Etliche Drogentests – und jede Zuwendung über 20 Euro muss Immel melden
Sein neues Leben ist wie der Start in eine neue Saison. Er darf noch einmal (fast) von vorn beginnen und muss jetzt rund 30 Jahre nach seinem Karriereende als Aktiver wieder regelmäßig zum „Dopingtest“ – in seinem Falle nun: zum Drogentest. Fußball-Legende Eike Immel wurde im Berufungsverfahren vor dem Landgericht Marburg zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt – mit strikten Auflagen.
Für den ehemaligen Weltklassetorwart muss sich dieses Urteil wie ein sehr glücklicher Sieg anfühlen. Der frühere Nationalspieler hatte sich mehr als 34.000 Euro bei Bekannten geliehen und das Geld nicht zurückgezahlt. Ihm war Betrug in 107 Fällen zur Last gelegt worden.
Vor Gericht ließ Immel „die Hosen runter“, wie der Vorsitzende Richter dem geständigen 65-Jährigen zugutehielt. Ergebnis: eine allerletzte Chance. Allerdings mit Vorgaben, die er erfüllen muss. Hält sich der deutsche Meister von 1992 (mit dem VfB Stuttgart) in den kommenden vier Jahren nicht an die Bewährungsauflagen, dann wandert er doch noch ein.
Er war ganz oben: Immel und Guido Buchwald recken in der Stuttgarter Kabine noch einmal die Meisterschale in die HöheWie muss Immel sein Leben jetzt neu ordnen? Vor Gericht hatte der langjährige BVB-Keeper auf Anraten seines Anwalts, Strafverteidiger Burkhard Benecken, eine große Kokain-Beichte abgelegt. Nach seiner Zeit als Co-Trainer, u. a. bei Besiktas und Fenerbahce Istanbul sowie bei Austria Wien, war er in die Suchtspirale geraten.
Immel nahm Kokain – je nachdem, wie das Geld da war
Sein Verteidiger schilderte, wie 2007 der Kontakt mit den Drogen begonnen hatte. „Es gab eine sehr dunkle Phase 2021, auch bedingt durch Corona und private Probleme. Und es gab immer wieder Rückfälle.“ Immel nahm Kokain. Manchmal ein halbes, manchmal ein Gramm. Je nachdem, wie das Geld da war. Die ergaunerten Gelder nutzte Immel, um sich Stoff zu kaufen. Der Ex-Profi: „Ich habe mich oft geschämt und oft nicht wiedererkannt.“ Erst vor wenigen Wochen soll es einen erneuten Rückfall gegeben haben. Das räumte Immel ein. Doch damit muss nun endgültig Schluss sein.
Die Auflagen, die Immel vom Gericht bekam und zu denen er sich bereit erklärt hat, sind hart. Immel ist aktuell bei seinem Sohn gemeldet – seine Tochter hat wegen seines Lebenswandels den Kontakt abgebrochen. Er muss sich monatlich bei der Bewährungshilfe melden. Innerhalb von zwei Monaten nach Rechtskraft des Urteils muss der ehemalige Profisportler eine ambulante Drogentherapie beginnen. Dazu gehören auch bis zu zwölf Drogenkontrollen pro Jahr.
Wie er selbst sagt, hat der frühere Fußballmillionär nie gelernt, mit Geld umzugehen. Immel muss sich bei einer Schuldnerberatung melden und sämtliche Einnahmen und Ausgaben vorlegen. Alle Zuwendungen von mehr als 20 Euro müssen offengelegt werden. Er selbst hofft wieder auf Jobs. Eventuell im Reality-TV. „Ich würde auch gern Stadionführungen oder so etwas bei Borussia Dortmund machen.“ Alte Bekannte hätten ihm dort Möglichkeiten signalisiert, sollte er nicht zur Gefängnisstrafe verurteilt werden.
Immel im Juni 1988 an der Seite von Andreas Brehme bei der EM nach dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen SpanienDazu kommt noch eine Auflage, die laut Richter „keinen Spaß machen und daher außerhalb des Sportbereichs stattfinden soll“: 200 Stunden gemeinnützige Arbeit. Eine Idee vom Verteidiger des ehemaligen Dortmund-Spielers – Anwalt Benecken selbst ist bekennender Schalke‑Fan: „Vielleicht kann Eike Immel im Umfeld von Schalke auch gemeinnützige Arbeit angehen. Das hätte eine schöne Symbolwirkung.“
Es stehen jetzt kleine Schritte für den früheren Fußballhelden an. Helfen soll auch seine neue Freundin. Seit gut einem Jahr ist der geschiedene Immel wieder in festen Händen. Seiner Partnerin versprach er nach dem Urteil am Telefon: „Du wirst sehen, ab jetzt geht’s voran.“ Seine Fans von einst wünschen es ihm. Und dann steht auch ein weiterer Lebensabschnitt an. „Ab dem 1. April 2027 bin ich Rentner.“ Aktuell ist der ehemalige Dschungelcamp-Kandidat (Teilnahme an der RTL-Show 2008) Bürgergeldempfänger. Als Fußball-Rentner könnte er versuchen, seine Finanzen – und sein ganzes Leben – wieder besser in den Griff zu bekommen.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke