Nach einer langen Bedenkzeit und noch immer in tiefer Trauer um seinen toten Vater hat Lionel Messi die Entscheidung über seine weitere Karriere gefällt: Der 39 Jahre alte Superstar tritt aus der argentinischen Nationalmannschaft zurück und stürzt die Südamerikaner damit in eine große Fußball-Depression.

„Nachdem seit dem Finale nun einige Zeit vergangen ist und ich lange darüber nachgedacht habe, möchte ich euch allen mitteilen, dass ich mich aus der Nationalmannschaft zurückziehe…“, schrieb Messi bei Instagram: „Es war eine Entscheidung, die mir in der Seele wehgetan hat und immer noch wehtut, aber ich verstehe, dass es an der Zeit ist.“

Diesmal wohl kein Rücktritt vom Rücktritt

Nach über 20 Jahren, nach sechs Weltmeisterschaften, dem WM-Titel 2022, den zweiten Plätzen bei den Weltmeisterschaften 2014 und 2026 sowie zwei Triumphen bei der Copa América ist nun also tatsächlich Schluss. Einen Rücktritt vom Rücktritt wie vor vielen Jahren schon mal dürfte es nun nicht geben.

„Ich gehe mit der Gewissheit und dem Stolz, euch gemeinsam mit meinen Mitspielern traumhafte Momente beschert zu haben. Es war der Wahnsinn, das mit euch erlebt zu haben. Ich liebe euch!“, erklärte Messi in einem bewegenden Statement. Verfasst hatte er es nach eigenen Angaben bereits am 21. Juli – zwei Tage nach dem 0:1 im WM-Finale in East Rutherford nach Verlängerung gegen Spanien.

Messi nach der Finalniederlage gegen Spanien

Er war damals von den USA nicht mit der Mannschaft gereist, sondern mit seiner Familie nach Rosario. Am 8. August starb dann sein zuvor bereits schwer erkrankter Vater mit nur 68 Jahren. Die beiden hatten eine sehr enge Beziehung. Nach dem, was mit seinem Vater passiert sei, sei er noch überzeugter von seinen Worten in dem Statement als zuvor, schrieb Messi.

Tränen zum Abschied

Die Bühne, auf der sich Messi nun nur noch präsentieren wird, ist die Major League Soccer in den USA. Sein Vertrag bei Inter Miami, wohin er im Sommer 2023 gewechselt war, ist noch bis Ende 2028 gültig. Der achtmalige Weltfußballer wird dann 41 Jahre alt sein. Ob er ihn erfüllen wird, bleibt abzuwarten. Jüngst brillierte er mit vier Toren in einem Spiel.

Dass er auch noch mit knapp 40 zu Außergewöhnlichem imstande ist, hatte er bei der XXL-WM in den USA, Kanada und Mexiko bewiesen. Messi führte den letztlich entthronten Titelverteidiger ins Finale mit allein acht Toren und vier Vorlagen. Im Endspiel konnte er gegen die Spanier allerdings nichts bewirken.

Nach dem Schlusspfiff hatten ihn die argentinischen Fans dennoch gefeiert, Messi stand vor ihnen, Tränen rannen ihm übers Gesicht. „Der Schmerz ist unermesslich, und diese Wunde braucht Zeit zum Heilen“, erklärte er knapp 20 Stunden später via Instagram. Zu seiner Zukunft machte er in dem langen Statement da noch keine Angaben.

Löst Messi eine Rücktrittswelle aus?

Verbandsboss Claudio Tapia hatte aber zuvor schon einen Messi-Abschied zumindest angedeutet: „Es gibt keine Worte im Wörterbuch, die ausreichen würden, um dir für alles zu danken, was du uns gegeben hast, Kapitän. Danke für jede Freude, die du uns in die Seele geschrieben hast, für jede Träne des Stolzes und dafür, dass du unsere Flagge bis an die Spitze der Welt getragen hast.“

Vorahnung: Claudio Tapia

Auch Messis Ehefrau Antonela Roccuzzo hatte sich geäußert: „Du wirst immer der Beste sein. Nicht nur wegen deines Talentes, sondern auch, weil du nie aufgehört hast, du selbst zu sein. Egal, was passiert, du gibst nie auf, du kämpfst immer bis zum Ende und gibst dein Bestes bis zur letzten Sekunde.“

Die letzte Sekunde von Lionel Messi im himmelblau-weißen Trikot schlug nun an jenem 19. Juli 2026 im WM-Stadion von East Rutherford. Dort, wo er zehn Jahre zuvor schon mal seinen Rücktritt erklärt hatte, aber doch zurückkam.

Messis Ende in der Nationalmannschaft könnte nun weitere Rücktritte auslösen. Torwart Emiliano Martínez hatte die Fortsetzung seiner Karriere auch schon infrage gestellt. Trainer Lionel Scaloni hatte ebenfalls Zweifel genährt, dass er eine weitere Amtszeit ab 1. Januar in Angriff nehmen könnte. Die Albiceleste könnte vor einem riesigen Umbruch stehen – und das vier Jahre vor der WM, bei der es auch ein Eröffnungsspiel in Buenos Aires geben soll.

Selbst das konnte auch Messi nicht mehr locken. Insgesamt absolvierte er 207 Länderspiele für die Albiceleste, in denen er 125 Tore erzielte. Seinen Karriere-Höhepunkt im Nationalteam hatte er zweifelsohne bei der WM 2022 in Katar, als er Argentinien zum ersehnten dritten WM-Triumph führte und endgültig zum Volkshelden in der Heimat aufstieg.

Messi wollte mit Argentinien als dritte Nation nach Italien (1934 und 1938) und Brasilien (1958 und 1962) zweimal nacheinander den WM-Pokal gewinnen. Dass Messis sechste auch seine letzte WM würde, war absehbar. Selbst sein Schuh trug bei dieser Endrunde den Namen „El Ultimo Tango“ – der letzte Tango.

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