Der FC Bayern und der VfB Stuttgart eröffnen am Freitagabend in der ausverkauften Münchner Arena die neue Bundesliga-Saison (20.30 Uhr). Die Münchner gehen als Titelverteidiger und Topfavorit in die Spielzeit. Thomas Müller, bis 2025 in Diensten des Rekordmeisters, blickt im Interview auf die Dominanz seines Ex-Klubs, freut sich auf Leipzig-Coach Martín Demichelis und adelt Sebastian Hoeneß. Außerdem verrät der Profi der Vancouver Whitecaps, was ihn an Schalke fasziniert.

Frage: Herr Müller, was kann die Bundesliga von der WM in Amerika lernen?

Thomas Müller: Das ist eine interessante Frage. Ich habe keinen neuen Trend – was die Spielweisen betrifft – gesehen, an dem sich die Bundesliga-Trainer nun unbedingt orientieren werden. Auffallend war, dass grundsätzlich die Mannschaften weniger aggressiv im Mann-gegen-Mann den Gegner vorne attackiert haben.

Frage: Der FC Bayern geht als Titelverteidiger in die neue Saison. Wird es wieder eine entspannte Zeit für Ihren Ex-Verein?

Müller: Entspannt wird es unter Trainer Vincent Kompany nie, denn er wird die Zügel auf jeden Fall straff halten. Ich sehe aber keine Mannschaft in Deutschland, die mit Bayern auch in der neuen Saison mithalten kann.

Frage: Warum nicht?

Müller: Der FC Bayern wird wohl wieder ähnlich viele Punkte holen wie in der vergangenen Serie (89 Zähler; d. Red.). Ich glaube nicht, dass andere auf eine vergleichbare Ausbeute kommen. Leverkusen hat es in der Saison 2023/24 einmal geschafft: mit einer außergewöhnlichen Leistung, mit vielen Last-Minute-Toren.

Frage: Bayer 04 kam sogar auf 90 Punkte.

Müller: Aber das war eine Ausnahme. Natürlich gibt es die üblichen Verdächtigen mit Dortmund, Leipzig und Leverkusen. Auch Stuttgart sehe ich als ambitioniert an, aber nicht für über 80 Punkte in einer Spielzeit. Ich sehe kein neues Leverkusen.

Frage: In Dortmund rechnen sich die Verantwortlichen dennoch Titelchancen aus.

Müller: Die Dortmunder werden gut sein. Und natürlich haben sie den Anspruch, da zu sein, wenn Bayern schwächelt. Doch das wird nicht passieren.

Frage: Weshalb?

Müller: Bayern hat frühzeitig mit Ismael Saibari und Nathaniel Brown zwei neue Spieler mit Zukunftspotenzial geholt, für die sie einiges an Geld ausgegeben haben (insgesamt rund 100 Millionen Euro). Das ist ein klares Zeichen, damit soll die Mannschaft noch besser werden.

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Frage: Glauben Sie, dass Harry Kane nach der WM-Enttäuschung in ein Loch fallen könnte?

Müller: Das Turnier wird bei ihm keine Spuren hinterlassen, davon bin ich überzeugt. Solange Harry Kane körperlich das Level erreicht, auf dem er die vergangenen Jahre war, wird er weiter seine Top-Leistungen abrufen und seine Tore schießen.

Frage: In der Bundesliga gibt es einige neue Trainer. Auf wen sind Sie besonders gespannt?

Müller: Auf Martín Demichelis. Weil ich ihn noch als Mitspieler bei Bayern erlebte. Dass er nun in Leipzig ist, das ist ein spannendes Projekt, das ich aus der Ferne intensiv beobachten werde.

Frage: Als Trainer im Blickpunkt steht auch Sebastian Hoeneß vom VfB Stuttgart, der von den Medien als möglicher Nachfolger bei Bayern ins Spiel gebracht wird, sollte Vincent Kompany München eines Tages verlassen.

Müller: Ich glaube, Sebastian Hoeneß hat das als Trainer ausgezeichnet im Griff beim VfB. Er gibt eine klare Spielidee vor. Man sieht, wie er von A bis Z brennt, er hat weiter an Erfahrung gesammelt und dem Klub ­Stabilität gegeben, die Stuttgart davor viele Jahre nicht hatte. Mit dem VfB ist weiter zu rechnen, was das Thema Champions-­League-Plätze betrifft. Bei Eintracht Frankfurt dagegen bin ich etwas skeptisch.

Frage: Wieso?

Müller: Am Anfang hat Markus Krösche (Eintracht-Manager) einige Spieler-Diamanten aus dem Hut gezaubert und sie für sehr viel Geld verkauft. Zuletzt passte es bei der Eintracht aber nicht mehr so perfekt zusammen, auch wenn der Klub nach wie vor Spieler mit viel Talent holt. Adi Hütter ist jetzt der dritte Trainer innerhalb eines Jahres. Ich bin gespannt, ob die Frankfurter es schaffen, nun wieder Ruhe ins Fahrwasser zu bringen. Die Ansprüche sind aufgrund der Leistungen der vergangenen Jahre mit dem Höhepunkt Europa-League-Triumph 2022 natürlich hoch.

Frage: Schalke 04 ist zurück. Wie wichtig ist das für die Bundesliga?

Müller: Ich freue mich, dass Schalke wieder in der Bundesliga ist. Für mich als Spieler war es immer ein Erlebnis, in der Arena aufzulaufen. Man merkt durch die emotionale Atmosphäre dort, welch große Bedeutung der Fußball für die Menschen im Ruhrgebiet hat. Ich erwarte von den Schalkern keine großen Sprünge, sondern es geht für sie darum, dass sie die Liga halten.

Frage: So wie es der Hamburger SV, ebenfalls ein großer Traditions­verein, vergangene Saison nach der Erstliga-Rückkehr geschafft hat.

Müller: Vereine mit einer so großen Fan-Base wie Hamburg oder Schalke will man in der Bundesliga sehen. Auch wenn es etwas Charme hat, wenn kleine Klubs mit guter Arbeit und klarem Konzept es immer wieder schaffen aufzusteigen. Wie zuletzt Elversberg und Paderborn.

Dieser Text wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst im SPORT-BILD-Sonderheft zur neuen Bundesliga-Saison.

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