Zwei Einser, eine Fünf – die Transferzeugnisse der 18 Bundesligaklubs
Welche Baustellen wurden bei den Bundesligisten in der Sommerpause geschlossen? Welche Transfers waren besonders gut? Und was konnte nicht umgesetzt werden? Die Redaktion zieht ein Fazit und gibt jedem der 18 Bundesligaklubs eine Schulnote. Das Transfer-Zeugnis.
FC Bayern, Note: 2
Eberl hat mit Saibari und Brown frühzeitig zwei Top-Verpflichtungen für zusammengerechnet rund 100 Mio. Euro eingetütet. Zudem ist der Bayern-Sportvorstand fast alle Ladenhüter (u.a. Nübel, Peretz, Palhinha, Zaragoza) zu halbwegs guten Preisen losgeworden. Nur Sacha Boey ist noch da. Der Soll-weg-Star könnte nach Ende des deutschen Transferfensters noch in ein kleineres Fußball-Land wie die Türkei oder Portugal wechseln.
Rüdiger tritt zurück, 140 Millionen Euro wechseln den Besitzer – und die Bundesliga rüstet noch einmal auf: WELT-Fußballexperte Thomas Helmer spricht über Rüdigers DFB-Bilanz, den Transfer-Wahnsinn in England und die letzten Deals zum Ende der Transferperiode.Borussia Dortmund, Note: 2
Die Bosse-Entscheidung, aus dem Poker um Saïd El Mala (Köln forderte 50 Mio. Euro Fixsumme) auszusteigen, war rückblickend die richtige Entscheidung. Sport-Boss Lars Ricken und Sportdirektor Ole Book zeigten sich bei den Alternativ-Verpflichtungen sehr gut vorbereitet. Das Griechen-Duo Konstantinos Karetsas (18) und Giannis Konstantelias (23) überzeugte prompt. Das Konstantelias-Aus (Kreuzbandriss) konnte am Deadline-Day mit Leih-Star Ethan Nwaneri (19) ebenfalls schnell kompensiert werden. Joane Gadou (19) und Joey Veerman (27) sind solide Verpflichtungen, die sofort helfen. Mit den Abgängen der Großverdiener (u.a. Süle und Brandt) wurde Gehalt eingespart. Dass der Kader, in den über 100 Mio. investiert wurden, aber wirklich eine deutliche Verbesserung darstellt, muss er noch beweisen.
RB Leipzig, Note: 3
Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer hat Yan Diomande (19/ für 125 Mio. zu Real Madrid) zum neuen Rekordverkauf gemacht. Ein direkter Ersatz für die Flügelpositionen ist jedoch nicht gekommen. Acht Neuzugänge (Nyland, Estéve, Koné, Reitz, Nkunku, Gruda, Guiu, El Aynaoui) wurden geholt. Leipzig wurde nicht alle Ladenhüter los. Eljif Elmas (Bergamo), Harder (Straßburg) und Geertruida (Eindhoven) wurden nur verliehen, nicht wie präferiert verkauft.
VfB Stuttgart, Note: 2
Mit Pejcinovic und Prömel hat der VfB zwei Schlüsselspieler verpflichten können. Einige Bankspieler wurden abgegeben, der Kader hätte aber noch mehr verkleinert werden können. Einige Wunsch-Abgänge klappten nicht, so gab es einen chaotischen Deadline-Day. Der Last-Minute-Abgang von Chema zu Brighton ist ein herber Verlust. Bis auf ihn blieben alle Stammspieler beim VfB.
Traf bereits im Pokal für den neuen Klub: Dzenan Pejcinovic (rechts)TSG Hoffenheim, Note: 1
Hoffenheim hat auf dem Transfermarkt früh Nägel mit Köpfen gemacht. Geschäftsführer Andreas Schicker investierte rund 66 Mio. Euro und hatte wichtige Neuzugänge schon im Juni fix. Mit Patrick Wimmer (25) kam ein gestandener Bundesliga-Profi. Dazu sicherte sich die TSG mit Nathan De Cat (18), Adam Daghim (20), Mats Rots und Cajetan Lenz (beide 20) mehrere spannende Talente.
Bayer Leverkusen, Note: 2
Die Bosse Simon Rolfes und Kim Falkenberg haben am letzten Transfertag die rechte Seite erstklassig neu besetzt, mit Außenverteidiger Guéla Doué und Außenstürmer Moussa Diaby, der nach drei Jahren zurück nach Leverkusen kommt. Bayer hat nicht nur Talente wie Kennet Eichhorn und Afonso Moreira geholt, sondern auch gestandene Stars wie Vizeweltmeister Facundo Medina und Miguel Gutiérrez. Dazu kam mit Carles Martínez ein neuer Trainer. Er muss jetzt dafür sorgen, dass sich schnell eine funktionierende Mannschaft findet.
SC Freiburg, Note: 2
Der Sportclub hat den Kader aus der erfolgreichen letzten Saison einigermaßen gut zusammengehalten. Die Abgänge von Manzambi und Atubolu wurden mit Engelhardt und Backhaus gut kompensiert. Zudem ist mit Keisuke Goto ein vielversprechendes Talent zu den Breisgauern gewechselt, das schon zwei Pflichtspieltore zum Saisonauftakt erzielte.
Eintracht Frankfurt, Note: 3
Sport-Boss Markus Krösche hat das wichtigste Ziel erreicht: einen Transferüberschuss zu erzielen. Und das, obwohl er mit Noah Atubolu, Raphael Onyedika und Lilian Brassier wichtige Stammkräfte an den Main holte. Dennoch schwächen Abgänge das Team. Vor allem die Verluste von Brown und Kalimuendo konnten nicht aufgefangen werden.
FC Augsburg, Note: 1
Die Augsburg-Bosse um Geschäftsführer Michael Ströll und Sportdirektor Benjamin Weber haben den Kader im Sommer enorm verstärkt. Mit Michael Gregoritsch (32/700.000 Euro aus Bröndby), Rodrigo Ribeiro (21/5 Mio. Euro/Sporting Lissabon), Hennes Behrens (21/3,5 Mio.), Young-Woo Seol (27/3,75 Mio. von Roter Stern Belgrad), Calvin Brackelmann (27/ablösefrei aus Paderborn) sowie den Perspektivspielern Sima Suso (21/1,6 Mio. aus Düsseldorf), Tom Wisbereit (18/von der Union-U19) und Faik Sakar (18/U19 aus Leipzig) hat der FCA interessante Neuzugänge geholt. Zudem verpflichtete man am Dienstag Bayern-Profi Arijon Ibrahimovic (20) und Juma Bah (Manchester City) leihweise für eine Saison.
Mainz 05, Note: 2
Sano noch da, Amiri noch da, Nebel noch da: Erstmals seit Jahren hat Mainz in diesem Sommer keinen Leistungsträger abgegeben! Dazu wurde das in der Rückrunde ohnehin schon erfolgreiche Team durch Königsdörffer, Gruber und Martel in der Breite nochmal verstärkt. Dass man letztlich nicht alle Streichkandidaten (Richter, Hong) loswurde, kostet die Bestnote.
Union Berlin, Note: 3
Heldt konnte die ablösefreien Abgänge von Leite und Doekhi mit Van den Bosch und Friedrich früh kompensieren. Mit dem Ansah-Deal ist wieder Kohle in die Kasse gekommen. Mit Skov und Skarke sind aber weiter zwei Spieler im Kader, die wenig Chancen auf Einsätze haben. Ein Fragezeichen steht hinter Nsoki, der nach Leihe fest verpflichtet wurde und verletzt ausfällt.
Borussia Mönchengladbach, Note: 3
Gladbach hat mit Reitz und Elvedi zwei Leistungsträger abgegeben, dafür 28 Mio. Ablöse kassiert. Mit Itakura wurde der Elvedi-Abgang gut abgefangen, für Reitz kamen nur die Bundesliga-Neulinge Leopold und Uno. Mit Konoplia und Hashioka kamen allerdings auch zwei erfahrene Defensiv-Allrounder. Die Ladenhüter Neuhaus, Cvancara und Scally ist Borussia (noch) nicht losgeworden.
Hamburger SV, Note: 2
Sportdirektor Costa gab auf dem Transfermarkt Vollgas. Er holte Vieira für 9 Mio. vom FC Arsenal zurück, verpflichtete den marokkanischen Verteidiger El Ouahdi (8 Mio. plus Bonus aus Genk) und handelte die Kaufoption bei Grønbaek (4,7 Mio. von Rennes) runter. Der Däne war in der Vorbereitung der Beste. Abwarten, ob die Qualität in der Dreier-Abwehrkette reicht. Den „neuen Vuskovic“ konnte der HSV nicht bekommen. Bornauw ist erfahren, schnell und ein vorbildlicher Profi. Der Verkauf von Reservist Baldé (für 7,25 Mio. plus Bonus nach Straßburg) ist ein Coup.
Neuer Abwehrchef in Hamburg: Sebastiaan Bornauw, hier im Duell mit Dortmunds Serhou Guirassy1. FC Köln, Note: 2
Köln hat mit Mikey Moore (19) endlich seinen Wunschspieler von Tottenham Hotspur ausgeliehen. Das Mega-Talent aus England soll zusammen mit Saïd El Mala (20) in der FC-Offensive wirbeln. Einen starken Einstand hatte bei seinem Debüt Thijs Dallinga (26/Leihspieler aus Bologna). Der Holland-Stürmer führte Köln zum Auftakt mit zwei Toren zum 3:2 gegen Hoffenheim. Mit Ellyes Skhiri (31) wurde zudem die Sechser-Position mit einem erfahrenen Mann verstärkt. Ladenhüter (z. B. Huseinbasic, Gazibegovic) und Talente (z. B. Niang, Schenten) wurden erfolgreich abgegeben oder verliehen, dazu kamen spannende Namen wie Reigan Heskey (18). Der größte (interne) Coup aber war die vorzeitige Verlängerung mit Top-Star El Mala (bis 2031). Fakt: Der Kader ist stärker als in der letzten Saison.
Werder Bremen, Note: 5
Positiv: Manager Fritz hat mit Rückkehrer Füllkrug einen Hoffnungsträger verpflichtet. Problem: Top-Torschütze Stage (fällt monatelang aus) wurde nicht passend ersetzt, Spielmacher Schmid gar nicht. Der Kader ist viel zu spät zusammengestellt und schwächer als im Vorjahr. Da landete Werder mit Ach und Krach auf Platz 15.
FC Schalke 04, Note: 3
Schalke hat sich ordentlich verstärkt, u.a. mit Robin Gosens, Max Weber und Last-Minute-Deal Hee Chan Hwang Erfahrung und Qualität verpflichtet. Zudem kommen Verlängerungen von Metra Ayhan, Adil Aouchiche, Soufiane El-Faouzi und Vitalie Becker. Großes Manko: Den Bossen ist es erneut (noch) nicht gelungen, teure Ladenhüter loszuwerden. Auf der Einnahmenseite liegt Schalke hinter den Erwartungen.
SV Elversberg, Note: 2
Sportdirektor Weber hat auch von der Vorarbeit von Vorgänger Book profitiert. Campbell, Onyeka, Krattenmacher und Darvich waren die heißesten Talente auf dem Markt. Die feste Verpflichtung von Hamburgs Poreba rundete das Paket ab. Einen weiteren Innenverteidiger fand man allerdings nicht.
SC Paderborn, Note: 2
Mit Baur (Rekord-Verkauf für 6,3 Mio. Euro zu Celtic Glasgow) und Bilbija hat man zwei Aufstiegshelden verloren. Dafür wurde der Kader mit Pieringer, Vidovic sowie Ulrich und Philippe (beide Leihe) qualitativ verstärkt. Im Tor wurde Noll von Hoffenheim für ein Jahr geliehen.
Die Übersicht wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Bild“ veröffentlicht.
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