„Pilates am Strand“ – wie Darja Varfolomeev nach Wettkämpfen abschaltet
In der Rhythmischen Sportgymnastik ist die Deutsche Darja Varfolomeev das Maß aller Dinge. 14 Weltmeistertitel, sechs Europameistertitel und eine olympische Goldmedaille schmücken ihren Trophäenschrank. Doch wie schaltet die 19-Jährige bei all dem Training und den Wettkämpfen ab? Ist da überhaupt Zeit für Erholung? WELT hat nach der WM 2026 mit ihr gesprochen.
WELT: Nach der langen Saison inklusive Heim-WM waren Kopf und Körper sicher erschöpft. Wie genau schalten Sie ab?
Darja Varfolomeev: Wir waren in Griechenland am Meer, dort, wo wir wirklich den Sommer noch einmal genießen konnten. Und wie ich genau den Kopf abschalte? Ich glaube, nach so einem Wettkampf schaltet der Kopf von selbst ab. Ich genieße einfach den Sommer, die Zeit mit der Familie, und versuche, einfach den Moment zu genießen, in dem ich mich befinde. Wenn ich Lust habe, dann mache ich auf jeden Fall Pilates oder etwas Kleineres für eine halbe Stunde bis maximal eine Stunde. Aber nur, wenn ich wirklich Lust habe. Meistens mache ich mittags etwas Kleines, aber es ist natürlich keine gewöhnliche Trainingseinheit.
WELT: Rhythmische Sportgymnastik lebt von extremer Disziplin. Verändert sich Ihr Verhältnis zu dieser Disziplin während des Urlaubs oder genießen Sie es, auch mal nichts machen zu müssen?
Varfolomeev: Im Urlaub versuche ich wirklich, nichts zu machen. Ich schlafe so lange, wie ich will, esse, was ich möchte, und mache wirklich das, worauf ich Lust habe und nicht das, was per Plan vorgesehen ist.
WELT: Was fehlt Ihnen nach ein paar Wochen Pause als Erstes? Die Musik, bestimmte Übungen oder die Menschen, die Sie dann wieder treffen?
Varfolomeev: Ich weiß, dass wir nach dem Urlaub neue Choreografien erstellen. Und darauf freue ich mich am meisten, weil es sehr viel Spaß macht. Das Neue zu üben, braucht viel Zeit, aber es bringt viel Spaß. Man macht seine Routine jeden Tag. Wenn dann die neue Übung da ist, muss man zwar auch viele Wiederholungen machen, aber die sind halt neu.
WELT: Haben Sie selbst auch viel Mitspracherecht, wenn neue Übungen entwickelt werden?
Varfolomeev: Wir machen das zu dritt: gemeinsam mit meiner Trainerin und einer Choreografin, die wir einladen. Sie macht meistens die Übergänge, damit alles flüssig ist. Wir bestimmen mit der Trainerin die Schwierigkeit oder was genau nach diesem oder jenem Element kommt. Es ist natürlich ein bisschen besser, wenn man zum Beispiel Risiken gut über die Übung verteilt, damit nicht alle auf einmal kommen. Und es ist auch gut, schwierige Drehungen an den Anfang zu stellen, weil man da noch Kraft hat. Da muss man schon viel darüber nachdenken, wie man das am besten aufbaut. Aber was die Schwierigkeit angeht, schlage ich viel vor, und auch Julia (Varfolomeevs Trainerin Julia Raskina, die Redaktion) bringt viele Vorschläge ein. Das ist Teamarbeit.
WELT: Was motiviert Sie, nach einem Urlaub und einer Weltmeisterschaft wieder voll einzusteigen?
Varfolomeev: Auf der einen Seite finde ich es wirklich schön, wenn man wieder in die Halle kommt und etwas Neues macht. Aber auf der anderen Seite fängt man wieder von vorne an, denn man hat neue Ziele, neue Wettkämpfe. Deswegen, klar, motiviert mich das.
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