„Erbärmlich“, „arrogant“ – Eklat im Nordderby
Der Jubel der Fans war ohrenbetäubend, als Julian Köster in letzter Sekunde den vermeintlichen Siegtreffer für den THW Kiel im 117. Nordderby gegen die SG Flensburg-Handewitt erzielte. Doch dann die große Ernüchterung: Das Tor zählte nicht.
Nach minutenlangem Betrachten der Videobilder entschieden die Unparteiischen auf einen Schrittfehler von Vorbereiter Domen Makuc. So endete das Topspiel in der Handball-Bundesliga 31:31 (18:14) – und mit viel Frust und Ärger bei den Kielern. „Das tut gerade einfach weh“, beschrieb THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi die Stimmungslage.
Auch THW-Kreisläufer Hendrik Pekeler haderte mit den Referees. „Nach meiner persönlichen Wahrnehmung sehe ich da nichts, bei dem die Schiedsrichter eventuell Zweifel haben könnten und deshalb zum Videobeweis gehen“, sagte der Routinier und fragte ratlos: „Natürlich gibt es diese Regel, aber was hat sie dazu veranlasst, da hinzugehen?“
Kiels Trainer Börge Lund zeigte ebenfalls wenig Verständnis für die Entscheidung der Schiedsrichter. „Wenn man es so handhabt, dass man beim Ansehen immer weiter zurückgeht in den Aktionen, dann muss man auch die kompletten letzten 30 Sekunden betrachten: Erst wird geschaut, ob Julian im Kreis steht. Tut er nicht. Dann wird immer weiter zurückgeschaut, bis man dann was gefunden hat. Da fragt man sich schon, wo man da die Grenze setzt“, sagte Lund.
Der SC Magdeburg ist nach seiner ersten Saisonniederlage zurück in der Spur. Gegen Bietigheim gibt sich der amtierende Deutsche Meister keine Blöße und fährt einen Kantersieg ein. Sehen Sie die Highlights hier im Video.Noch deutlichere Worte fand Nationaltorwart Andreas Wolff. „Das war eine erbärmliche Schiedsrichterleistung“, sagte er laut „Kieler Nachrichten“. Die Schiedsrichter hätten „so weit zurückgespult, bis sie irgendetwas gegen uns pfeifen konnten, und wurden belohnt, dass sie dann auch noch etwas gefunden haben. Sie hätten auch ein Foul an Makuc sehen können. Wollten sie aber nicht.“
Schiedsrichter „verstecken sich hinter arroganter Attitüde“
Wolff störte neben der Entscheidung vor allem das Auftreten der Schiedsrichter Julian Köppl und Denis Regner. „Neben ihrem offenkundigen Mangel an Qualität, insbesondere für so ein Spitzenspiel, ist es vor allem ihre arrogante, blasierte Art, die einen als Spieler zur Weißglut treibt“, legte der Keeper nach. Das Schiedsrichter-Duo würde sich „hinter einer arroganten Attitüde verstecken. Das ist nicht das, was den Handballsport ausmacht.“ Wolffs Fazit: „Wir haben viele gute Gespanne in Deutschland, dieses heute gehört nicht dazu.“
SG-Coach Ales Pajovic war dagegen froh über den gewonnenen Punkt, den seine Spieler ausgelassen bejubelten. „Letztlich muss ich mit der Entscheidung am Ende zufrieden sein, wir haben so noch einen Punkt gewonnen. Ich habe tatsächlich ein Tor gesehen, dann haben wir gesehen, dass es eine Chance gibt auf Schritte.“
Kiel-Keeper Andreas Wolff brodelte nach dem aberkannten SiegDer Slowene brachte eine – in der Vergangenheit immer mal wieder geforderte – Möglichkeit für Trainer ins Spiel: „Es wäre gut, wenn es eine Challenge-Möglichkeit gäbe, das würde einiges einfacher machen. – so sind wir sehr abhängig von den Schiedsrichtern.“
Selbst die Flensburger, die durch das Remis dank der besseren Tordifferenz die Tabellenführung vor den punktgleichen Kielern (beide 11:1) behaupteten, zeigten Verständnis für den Frust beim Rivalen. „Es ist eine wirklich harte Entscheidung. Ich verstehe Kiel und ich verstehe die Halle. Wäre es andersherum gewesen, wäre ich vielleicht auch sauer“, sagte SG-Rückraumspieler Simon Pytlick.
Kiel trifft jetzt im Topspiel auf Magdeburg
Zwar sei der technische Fehler deutlich zu sehen gewesen. „Aber man kann im Spiel sehr oft Schritte finden“, sagte der dänische Welt- und Europameister und ergänzte: „Sportlich weiß ich nicht, ob es die richtige Entscheidung war, weil so etwas sehr oft im Spiel passiert.“ Der deutsche Nationalspieler Marko Grgic ergänzte: „Wenn man immer so genau mit dem Videobeweis ist, haben wir vielleicht ein 9:9 als Endergebnis.“
In der Gesamtbilanz des Derbys liegen die Kieler nach dem sechsten Remis weiterhin mit 68 Siegen vorn. Flensburg steht bei 43 Erfolgen. Viel Zeit, sich mit derlei Statistiken zu beschäftigen, haben aber beide Teams nicht. Für die Kieler steht am Mittwoch (19.00 Uhr/Dyn) schon das nächste Topspiel auf dem Programm. Der Rekordmeister reist zum aktuellen Titelträger SC Magdeburg, der momentan mit 10:2 Zählern Tabellendritter ist.
Die Flensburger starten ebenfalls am Mittwoch (18.45 Uhr/Dyn) in die European League, die sie 2024 und 2025 gewonnen haben. Erster Gegner in der Vorrunde ist der spanische Vertreter BM Granollers. Außerdem trifft Flensburg in der Gruppenphase auf Águas Santas aus Portugal und HC Buzau aus Rumänien.
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