Den einzigen Volltreffer der Eintracht bekam ausgerechnet Lothar Matthäus ab! Vor dem 0:6-Debakel in Leipzig traf Stürmer Jonathan Burkardt den am Spielfeldrand stehenden Sky-Experten beim Aufwärmen am Kopf. Auf dem Platz blieb das Frankfurter Team danach völlig harmlos. Für den Rekord-Nationalspieler Anlass genug, die Krise des Klubs unter die Lupe zu nehmen.

Besonders die öffentliche Demontage von Kapitän Robin Koch durch Trainer Adi Hütter beschäftigt den 65‑Jährigen. Hütter hatte seinen schwach spielenden Spielführer in der Pause rausgenommen und hinterher erklärt: „Ich habe dann Robin Koch auch erlöst, weil ich mir von einem Führungsspieler und einem Kapitän etwas ganz anderes erwarte.“ Matthäus dazu: „Die deutlichen Aussagen über Robin Koch haben mich überrascht. Dass er bei der Auswechslung seines Kapitäns von einer Erlösung spricht, war unglücklich. Das sieht nicht gut aus.“

Er kenne Adi Hütter seit 20 Jahren, berichtete Matthäus, „er ist ein erfahrener Trainer. Er reagiert nicht einfach ohne Grund so. Wenn er so deutlich wird, dann muss er wirklich unzufrieden mit ihm sein. Ich vermute, dass die erste Hälfte in Leipzig einfach das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Rein von der Leistung her hätte man nämlich alle auswechseln können“.

„Wo sind bei Eintracht Frankfurt echte Führungsspieler?“

Für Matthäus liegt das eigentliche Problem tiefer: „Wo sind in Frankfurt echte Führungsspieler? Ich sehe keine. Anführer wie Bayern, Dortmund, Leipzig oder selbst Freiburg hat Frankfurt nicht. Burkardt ist ein toller Stürmer, er spielt zu Recht in der Nationalmannschaft. Aber er muss vorn die Tore schießen. Ein Anführer muss weiter hinten das Team zusammenhalten.“

Wer könnte diese Rolle übernehmen? Matthäus: „Atubolu kann das, braucht aber noch Zeit. Onyedika im Mittelfeld auch. Koch soll das machen, aber hat mit sich selbst zu kämpfen. Das macht es für Eintracht aktuell gefährlich.“

Deutlich verteidigt Matthäus dagegen Sport-Boss Krösche. „Natürlich ist der Kader nicht so gut wie in den vergangenen Jahren“, sagte er, „aber was erwartet man denn von Markus Krösche? Jedes Jahr viele Millionen einnehmen und dann noch immer weiter den Kader verbessern? Das geht auf Dauer nicht.“

Matthäus weiter: „Mich hat die Unruhe bei Eintracht im Sommer sehr verwundert. Zumal diese Unruhe auch auf eine Mannschaft abfärbt. Umso weniger kann ich die Kritik an Markus Krösche verstehen. Für Frankfurt ist Krösche ein Geschenk des Himmels. Jeder im Klub sollte jeden Tag dankbar dafür sein, dass er dort arbeitet.“

Einen Lichtblick hat Matthäus nach der Klatsche immerhin entdeckt. Allerdings nicht auf dem Rasen. „Die Reaktion der Frankfurter Fans in Leipzig hat mich deutlich mehr überzeugt als die Leistung der Mannschaft auf dem Platz.“ Trotz des Debakels feierten die Anhänger die Eintracht-Stars nach Abpfiff.

Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.

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