Es ist ein gerne aus der Schublade geholtes Internet-Meme: Florian Plettenberg, der Transfer-Guru von Sky, sitzt in der Talkshow „At Broski“ und fordert vehement die EM-Nominierung von Paris Brunner. „Er hat überhaupt nichts zu verlieren“, sagt Plettenberg. „Selbst wenn er bis dahin kein BVB-Spiel macht, den würde ich ohne mit der Wimper zu zucken für die A-Elf nominieren.“ Im Hintergrund sieht man, wie Content Creator Manu Thiele das Gesicht entgleitet. Im Saal bricht leises Gelächter aus.

Der Clip stammt aus dem Dezember 2023, wenige Monate vor der Europameisterschaft im eigenen Land. Brunner hatte zwar bei der U17-WM im selben Jahr auf sich aufmerksam gemacht, bei Borussia Dortmund war er aber vorrangig noch in der A-Jugend im Einsatz. Eine Nominierung für die Nationalmannschaft schien geradezu absurd.

Zeitsprung ins Jahr 2026: Brunner, zwischenzeitlich sportlich aufs Abstellgleis (Leihe nach Brügge) geraten und wegen Disziplinlosigkeiten – unter anderem soll er mal auf einer Party in einem fremden Haus Gegenstände zerstört haben – umstritten, blüht bei der AS Monaco auf. Sein Solo zur Führung beim 3:0-Sieg in der Europa League gegen den SC Freiburg war bereits der achte Treffer im neunten Pflichtspiel dieser Saison, ein besonders schöner noch dazu. Mit dem Rücken zum gegnerischen Tor nahm er den Ball an, hob ihn über seinen eigenen Körper und den von Freiburg-Verteidiger Max Rosenfelder, zog zum Tor und blieb dann auch im Abschluss cool.

Klopp hat über Brunner gesprochen

„In der Situation ging es ganz schnell. Ich habe einfach aus Instinkt gehandelt und das gemacht, was ich am besten kann – Tore schießen“, sagte Brunner im Anschluss bei RTL. Einen, der Tore schießen kann, könnte auch Jürgen Klopp ganz gut gebrauchen. Nach nur drei Toren in vier Nations-League-Spielen stellt sich in der deutschen Nationalmannschaft die Stürmerfrage. Und so kommt es, dass neben Oldie Niclas Füllkrug plötzlich auch Durchstarter Brunner ein ernsthaftes Thema ist.

Klopp deutete zuletzt schon an, sich mit dem 20-Jährigen zu beschäftigen. Auch wenn er noch kein Kandidat für den 44-Mann-Kader für die Länderspiele Ende September und Anfang Oktober gewesen sei, habe man über Brunner gesprochen. „Er ist ein riesiges Talent seit Jahren“, sagte Klopp.

Und Brunner? Gibt sich gereift und verzichtet auf große Ansagen. Kontakt zum Bundestrainer habe es noch nicht gegeben. „Die Aktion kommt von ihm, ich mache hier einfach weiter“, betonte Brunner. Macht er so weiter, wird Klopp um Brunner wohl kaum drumherumkommen. Es könnte tatsächlich eintreten, was Florian Plettenberg schon vor Jahren forderte.

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