Hoffentlich führt der „deutsche Weg“ nicht in die Bedeutungslosigkeit
Am Dienstag schließt das Transferfenster. Auch wenn der eine oder andere Klub noch Last-Minute-Einkäufe tätigen wird, sind die Tendenzen schon klar ersichtlich: Die Bundesliga ist schon lange kein Big Player mehr. Im Gegenteil: Sie verliert finanziell immer weiter an Boden.
Rund 659 Millionen Euro haben deutsche Klubs bisher für neue Spieler ausgegeben. Für 733 Millionen Euro wurden Spieler verkauft. Das macht auf dem Papier ein Plus von rund 73 Millionen Euro.
Wer das für gutes Wirtschaften hält, kennt leider nur die halbe Wahrheit.
Große Klubs wie der HSV, Schalke und andere würden liebend gern mehr investieren – aber dafür fehlt das Geld. Und selbst der Abo-Vizemeister Dortmund beklagt im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust in Höhe von 21,7 Millionen Euro und kann keine allzu großen Sprünge mehr machen.
In den vergangenen fünf Jahren schreibt die Bundesliga zum vierten Mal so ein trügerisches Plus. Und ist so zu einer reinen Verkaufsliga geworden.
Wer aber immer nur verkauft, hat irgendwann keine Qualität mehr. Sieht man mal vom FC Bayern ab, gibt es bei uns schon lange keine echten Weltstars mehr.
Hinter dem FC Bayern gähnende Leere
Zum Vergleich: Die englische Premier League hat in diesem Sommer bereits 3,1 Milliarden Euro in neue Spieler investiert. Das ist fast fünfmal so viel wie die Bundesliga. Und auch die Spanier und Italiener haben bisher teurer eingekauft als verkauft.
Die Bundesliga nähert sich immer mehr der französischen Ligue 1 an. Und das ist keine positive Entwicklung. Aber die Parallelen sind leider da. Es gibt einen potenten Top-Klub – dort Paris St. Germain, bei uns der FC Bayern – und der Rest ist chancenlos und international auf höchstem Niveau kaum konkurrenzfähig.
Die 50+1-Regel, die den Einstieg von Investoren verhindert und vom Bundeskartellamt gerade in Stein gemeißelt wurde, wird diese Tendenz kaum umdrehen. Bundesliga-Geschäftsführer Marc Lenz sagte kürzlich, auch aufgrund von 50+1 seien es in den letzten 10 Jahren 15 Milliarden Euro an Minderinvestments gewesen.
Viel ist vom „deutschen Weg“ die Rede. Man darf gespannt sein, wohin er führt. Hoffentlich nicht in die Bedeutungslosigkeit.
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