„Olise macht sich einfach in die Hose“ – und tappt in die bewusst gelegte Falle
Gefühlt ist es eine halbe Ewigkeit her, dass der FC Bayern bereits im Oktober insgesamt dreimal unentschieden gespielt hat. In dieser Saison widerfuhr es den Münchenern in der Liga auf Schalke (0:0), am Wochenende in Augsburg (2:2) – und am Dienstagabend eben auch beim norwegischen Außenseiter Viking Stavanger in der Champions League.
Tatsächlich liegt eine ähnliche Serie noch gar nicht so lange zurück. In der Saison 2022/2023 waren es im vergleichbaren Zeitraum vier Remis, alle in der Bundesliga (gegen Gladbach, Union Berlin, Stuttgart und den BVB). Weil man vom Rekordmeister aber nun mal in der Regel Erfolg gewohnt ist und der Klub selbst ja auch erfolgsverwöhnt ist, lässt so eine Serie ohne Sieg dann doch schon mal aufhorchen. Krise, eine kleine zumindest? Spätestens das nächste Spiel am Samstag (18.30 Uhr, im Sport-Ticker der WELT) gegen den Tabellenfünften RB Leipzig wird zeigen, wie es um die Bayern bestellt ist.
Das Unentschieden in Stavanger nun, dass die 3:2‑Führung nach 0:2 nur bis zur 90. Minute Bestand hatte, konnte auch Michael Olise angekreidet werden. Die Bayern taten es jedenfalls, nachdem den Norwegern in Überzahl durch den Treffer von Herman Haugen noch der Coup gegen den selbst ernannten Titelkandidaten gelungen war. Der Platzverweis von Olise in der 74. Minute spielte den unbeugsamen Gastgebern jedenfalls trefflich in die Karten.
„Die Rote Karte ist überblöd“, hadert Bayern Münchens Trainer
„Es ist unsere eigene Schuld“, sagte Trainer Vincent Kompany bei Prime Video. Der 40-Jährige sprach von „totalen Konzentrationsfehlern“ seiner Mannschaft. „Wir waren einfach nicht schlau, nicht gegen Augsburg, nicht hier in Stavanger.“ Man habe sich selbst „in den Fuß geschossen mit dieser Roten Karte. Die Rote Karte ist überblöd.“
Olise hatte sich vom ehemaligen Fürther Zlatko Tripic provozieren lassen und warf diesem den Ball gegen den Kopf. Dem bulgarischen Schiedsrichter Georgi Kabakov blieb keine andere Wahl, dafür gab es die Gelb-Rote Karte. Kompany sprach das gleich nach dem Spiel bei seinem Ensemble an.
„Solche Sachen brauchst du nicht zu verstecken. Die ganze Mannschaft weiß es, Michael weiß es auch, und dann muss es direkt angesprochen werden. Da sind wir auch deutlich. Es gibt zwei Seiten: Michael wird zwar auch immer provoziert, aber das ist zu hundert Prozent sein Fehler“, sagte er. Er habe Olise noch mit auf den Weg gegeben, „dass der Zehner (Tripic, die Redaktion) heute schlauer war als du“.
Doch das war offenbar alles andere als Zufall. So berichtet es jedenfalls Tripic beim norwegischen Sender TV2 genüsslich. All die Provokationen und kleinen Nickeligkeiten seien von langer Hand geplant gewesen. „Es ist großartig, dass sich ein solcher Spieler – der höchstwahrscheinlich irgendwann den Ballon d'Or gewinnen wird – ein wenig über einen Jungen aus Oftebro und Lyngdal ärgert“, sagte der Offensivspieler.
Olise „sollte es hier nicht zu gemütlich haben“, erklärte der 33-Jährige, der zwischen Januar 2015 und Sommer 2017 für die SpVgg Greuther Fürth 36 Zweitliga-Spiele absolviert hatte. „Und als es mir gelungen ist, seinen Fokus von dem abzulenken, was er außergewöhnlich gut kann, hat er die Beherrschung verloren und mir den Ball ins Gesicht geworfen. Ich habe das Gefühl, dieses Duell mit ihm gewonnen zu haben. Ich bin so unglaublich glücklich, ich glaube, ich habe es geschafft, die halbe Bayern-Mannschaft zu verärgern.“
Das sah auch Bayerns Sportvorstand Max Eberl so. Tripic habe „gespielt wie ein Drecksack. Er wollte das Spiel gewinnen. Wir haben uns provozieren lassen und er hat erreicht, was er wollte, nämlich dass ein Spieler von uns vom Platz fliegt.“ Für den 28 Jahre alten Olise war es der allererste Platzverweis in seiner Profikarriere.
Nur von einem wird Olise in Schutz genommen
Sehr zum Ärger von Bayerns Torjäger Harry Kane, der das Comeback seines Teams mit einem Doppelpack überhaupt erst ermöglicht hatte. „In der zweiten Halbzeit sind wir gut rausgekommen und haben uns zurückgekämpft. Die Rote Karte ändert dann aber das komplette Spiel“, kritisierte Kane den Teamkollegen: „Er muss dafür Verantwortung übernehmen. Es war ein Fehler, und die passieren. Er muss daraus lernen. Es ist zudem schade, weil wir wichtige Spiele vor uns haben.“ Am nächsten Mittwoch wird der Franzose in der Champions League gegen den FC Arsenal fehlen.
Norwegens TV-Experte Carl-Erik Torp stimmte Kane zu. „Tripic ist ein Spieler, der seinen Gegner gerne provoziert, und das ist ihm bei einem der weltbesten Spieler gelungen“, sagte Torp. „Das ist furchtbar unsportlich von Olise, der sich einfach in die Hose macht.“
In Schutz genommen wurde Olise nach dem Spiel nur von Amazon-Experte Christoph Kramer. Zwar sagte der ehemalige Profi, dass Olises Kurzschlusshandlung nicht passieren dürfe, den Mitschuldigen aber hatte er auch ausgemacht: „Der Tripic, der wollte es. Wir sind alle auch Profifußballer und es darf auch nicht passieren. Ich sage nur, das ist so eine Millisekunde und da ist jeder auch Mensch und fühlt das auch so.“ Kramer erklärte, dass Tripic alles richtig gemacht habe: „Ich habe aber gedacht, das wäre mir auch passiert. Weil der auch sowas im Gesicht hat, sowas Fieses, wo du denkst: Boah, Junge, du nervst mich gerade so sehr.“
Olise, analysierte Kramer, habe „in dem Moment, wo der Ball bei ihm die Hand verlässt, gewusst, dass er es nicht machen darf. Aber der hat so genervt und der hat dieses ganz Provokante im Gesicht. Und deswegen – also es darf nicht passieren, hundert Prozent –, aber ich fühle Olise in dem Fall auch zu hundert Prozent.“
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