Der kurze Werbespot, der ein Erdbeben auslöste
Auf dem amerikanischen Golfmarkt tobt ein Shitstorm mit erstaunlichen Auswirkungen. Kooperationen wurden beendet, Produkte aus den Regalen genommen, hohe Manager verloren ihre Jobs – und das alles wegen eines Werbespots. Im Mittelpunkt der Affäre: Ausrüster Callaway – mit zwei Milliarden Jahresumsatz einer der Branchenriesen – und ein YouTube-Format namens Good Good, das seinerseits zu den wichtigsten Playern der Branche zählt.
Die 2020 gegründete Plattform ist rasant gewachsen und sammelte im Vorjahr 45 Millionen Dollar Investorengelder ein. Die meisten Einnahmen stammen nicht mehr aus der Werbung, sondern aus Kooperationen, Produkten und Merchandising. So wie im Fall von Callaway. Mit dem Unternehmen arbeitete Good Good seit 2023 zusammen. Doch das ist seit wenigen Tagen Geschichte.
Am 21. August veröffentlichten die beiden Partner einen rund 60 Sekunden langen Werbespot für ihren gemeinsamen neuen Driver. Der Plot: Eine Frau, die Good-Good-Golferin Alexis Miestowski, will gerade einen Schläger aus der Golftasche ziehen, als ein Mann, Good-Good-Mitgründer Garrett Clark, angerannt kommt und Miestowski zu Boden rammt. Er stellt sich über sie und sagt: „Berühre nicht meinen neuen Driver.“
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Dass ein Werbefilm, in dem ein Mann eine Frau körperlich attackiert und ihr droht, im Jahr 2026 zu Problemen führen muss, ist so offensichtlich, dass man sich fragt, wer das abgesegnet hat. Oder aber, ob die Empörungswelle in einem gewissen Maße schlicht einkalkuliert ist.
Der Film wird gelöscht, nicht aber das Problem
Die rollt nun auf jeden Fall an. Und zwar gewaltig. Binnen Stunden werfen Nutzer den Marken vor, Gewalt gegen Frauen zu verharmlosen. Von Good Good gibt es alsbald eine erste Erklärung: „Wir haben die betreffenden Inhalte entfernt und entschuldigen uns aufrichtig. Good Good hat sich stets dafür eingesetzt, den Golfsport für alle zugänglicher und inklusiver zu machen, und wir werden auch weiterhin dafür sorgen, dass dies unser Ziel bleibt.“ Callaway distanziert sich derweil von dem Spot und erklärt, der Inhalt sei „unangemessen“ gewesen und entspreche nicht den Werten des Unternehmens.
Der Film wird also gelöscht, nicht aber das Problem. Callaway wird kritisiert, dass die Firma die eigene Rolle bei der Produktion kaum thematisiert. Zudem seien die Entschuldigungen halbherzig. Es kommt zu Boykottaufrufen, auch der CEO der wichtigsten Golftour der Welt äußert sich. „Was wir gesehen haben, war besorgniserregend und stand eindeutig nicht im Einklang mit den Werten der PGA Tour“, sagt Brian Rolapp und rügt die Verursacher: „Ihre erste Reaktion war enttäuschend. Sie wirkte etwas defensiv und kam zudem spät.“
Mit diesem Satz kommt der virtuelle Shitstorm in der Realität an. Der Druck ist nun so stark, dass sich die Firmenchefs persönlich einschalten. Good-Good-CEO Matt Kendrick und Verantwortliche von Callaway veröffentlichen weitere Entschuldigungen. Kendrick spricht sogar von „der schlimmsten Werbung, die der Menschheit bekannt ist“.
Der Golf Channel stampft eine ganze TV-Serie ein
Doch das alles kommt zu spät. Mehrere große Golfhändler in den USA beginnen, Produkte auszulisten, darunter der Handelsriese Dick's Sporting Goods (Jahresumsatz 17,22 Milliarden Dollar). Der TV-Sender Golf Channel stampft die Ausstrahlung einer mit Good Good produzierten Realityshow ein, die im April abgedreht worden war und nun eigentlich auf Sendung gehen sollte. Good Good zieht sich zudem als Hauptsponsor des PGA-Tour-Turniers in Austin zurück, und es kommt zum Bruch mit Callaway.
Am 27. August, sechs Tage nach Ausstrahlung des Spots also, erklärt der Golfhersteller die Kooperation mit Good Good für beendet und kündigt an, eine Million Dollar für Organisationen im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen zu spenden. In der Erklärung heißt es: „Gewalt gegen Frauen ist inakzeptabel und darf niemals verharmlost, normalisiert oder zur Unterhaltung genutzt werden.“ Inzwischen gibt Callaway auch zu, nicht ganz unbeteiligt an der Misere gewesen zu sein. „Unser Prüfungsprozess war nicht umfassend genug“, heißt es.
Das wiederum geht Kendrick offenbar nicht weit genug; der CEO von Good Good geht tags darauf zum Gegenangriff über. Er adressiert an Callaway sehr klare Vorwürfe: „Callaway hat uns gebeten, die Werbung zu machen, sie dann genehmigt und uns anschließend den schwarzen Peter zugeschoben.“
Ob es dieser Satz war, der Kendrick den Job kostete, ist nicht geklärt. Laut mehreren übereinstimmenden Berichten vom Mittwoch haben er und Präsident Joe Flannery die Firma Good Good verlassen.
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