sie, dass ein Leben im Profigolf das ist, worauf sie ab sofort Tag für Tag hinarbeiten wird.
Erfolge im Sport sind bei den Kordas Familiensache. Ihr „Family Slam“ ist ein weltweit einmaliger Erfolg, dessen Grundstein Vater Petr 1998 mit seinem Sieg bei den Australian Open im Tennis legt.
2012 setzt die ältere Tochter Jessica im Golf mit ihrem Triumph bei der Women’s Australian Open nach. 2018 ist Sohn Sebastian im Tennis mit dem Sieg im Einzel der Jungen bei der Australian Open dran. Den Slam vervollständigt 2019 Nelly, als sie im Februar 2019 mit zwei Schlägen Vorsprung ebenfalls die Women’s Australian Open im Golf gewinnt.
Längst haben sich die Rollen verschoben
Nelly Korda ist kein Wunderkind im Golf, aber Sport mit Bällen ist von klein auf ganz ihr Ding. Tennis spielt dabei nie eine große Rolle, weil die Eltern die Mädchen nicht in diesen Sport drängen wollen.
Nellys Teenager-Traum vom Sieg bei einer U.S. Women’s Open wird 2026 im Riviera Country Club endlich Realität. Längst haben sich die Rollen verschoben. Aus der kleinen Nelly ist der größte Star der Familie geworden. Nelly Korda ist die Weltranglistenerste, ihr Sieg bei der U.S. Women’s Open ist ihr insgesamt vierter Major-Titel, ihr 19. Sieg auf der LPGA Tour. Ihr Gesamtpreisgeld beläuft sich inzwischen auf mehr als 16 Millionen Dollar.
Aber ihr Weg an die Spitze hat ein paar Jahre gedauert, seitdem sie 2016 um eine Sondergenehmigung für einen Start auf der Symetra Tour gebeten hat und sofort ihr erstes Turnier als Jungprofi gewann. Erst ab 2021, als sie das erste Major gewinnt, die Golfmedaille bei den Olympischen Spielen in Japan holt, wird sie sportlich zu einer dominierenden Figur im Damengolf.
Warum das so ist, lässt sich bei einem Blick auf ihren Trainingsplan während der Saison leicht erklären. Sie ist zu hundert Prozent konzentriert auf den Beruf Golf: Nackengymnastik jeden Morgen nach dem Aufwachen ist Pflicht, danach das Mobilitätsprogramm und Warm-up im Fitnessraum.
Nelly Korda bei den KPMG Women's PGA Championship 2026 im Hazeltine National GolfclubDrei bis vier Stunden Training auf der Driving Range und dem Platz. Nach dem Mittagessen noch einmal zwei Stunden mit dem Coach, dann der Besuch bei der Physiotherapie, bevor ihr Golf-Arbeitstag zu Ende geht. Einen freien Tag pro Woche gönnt Nelly Korda sich und ein etwas entspannteres Programm in der turnierfreien Zeit von Ende November bis Anfang Januar.
Rückschläge muss auch sie verkraften. Alt fühlt sich der Körper einer 25-Jährigen manchmal an, wenn er seit Kindesalter im Hochleistungsmodus agiert. Im März 2022 legt sie eine dreimonatige Zwangspause ein. Ein Blutgerinnsel im Arm muss operiert werden. Aber zurück im Turnierbetrieb und spielt sie auf Anhieb wieder vorn mit.
Längst ist Nelly Korda auch eine High-End-Sportmarke, die globale Unternehmen nutzen, um durch sie Zugang zu einer internationalen, einkommensstarken Golf-Zielgruppe zu bekommen. Dass die Agentur Wasserman, eigentlich eher auf Filmstars und Celebrities spezialisiert, 2022 ihre Vermarktung übernimmt, kommt nicht überraschend.
Die junge Amerikanerin mit ihren 1,82 Metern Körpergröße, perfekter Figur und hübschem Gesicht ist schließlich fast ein wenig geheimnisvoll, weil sie sich auf Social-Media-Kanälen oder in Talkshows nur selten Ausflüge ins Privatleben erlaubt. Die Marke Nelly Korda lässt sich wunderbar aufbauen als starkes Profil, das für Leistung, Konsistenz und Glaubwürdigkeit steht. Die Sponsoren stehen Schlange: Taylor Made, Nike, Delta Air Lines, Ernst & Young und Goldman Sachs – das ist die Premiumliga in den Bereichen Golf, Sport, Reise und Finanzen.
Mehr als zwei Drittel der Einnahmen von Sponsoren
2024 listet Forbes sie als eine der zehn einkommensstärksten Athletinnen der Welt mit geschätzt 14,4 Millionen Dollar Gesamteinnahmen. Mehr als zwei Drittel davon werden Sponsoreneinnahmen zugeschrieben. An dieser Position verändert sich auch 2025 nicht viel, obwohl die sportlichen Ergebnisse in diesem Jahr eher schwankend sind. Forbes schätzt sie noch immer auf 13 Millionen Jahreseinkommen.
Zugegeben, mit den weltweiten Spitzenverdienerinnen im Tennis kann sie noch nicht mithalten. Aber bei genauer Betrachtung hat Nelly ihr Potenzial längst noch nicht ausgeschöpft. Erst allmählich fängt sie an, sich auch außerhalb der Golfszene zu positionieren. Bei der Met-Gala in New York 2026 läuft sie erstmals in großer Robe von Oscar de la Renta auf.
„Schlafende Schönheiten: Das Wiedererwachen der Mode“, lautet das Motto des Events. Die 25-Jährige setzt bei ihrer Premiere auf ein rot-grün gehaltenes florales Modellkleid und das perfekte Make-up. Sie schafft den Wandel zum glamourösen Star perfekt. Dass Tiger Woods ein häufiger Chat-Partner ist und LeBron James einer ihrer größten Fans, lässt sie in Interviews gern in einem Nebensatz einfließen. Auf Instagram ist sie mit ihren 1,2 Millionen Followern ohnehin ein Hit.
Nelly Korda ist eine der bekanntesten Golferinnen der USA und hat viele SponsorenAm Tag ihres größten Sieges spielt all der Glamour keine Rolle. Bei der U.S. Women’s Open im Juni 2026 spielt sie eine wenig berauschende 73er-Runde zum Start. Sie liegt sechs Schläge zurück auf die Führende. Drei Tage später gelingt ihr der Sieg mit einem Schlag Vorsprung. Sie hat wieder einmal 100 Prozent gegeben.
Als der letzte Putt zum Sieg am 18. Loch noch einmal fast komplett um die Lochkante läuft, kurze Zeit Unsicherheit herrscht, ob der Sieg gelingt, steht Schwester Jessica am Rand des 18. Grüns. Ihre kleine Schwester hat als jüngste Amerikanerin vier Major-Titel geholt.
Nelly Korda hat seit ihrem ersten Auftritt als Amateurin bei der U.S. Women’s Open 2013 groß geträumt – und sich ihren Traum erfüllt.
Der Text ist die gekürzte Version eines Kapitels des neuen Buches „Golf – eine Erfolgsgeschichte der Frauen“ (Kampenwand Verlag, 22 Euro).
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