Schock in der Nachspielzeit – Niederlande verderben Klopps Debüt
Was für eine Klopp-Show – auch ohne Happy End! In einem wilden Ritt mit ganz viel Tempo und Leidenschaft hat die Nationalmannschaft beim Debüt von Bundestrainer Jürgen Klopp einen Prestigesieg knapp verpasst. 87 Tage nach dem bitteren Aus bei der WM in den USA gelang beim 1:1 (1:0) in den Niederlanden noch nicht alles.
Doch nach einem Auftritt voller Energie und dem von Klopp prophezeiten „Chaos“ lebt trotz des späten Gegentores die Hoffnung auf bessere Zeiten für die DFB-Elf. Felix Nmecha (32.) brachte Deutschland in der stimmungsvollen Johan-Cruyff-Arena beim Auftakt in die Gruppenphase der Nations League in Führung. Cody Gakpo (90.+2) verhinderte mit seinem Tor für Oranje aber einen Traumstart für Klopp.
Auch das doppelte Verletzungs-Aus von Jamal Musiala kurz vor dem Anpfiff und Kai Havertz bereits nach einer halben Stunde brachte die DFB-Elf nicht aus dem Konzept. Klopps modernes Fußball-Credo von Aggressivität und Tempo war in seinem Team mit drei Länderspiel-Debütanten erkennbar.
Defensiv gab es allerdings noch mehrere kritische Momente – auch bei Torwart-Rückkehrer Marc-André ter Stegen. Kapitän Joshua Kimmich und seine Kollegen wurden nonstop unter Druck gesetzt. Der späte Ausgleich war ein kleiner Dämpfer.
Klopps Zukunfts-Ansage vor dem Anpfiff
„Heute kann der erste Tag unserer wundervollen Zukunft sein. Theoretisch“, sagte Klopp vor dem Anpfiff bei RTL. Wenige Minuten später durchkreuzte bereits der Ausfall Musialas die Pläne des neuen Bundestrainers. Mitten unter seinen Spielern verfolgte er das Aufwärmprogramm und musste dann schnell handeln: Für Musiala, der etwas im Oberschenkel verspürt hatte, schickte Klopp Nadiem Amiri in die Startformation.
Klopp coachte gewohnt emotional an der Seitenlinie – hier mit Yannik Engelhardt und Serge Gnabry (r.)Nicht zaudern, handeln – so legte auch seine Mannschaft los. Hohes Pressing, Aggressivität: Karim Adeyemi konnte bereits in der zweiten Minute erst im Strafraum gestoppt werden.
Ein Start, der Mut machte und die riesigen Hoffnungen, die mit dem Engagement von Klopp verbunden sind, befeuerte. Nur, dass es so nicht weiterging. Deutschland verlor nach den erfrischend druckvollen Anfangsminuten zunehmend die Kontrolle und hatte gleich zweimal großes Glück in einem stetig ansteigenden Reizklima auf dem Rasen.
Zweimal Glück: Kein Elfmeter und Holland-Tor aberkannt
Brian Brobbey kam in dr 10. Minute im deutschen Strafraum zu Fall. Elfmeter? Der Referee sah kein Vergehen. Kurz danach blockte Jonathan Tah den Ball zur Ecke, die Klopp den zweiten unerwünschten Aufreger bescherte: Der Ball landete im Tor, zuletzt berührt von der Schulter von Hollands Kapitän Virgil van Dijk.
Ter Stegen wurde allerdings auch so bedrängt, dass der VAR das Tor aberkannte. Wenig später leistete sich der mittlerweile für Ajax Amsterdam spielende ter Stegen einen echten Lapsus: Sein Pass in die Füße von Cody Gakpo blieb aber folgenlos.
Das Havertz-Drama
Nach dem Ausfall von Musiala musste nach nicht mal einer halben Stunde auch Mittelstürmer Havertz verletzt raus. Ein Debüt für Klopp mit maximalen Herausforderungen gegen eine fest entschlossene niederländische Mannschaft und die Oranje-Fans im Stadion.
Kai Havertz musste früh ausgewechselt werdenUnd die deutsche Mannschaft lieferte: Zunächst verpasste der gerade erst für Havertz eingewechselte Younes Ebnoutalib die Führung, als dann über Kapitän Joshua Kimmich Neuling Treu das erste Zeichen eines Klopp-Neulings setzte. Seine Hereingabe konnte Adeyemi noch nicht im Tor unterbringen, dafür aber Nmecha den Abpraller.
Rudelbildung nach dem deutschen Tor
Danach große Aufregung und Rudelbildung: Die Gastgeber wüteten. Brobbey hatte sich ohne sichtbare Fremdeinwirkung kurz vor dem deutschen Treffer verletzt. Die Niederländer reagierten sauer, weil die deutsche Mannschaft ihr Spiel fortsetzte. Der Referee hatte aber auch keinen Anlass gesehen, das Spiel zu unterbrechen.
Längst war Klopps Debüt Härtetest und Reifeprüfung in einem für eine deutsche Mannschaft, die sich im großen Umbruch befindet. Druck aushalten war das Motto der zweiten Hälfte. Eine Niederlage im Prestige-Duell mit dem Nachbarn im ersten Spiel von Trainer Xavi - für Oranje eigentlich keine Option.
Schwerstarbeit auch in der Coaching-Zone
Und nun konnte sich auch ter Stegen richtig auszeichnen, als er in der 60. Minute glänzend gegen Denzel Dumfries parierte und etwas später gegen Mexx Meerdink. Machtlos wäre er gewesen, wenn eben dieser den Ball frei vorm Tor nach einer scharfen Hereingabe von der rechten Seite noch berührt hätte. Dafür wehrte ter Stegen einen Schuss von Ruben van Bommel in den letzten Minuten aber spektakulär ab.
Schwerstarbeit für die Mannschaft und für Klopp, der in der kleinen Coaching-Zone ständig unterwegs war. Und auch seine Spieler ackerten und rannten, konnten Klopp am Ende aber doch keinen siegreichen Einstand bescheren.
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