Am Ende eines völlig vermaledeiten Nachmittags gab es auch noch die letzte Kränkung für die Fans des Hamburger SV. Ransford Königsdörffer hatte gerade zum 0:5 getroffen und den Treffer zum Endstand mit an die Ohren gelegten Händen gefeiert. Provokation pur. Und es herrschte Rätselraten, warum sich der Neu-Mainzer bei seinem ersten Auftritt in Hamburg nach seinem Wechsel im Sommer derart aufreizend benehmen musste.

Schließlich gab es bei der Verlesung der Aufstellung vor dem Spiel Applaus für den Stürmer, der vier Jahre lang für den HSV gespielt hatte. Auch bei seiner Einwechslung in der 68. Minute setzte es nur vereinzelt Pfiffe. Dann aber feierte der Angreifer den Treffer zum Endstand gegen seine in allen Belangen desolat auftretenden Ex-Kollegen mit dem Jubel eines offensichtlich recht einfach gestrickten Vertreters seiner Branche. Dieser Anschein zumindest entstand.

HSV-Trainer Merlin Polzin wollte nur kurz auf die Provokationen eingehen und merkte nach dem Spiel an: „Ich glaube, wenn wir uns nach so einem Spiel und so einer Leistung jetzt an dem Thema irgendwie aufhalten würden, dann wäre es der falsche Ansatz.“ Sein Kapitän aber zeigte klare Kante. „Ich mag ihn unfassbar gerne“, sagte Nicolai Remberg. „Aber ich bin Kapitän von dem Verein. Wenn er vor unseren Fans so jubelt, dann gehört sich das nicht für mich. Dann muss ich dahin gehen, das muss ich dann sagen. Und habe ich dann auch.“

Auf dem Weg zur Mittellinie habe Königsdörffer noch mit ihm abklatschen wollen, meinte Remberg. „Ich glaube, da hat er gemerkt, es war ein bisschen drüber.“

Königsdörffer nach dem Spiel in der HSV-Kabine

Nach der Partie ging Königsdörffer noch einmal in die HSV-Kabine zu den alten Teamkollegen. Mit den Medien wollte der 24-Jährige nicht sprechen. Das hatte er auch schon als HSV-Spieler nur ungern getan. Dafür sprach Doppel-Torschütze Phillip Tietz. „Das, was er für Nachrichten bekommen hat, ist unter der Gürtellinie“, erklärte Königsdörffers neuer Angriffskollege. „Und es tut mir halt für den Jungen extrem dolle leid.“

Ransford Königsdörffer erhält von Sportdirektor Claus Costa (r.) ein Abschiedsgeschenk

Er glaube, Königsdörffer habe mit seiner Geste in der Nachspielzeit auch nur die gemeint, die ihm wirklich solche Hassnachrichten geschickt haben, sagte Tietz. Er habe weder etwas zu den Ultras gemacht noch zur Vereinsführung. „Er hat es wirklich, glaube ich, aus Frust den Leuten gewidmet, die ihm wirklich solche, tut mir leid, Scheißnachrichten geschickt haben. Das geht nicht. Und da verstehe ich ihn komplett.“

Remberg weiß ebenfalls von den Botschaften gegen Königsdörffer, gerade in der vergangenen Saison. Die Beleidigungen seien schlimm gewesen. „Deswegen muss ich vielleicht jetzt nicht sagen, ich kann ihn verstehen, aber es war schon manchmal echt unter der Gürtellinie, was ich da mitbekommen habe.“

Der erste Besuch an alter Wirkungsstätte hatte für Königsdörffer freundlich begonnen. Der im Sommer nach vier Jahren ablösefrei nach Mainz gewechselte Angreifer erhielt ein nachträgliches Geschenk zum Abschied und Applaus von den HSV-Fans. Dass der Stürmer mit 14 Toren maßgeblich mit zum Aufstieg 2025 beigetragen hatte, hatten die meisten HSV-Anhänger noch in bester Erinnerung. Umso fraglicher war seine Reaktion nach seinem Treffer.

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