Wer nicht hüpft, der ist ein Schalker!
Der geübte Bochumer Osttribünenbesucher steht vor einer echten Herausforderung. Da wird er am Sonntag wie immer auf seinem Platz hinter dem Tor stehen – und plötzlich passiert es. Die Fans von Arminia Bielefeld singen: „Wer nicht hüpft, der ist Armine!“
Was würde der gemeine VfL-Fan tun? Was müsste er, einer spezifischen Logik nach, sogar tun? Richtig: hüpfen. Wer will schon Armine sein?
Das Problem ist nur: Die Bochumer dürfen in ihrer Fankurve nicht mehr hüpfen. Das haben der VfL und die Bochumer Sportstättengesellschaft festgelegt. Im Zuge der Umbauarbeiten am Stadion hat ein Gutachten ergeben, dass es „durch gemeinsames, rhythmisches Hüpfen oder Springen, also synchronisierte Bewegung vieler Menschen, zum sogenannten Trampolineffekt kommen kann.“ Es könnte zu „starken Schwingungen“ kommen, die vor allem bei „ungeübten“ Stadionbesuchern ein nicht näher definiertes „Unwohlsein“ hervorrufen können.
Ritual und Rücksicht – Wer hat recht?
Genau darin, sagen einige, liege ja die Ungerechtigkeit: Der geübte, in der Regel männliche und oft auch trinkfeste Osttribünenbesucher werde durch unverhältnismäßige Rücksichtnahme in einer durch Gewohnheitsrecht gedeckten Ausübung seines tradierten Rituals eingeschränkt – nur weil deswegen der eine oder andere kotzen könnte. Dabei weiß doch jeder, frei nach Gerhard Polt: Niemand wird gezwungen, eine Minderheit zu sein – jeder hat das Recht, sich der Mehrheit anzuschließen.
Der VfL hofft, dass das Hüpfverbot eingehalten wird. Weniger aus Angst vor einer Sperrung, die sonst droht – sondern um zu verhindern, dass die Panik einzelner zu einer gefährlichen Kettenreaktion führt.
Drücken wir also, ganz ernsthaft, die Daumen – auch, dass die Bielefelder nicht zu besonders perfiden Mitteln greifen: „Wer nicht hüpft, der ist ein Schalker!“
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