„Ich wäre damals gerne zu Jürgen Klopp gewechselt“
Rund fünfeinhalb Jahre ist es her, dass Kylian Mbappé uns sein erstes Interview gab. Damals musste es wegen der Pandemie und Kontaktbeschränkungen per Video durchgeführt werden. Nun findet es persönlich statt. Im Nordwesten von Zürich, im Headquarter seines neuen Partners „On“.
„Ich erinnere mich“, sagt Mbappé zur Begrüßung. „Das war doch kurz vor der Europameisterschaft.“ Die französische Nationalmannschaft schaffte es kurz darauf bis ins Achtelfinale des Turniers. Mbappé spielte damals noch für Paris Saint-Germain, im Sommer 2024 wechselte der 27-Jährige dann in die spanische Hauptstadt, zu Real Madrid.
Sein Zeitplan ist an diesem Tag eng getaktet. Am Vortag des Interview-Termins verlor er mit seinem Team das Derby bei Atlético (1:2), nach seinem Abstecher in die Schweiz muss er direkt weiter zur Nationalmannschaft. Und dennoch: Der Superstar ist entspannt, zuvorkommend. Er spricht perfekt Englisch und Spanisch.
Frage: Bei Ihrem Klub Real Madrid haben Sie mit José Mourinho einen neuen Trainer bekommen. Was macht ihn einzigartig?
Mbappé: Er ist einfach „The Special One“.
José Mourinho (l.)ist seit dieser Saison Real-Trainer. Schon von 2010 bis 2013 war er in dieser Funktion tätigFrage: Das bedeutet?
Mbappé: José Mourinho ist einfach extrem intelligent, deshalb hat er in seiner Karriere so große Erfolge feiern können. Er ist sehr nah dran an uns Spielern, sehr interessiert an uns. Er ist ein Anführer, er weiß genau, wie er uns packen kann. Es ist ein Privileg, unter ihm zu spielen.
Frage: In Deutschland haben wir mit Jürgen Klopp nun „The Normal One“ als Bundestrainer. Wächst Ihr Respekt vor der deutschen Mannschaft damit?
Mbappé: Mein Respekt vor Deutschland war immer sehr hoch, unabhängig vom Trainer. Deutschland hat immer noch eine der besten Mannschaften der Welt. Natürlich hat die Mannschaft zuletzt nicht ihre beste Phase gehabt, aber das kann immer passieren. Deutschland ist viermal Weltmeister geworden, die doppelte Anzahl von Frankreich. Wenn ich keinen Respekt vor Deutschland hätte, wäre ich verrückt.
Frage: In Deutschland sorgt Klopp nun für eine riesige Euphorie.
Mbappé: Und das völlig zu Recht. Klopp ist einer der besten Trainer der letzten 20 Jahre. Mourinho, Klopp, das sind Trainer, unter denen jeder Profi spielen möchte. Es ist einfach schön, ihn wieder auf der Trainerbank zu sehen. Ich freue mich sehr auf das nächste Spiel gegen ihn.
Frage: Als Sie als junger Spieler bei Monaco unter Vertrag standen, soll Jürgen Klopp versucht haben, Sie zum FC Liverpool zu holen. Stimmt es, dass die Verhandlungen in einem Privat-Jet stattfanden und Sie über Monaco gekreist sind, um nicht gesehen zu werden?
Mbappé: Ja, das stimmt. Das war schon etwas speziell, aber toll. Und ganz ehrlich: Ich wäre damals sehr gerne zu ihm gewechselt.
Frage: Warum haben Sie es nicht gemacht?
Mbappé: Ich war noch nicht bereit, mein Heimatland zu verlassen. Ich wollte in meine Heimatstadt, nach Paris. Ich hatte gerade einmal ein Jahr für Monaco gespielt und brauchte damals mein Umfeld, um mich wohlzufühlen. Deshalb bin ich zu PSG gegangen.
Wiedersehen in den USA: Jürgen Klopp und Mbappé trafen sich zuletzt bei der Weltmeisterschaft. Der jetzige Bundestrainer war zu dem Zeitpunkt noch TV-ExperteFrage: Stehen Sie noch in Kontakt mit Klopp?
Mbappé: Ich habe ihn bei der Weltmeisterschaft gesehen, das hat mich sehr gefreut. Aber ich will ihm nicht auf die Nerven gehen, er hat genug zu tun (lacht).
Frage: Hatten Sie eigentlich mal Anfragen aus Deutschland? Auch Borussia Dortmund soll bei Ihnen mal angeklopft haben …
Mbappé: Es waren viele Vereine, auch Dortmund. Aber es ist schwierig für mich, darüber zu sprechen. Denn: Wenn man einem Verein absagt, klingt es häufig so, als wenn etwas nicht gepasst hätte. Das war überhaupt nicht der Fall. Das waren alles großartige Vereine, aber man kann sich nun einmal nur für einen Klub entscheiden. Und wie gesagt: Ich wollte damals lieber in meiner Heimat bleiben.
Frage: Wenn Sie sich ein Deutschland-Trikot kaufen würden: Welcher Name stünde auf dem Rücken?
Mbappé: Antonio Rüdiger natürlich. Als mein Mitspieler bei Real ist diese Entscheidung sehr leicht für mich.
Frage: In Deutschland steht Rüdiger immer wieder wegen seines unsportlichen Verhaltens auf dem Platz in der Kritik.
Mbappé: Ich glaube, viele Fans halten ihn für ein bisschen verrückt. Aber das ist seine Art zu spielen. Antonio ist das beste Beispiel dafür, dass man Menschen nicht nur danach beurteilen darf, wie sie auf dem Platz agieren. Natürlich: Auf dem Feld ist er verrückt, wie er grätscht, wie er agiert. Aber in der Kabine ist er ganz anders. Ein netter, zuvorkommender Mensch.
Antonio Rüdiger ist nach der blamablen WM aus der Nationalmannschaft zurückgetretenFrage: Beim FC Bayern begeistert Michael Olise, Ihr Mitspieler in der französischen Nationalmannschaft. Im Sommer gab es viele Gerüchte darüber, dass er zu Real wechseln könnte. Hätten Sie ihn gerne in Madrid begrüßt?
Mbappé: Ich habe die Spekulationen mitbekommen. Aber ich kenne das selbst sehr gut: Als ich Spieler von PSG war, gab es unzählige Gerüchte. Und ich finde, dass es respektlos wäre, einem Spieler zu einem Wechsel zu raten. Das wäre Bayern gegenüber ungerecht. Zumal Bayern ein großartiger Verein ist, mit dem Michael viel erreichen kann. Klar ist aber: Jeder Klub auf dieser Welt würde gerne Michael Olise haben. Er ist ein herausragender Spieler.
Frage: Ihr Kindheitsidol Cristiano Ronaldo hat sich nun entschieden, trotz seiner 41 Jahre weiterhin für Portugal zu spielen. Ist das auch ein Ziel von Ihnen, so lange spielen zu können? Oder werden Sie eines Tages genug vom Fußball haben?
Mbappé: Da müssen wir ganz ehrlich sein, wenn man bedenkt, für welches Land ich spiele: Frankreich wird mich nie bis 41 spielen lassen (lacht). Aber Cristiano beweist: Wenn du körperlich fit bist, mental fit bist, kann man lange auf diesem hohen Niveau spielen. In meinem Fall glaube ich aber nicht daran.
Frage: Was ist Ihr großer Traum für den Rest Ihrer Karriere?
Mbappé: Die Champions League zu gewinnen.
Frage: In den vergangenen Tagen sorgten Sie für eine große Überraschung: Nach 20 Jahren verließen Sie Ihren Ausrüster „Nike“, schlossen sich stattdessen „On“ an. Die Schweizer Firma fertigt die Schuhe mit einer Sprüh-Technologie an, sodass sie wie eine zweite Haut sein sollen. Wie groß ist der Unterschied nun?
Kylian Mbappé: Ich würde es gar nicht als Unterschied bezeichnen, sondern als Fortschritt, als Revolution. Für mich ist es eine tolle Sache, ich kann die Schuhe hier selbst mitentwickeln. Für mich ist das eine große Ehre. Als Fußballer ist es auch meine Verantwortung, den Fans guten Fußball und Spektakel zu bieten. Und dabei werden mir diese Schuhe mit Sicherheit helfen.
Frage: Sie kreieren die Schuhe also selbst?
Mbappé: Ja, ich bin sehr eng eingebunden. Ich begleite jeden Schritt in der Entwicklung, gebe meine Meinung ab. Ich werde beurteilen, wie das Gefühl ist, den Schuh zu tragen, wie er auf den Ball reagiert. Sie fühlen sich ein wenig wie Socken an. Wir können hier die perfekte Kombination zwischen Haut und Schuh erreichen.
Dieses Interview wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) geführt und erschien zuerst in SPORT BILD.
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