„All diese netten Dinge“ – Michelsens Tränen-Drama an der Schulter von Tiafoe
Alex Michelsen weinte bitterlich in den Armen seines Landsmanns Frances Tiafoe. Der 22 Jahre alte Amerikaner hat seinen überraschenden Lauf bei den US Open nicht fortsetzen können und den erstmaligen Einzug ins Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier knapp verpasst.
Gegen den Favoriten Tiafoe schlug Michelsen bereits zum Sieg auf, musste sich aber dramatisch 7:5, 6:3, 5:7, 3:6, 6:7 (6:10) geschlagen geben. Anschließend zeigte er noch auf dem Platz im Arthur-Ashe-Stadium große Emotionen und wurde vom Sieger aufgemuntert.
„Als ich ihn umarmte, habe ich sofort gesehen, dass er weint. Ich weiß, wie weh das tut. Ich mag Alex wirklich sehr“, sagte Tiafoe, „das tue ich wirklich, wirklich sehr. Ich wollte an sich einfach nur zu ihm herübergehen und ihm die Hand geben. Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauern würde, aber ich verstehe diesen Moment.“
Wunderbare Worte vom Gegner
Michelsen war für die Schulter zum Anlehnen sehr dankbar. „Er ist ein toller Kerl, wie er mich in diesem Moment getröstet hat“, sagte er über die Umarmung nach der Partie. „Ich habe versucht, mich zusammenzureißen, und das ist mir nicht gut gelungen. Er hat viele nette, persönliche Dinge gesagt. ‚Du wirst es schaffen. Du wirst noch oft hier sein. Wenn ich älter bin, wirst du hier sein, und wir werden unter solchen Umständen noch einmal gegeneinander spielen.‘ All diese netten Dinge.“
Tiafoe sei ein „unglaublicher Typ und ein sehr guter Freund von mir“, erzählte Michelsen, „ich glaube nicht, dass mich in diesem Moment irgendjemand anderes zum Weinen hätte bringen können, um ehrlich zu sein.“
Michelsen schlägt zum Sieg auf – und vergibt große Chance
Mit der möglichen Überraschung vor Augen zeigte Michelsen allerdings im dritten Satz plötzlich Nerven. Beim Stand von 5:4 im dritten Durchgang servierte der Außenseiter zwei Doppelfehler, gab seinen Aufschlag ab und verlor den Satz noch. Im fünften Durchgang kämpfte sich Michelsen zurück, lag bereits 3:0 vorn, verlor aber dennoch im Tie-Break. Zuvor war er bei den US Open noch nicht über die zweite Runde hinausgekommen.
Michelsens Niederlage und sein emotionaler Ausbruch berührten aber auch andere. Jessica Pegula berichtete, sie habe sich das Ende des Spiels angesehen, bevor sie für ihren Viertelfinalsieg gegen Emma Navarro auf den Platz ging. „Als ich sah, wie Alex ihn am Ende umarmte, musste ich in der Umkleidekabine weinen“, sagte die Amerikanerin: „Es war so herzzerreißend. Mein Herz tat so weh.“
Michelsen verließ den Platz mit einem Handtuch auf dem Kopf und hob den Arm, um den Jubel der Zuschauer zu erwidern. Tiafoe teilte den Fans mit, was er von Michelsens Leistung hielt. „Ich meine, er hätte heute locker gewinnen können, also ein großes Lob an Alex Michelsen“, sagte Tiafoe.
Der 28-Jährige steht zum dritten Mal im Halbfinale der US Open, wartet aber noch auf sein erstes Endspiel bei einem Grand-Slam-Turnier. Für den Weltranglistenzwölften geht es nun gegen seinen Landsmann Ben Shelton.
Der schaltete Titelverteidiger Carlos Alcaraz in einem Viertelfinale überraschend aus und gewann das späteste Match der Turniergeschichte. Der Spanier musste sich Shelton in einem hochklassigen Match mit 7:6 (7:5), 1:6, 3:6, 6:1, 6:7 (7:10) geschlagen geben. Der 23-Jährige erreichte sein zweites Halbfinale beim Grand-Slam-Turnier von New York.
Spiel von Alcaraz gegen Shelton bei den US Open beginnt um kurz nach elf
Nach 4:28 Stunden verwandelte Shelton um 3.33 Uhr Ortszeit unter großem Jubel der immer noch zahlreichen Fans den Matchball im Arthur-Ashe-Stadium. Er ist damit potenzieller Endspielgegner von Alexander Zverev, der in der Nacht auf Donnerstag in seinem Viertelfinale auf den Niederländer Botic van de Zandschulp trifft.
Das Match lieferte das besondere Gefühl, das bei den ganz großen Matches im Arthur-Ashe-Stadium unter Flutlicht entsteht. Obwohl es erst um 23.05 Uhr losging, waren die Tribünen anders als bei den nächtlichen Auftritten von Zverev zur gleichen Zeit noch komplett gefüllt. Nur zwei Männerspiele hatten in der Geschichte der US Open später begonnen – und die knapp 24.000 Zuschauer wurden für ihr Ausharren belohnt.
Ein dauerhafter Schlagabtausch mit höchster Geschwindigkeit verzückte die Fans. Immer wieder hallte ein „Roar“ voller Begeisterung durch die größte Tennisarena der Welt. Als Shelton einen Schmetterball im Tie-Break nach einem spektakulären Ballwechsel verwertete, erhoben sich erstmals alle Zuschauer. Der Amerikaner feierte mit weit aufgerissenem Mund, Vater und Trainer Bryan mahnte zur Ruhe. Zu Recht – Alcaraz zeigte grandioses Kontertennis, holte sich den ersten Satz.Doch zum ersten Mal im Turnier deutete sich an, dass der Spanier nach seiner mehr als viermonatigen Pause wegen einer Handgelenksverletzung doch noch nicht wieder dauerhaft auf der Höhe seines Könnens sein könnte. In den langen Ballwechseln machte plötzlich Alcaraz die Fehler, Shelton spielte fast makellos und holte satzübergreifend neun Spiele in Serie.
Fußball-Stimmung auf der Tribüne
Bei den French Open 2025 musste sich der Amerikaner noch in vier Sätzen geschlagen geben. „Mein Aufschlag ist besser, mein Return viel besser. Die Gesamtqualität meiner Schläge von der Grundlinie und meine Bewegung haben sich verbessert“, sagte Shelton nun vor dem erneuten Aufeinandertreffen. „Ich denke, dass es definitiv ein anderes Spiel wird, wenn ich hier spiele.“
Shelton hielt zunächst Wort. Mit bis zu 240 Stundenkilometern donnerte der US-Star seinem Gegner die Aufschläge ins Feld. Beim 3:5 holte sich Alcaraz einen Breakball, konnte diesen jedoch nicht verwerten. Schwer gezeichnet stützte er sich auf seinen Schläger, schnitt nach dem Verlust des Satzes Grimassen auf der Bank.
Alcaraz am Ende seiner Kräfte? Mitnichten. Als auch Shelton leichte Schwächen zeigte, war der Spanier da, schaffte das frühe Break und zog davon. „Olé, olé, olé“-Gesänge schwappten durch das Stadion, Shelton-Fans hielten mit „USA, USA, USA“ dagegen. Auch wenn sich die Tribünen gelichtet hatten, herrschte endgültig Fußball-Atmosphäre.
Um 2.27 Uhr eröffnete Shelton den letzten Satz. Beide Spieler hielten ihre Aufschläge, der Match-Tie-Break musste entscheiden. Kurz nach halb vier feierte Shelton seinen Sieg, Alcaraz war geschlagen. Schon zuvor hatte der Spanier mit einem Erfolg um 2.50 Uhr den US-Open-Rekord für das späteste Spiel gehalten.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke