Max Verstappen hat bei der chaotischen Formel-1-Rückkehr nach Malaysia mit Wolkenbrüchen, Gewitter und anderthalbstündiger Startverspätung seine fast zehnmonatige Siegloszeit beendet. Nicht mal eine Technikpanne mit den hochgezüchteten Rennwagen bremste den viermaligen Weltmeister in einem turbulenten Grand Prix aus. „Was für ein fantastisches Wochenende“, funkte Verstappen an die Box: „Wir können stolz sein.“

2017 hatte Verstappen auch das bis Sonntag letzte Rennen in Malaysia gewonnen, es war damals sein zweiter Karriereerfolg. Diesmal war es Nummer 72.

Vier Tage nach seinem 29. Geburtstag verwies Verstappen im Red Bull den WM-Führenden Kimi Antonelli im Mercedes auf den zweiten Platz, der damit den Titel-Schampus so langsam kalt stellen kann. Denn Titelrivale und Mercedes-Teamkollege George Russell blieb wenige Runden vor dem Ende in einer Safety-Car-Phase wegen eines Motorendefekts stehen – null Punkte für den Briten. Er liegt nun 84 Punkte hinter dem 20 Jahre alten Italiener. „Das war das Maximale, das wir rausholen konnte“, sagte Antonelli über seinen zweiten Platz.

Dritter wurde Lewis Hamilton. Der Rekordweltmeister legte unter dem Jubel der Fans eine famose Aufholjagd hin, nachdem ihn eine seltsame Ferrari-Taktik auf dem zunächst noch nassen Kurs von Startplatz zwei weit nach hinten gespült hatte. „Was für ein hartes Rennen“, sagte der siebenmalige Champion: „Ich habe auf dem Bildschirm gesehen, dass wir eine Minute zurück sind. Aber ich bin cool geblieben.“ Nico Hülkenberg verpasste im Audi als Elfter knapp die Punkteränge.

Regen ist nicht überraschend für Malaysia

Pünktlich zum Showdown machte Sepang seinem Ruf alle Ehre. In den Trainings und in der Qualifikation hatte es noch keinen Regen gegeben. Hieß auch: Keine Daten, keine Infos, sollte es nass werden. Hinzu kommt: Mit der neuen Fahrzeuggeneration in diesem Jahr gab es noch gar kein klassisches Regenrennen.

Es wurde also Zeit – und Malaysia war bereit. Regenschirme, dichtes Drängeln auf dem Grid, die Mechaniker machten sich an den Autos zu schaffen, um sie auf die hochgradig herausfordernden Bedingungen anzupassen. Es goss von oben, Blitz und Donner verstärkten die Sorgen.

Arbeiter versuchen, die Strecke zu trocknen

Nicht überraschend für Malaysia. 2009 war dort der Grand Prix nach 31 Runden sogar abgebrochen worden. Immer wieder hatte es dort in der Zeit als Dauerstation im Rennkalender von 1999 bis 2017 Regenschlachten gegeben. Diesmal war das Rennen ein Nachhol-Grand-Prix für Bahrain nach der Absage im April wegen des Iran-Kriegs.

Geduld war gefragt. Verstappen saß mit Papa Jos auf einem Klappstuhl in der Garage, auf den Wiesen verharrten die Fans unter großen Regenschirmen. Mit Besen versuchten die Helfer, das Wasser von der Strecke zu fegen.

„Ich kann nicht beschleunigen“, funkt Verstappen

Mit mehr als 40 Minuten Verspätung ging es auf zwei Formationsrunden hinter dem Safety-Car von Bernd Mayländer. Doch dann funkte Verstappen an die Box: „Ich kann nicht beschleunigen.“ Auch Hamilton rollte nur vor sich hin. Ein paar Autos reagierten einfach nicht nach den vorgenommenen Software-Einstellungen auf den Regen. Keine Werbung für die Formel 1. Dass das Formel-1-Regenradar ausgefallen war, passte ins Bild.

„Ich musste auf der Strecke anhalten, das Auto und den Motor abstellen und dann neu starten. Das habe ich noch nie gemacht“, betonte Hamilton später. Es habe „große Panik“ geherrscht, als sie alle keine Power hatten.

Auch die internationale Presse stürzte sich später auf die Software-Probleme. „Ein unwürdiges Schauspiel für die Königsklasse des Motorsports“, schrieben die „Salzburger Nachrichten“. „Die Formel 1 verwandelte sich (...) in Malaysia in eine ‚Formel Farce’, als die angeblich modernsten Autos der Welt auf nasser Fahrbahn nicht vorankamen“, spottete die „Daily Mail“ aus England. Die Fia kündigte eingehende Untersuchungen an.

Das Startprozedere wurde wegen der Probleme wieder abgebrochen. Immerhin: Der Regen war weitgehend vorbei, die Strecke trocknete „wahnsinnig schnell“ (Zitat Antonelli) ab. Russell gönnte sich eine Banane, andere kauerten irgendwo in einer Ecke. Dann die Ankündigung: Start um 16:33 Uhr Ortszeit, 1:33 Stunden später als geplant. Um die Uhrzeit wären die Fahrer eigentlich fast schon ins Ziel gekommen. Gegen 19 Uhr Ortszeit würde auch die Sonne untergehen.

Verstappen, Antonelli und Russell entschieden sich für Intermediates, Hamilton hatte die soften Slicks drauf. „Das ist noch so rutschig“, funkte er an die Box und sagte nach dem Rennen: „Das war die falsche Entscheidung.“

Antonelli erwischte einen Raketenstart und schoss an Verstappen und Hamilton von Startplatz drei nach vorn. Im Windschatten fuhr Russell. Hamilton wurde durchgereicht, hatte nach wenigen Runden mit seinen rutschigen Reifen die von ihm nach dem Rennen angesprochene eine Minute Rückstand. Verstappen erholte sich dagegen schnell von seinem miesen Start und schnappte sich Russell.

Besser hätte es für Verstappen nicht laufen können

Klar war, die Fahrer mit den Intermediates mussten bald in die Box, die Strecke trocknete immer mehr ab. Die wenigen mit Slicks wie Hamilton konnten draußen bleiben. Also gab Verstappen richtig Gas, kam aber an Antonelli nicht vorbei. Dann rutschte Valtteri Bottas mit dem Cadillac ins Kiesbett – das Safety-Car musste erneut raus. Besser hätte es für alle mit den Intermediates nicht laufen können: Nun konnten sie ohne Zeitverlust die Slicks aufziehen lassen.

Auch die Zuschauer wollten den erlösenden Moment des Max Verstappen festhalten

Als Mayländer wieder reinfuhr, lieferten sich Antonelli, Verstappen und Russell einen packenden Dreikampf. Der Niederländer nutzte die noch schnelleren soften Reifen, passierte Antonelli, der wie Russell auf der mittleren Reifenmischung unterwegs war. Der Brite, zuletzt Sieger in Baku, attackierte Antonelli ebenfalls – und kam ebenfalls vorbei. Das Duell um die WM klärte Antonelli aber auf seine Weise und überholte Russell nach nicht mal der Hälfte der Renndistanz.

Als dann Alexander Albon mit dem Williams stehen blieb und eine erneute Safety-Car-Phase auslöste, holte sich Verstappen noch mal frische Reifen. Er kam hinter Antonelli raus, ehe auch dieser die Reifen wechseln ließ und damit die alte Reihenfolge wiederhergestellt war. Bis Russell stehen blieb. Wohl das Ende für den kleinen WM-Traum.

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