Kompany löscht Bayerns Titelkonto und warnt seine Mannschaft
Vincent Kompany lächelt, wenn man ihn als „alten Hasen“ der Fußball-Bundesliga bezeichnet. Der Belgier ist erst 40 Jahre und er erlebt an diesem Wochenende bereits den dritten Saisonstart in Deutschland.
„Das Gefühl ist genau wie beim ersten Mal“, sagte der Trainer des FC Bayern am Donnerstagmittag in der Klubzentrale an der Säbener Straße. Am Freitagabend (20.30 Uhr, Sat.1, Sky und Liveticker bei WELT.de) eröffnet seine Mannschaft im Münchner Stadion gegen den VfB Stuttgart die 64. Spielzeit der Liga – und beginnt damit seine Mission Titelverteidigung.
„Ich habe immer den Glauben im Kopf, dass wir am Ende erfolgreich sein können“, sagte Kompany. „Man ist aber nie sicher, das gibt auch Energie. Man muss von Neuem anfangen. In meinem Kopf habe ich null Titel, man muss alles wieder zeigen. Das gibt mir sehr viel Energie. Das Spiel gegen Stuttgart wird schwierig, es ist eine neue Saison, es gibt neue Möglichkeiten. Ich freue mich auf die neue Saison.“
Neben ihm saß Max Eberl. Der Sportvorstand, dessen Vertrag der Klub gerade bis 2029 verlängerte, sagte: „In der vergangenen Saison haben wir RB Leipzig mit einem 6:0 aus dem Stadion gefegt, das war außergewöhnlich. Das müssen wir uns alles wieder erarbeiten, diesen Flow. Auch wenn die Spieler größtenteils die gleichen sind. Aber das Mindset muss sein, dass wir uns alles wieder erarbeiten müssen. Damit wir uns etwas erarbeiten, dass etwas Großes entstehen kann.“
„Meine Verlängerung ist kein Geschenk“
Mit deutlich vernehmbarem Stolz sprach er über seine noch vor wenigen Monaten ungewisse Vertragsverlängerung: „Ich bin sehr froh und sehr stolz, weil ich glaube, dass meine Verlängerung kein Geschenk ist.“
Bislang wurde der von Eberl verpflichtete Kompany in jeder Saison bei den Bayern Meister, in der vergangenen Spielzeit gewann er sogar das Double. In der Champions League steigerte er sich: erst Viertelfinale, zuletzt Halbfinale.
Wen sieht er in der Liga in der neuen Saison als ärgsten Konkurrenten um den Titel? Borussia Dortmund, RB Leipzig, den VfB Stuttgart? Ein Ranking will Kompany nicht machen. Nur so viel: „Ich hoffe, dass wir genauso stark sind wie in der vergangenen Saison und an manchen Stellen sogar besser werden. Dortmund wird sehr stabil sein – und es würde mich nicht überraschen, wenn Stuttgart das auch schaffen wird.“
Jamal Musiala wird nach seinen Zusammenbrüchen in zwei Testspielen nicht zu Kompanys Aufgebot gegen Stuttgart gehören. Die Rückkehr des unter einer neurologischen Erkrankung leidenden Nationalspielers in den Spielbetrieb rückt laut den sportlichen Verantwortlichen des FC Bayern aber näher. Kompany gab Freitagvormittag ein Update zum Zustand des 23-Jährigen.
„Grundsätzlich geht es Jamal relativ gut“, berichtete der Trainer. Beim Abschlusstraining der Münchner sollte er bereits wieder voll mitwirken. Musiala gewöhne sich noch „an die Medikamentensteigerung“. Die Entscheidung über das Spiel-Comeback werde man „Hand in Hand mit den Experten“ treffen. „Irgendwann wird er wieder im Kader sein“, so Kompany.
Vincent Kompany zur Rolle von Lennart Karl
Lennart Karl ist bereits jetzt zurück. Der Nationalspieler hatte zuletzt monatelang gefehlt und gehört erstmals nach seiner Muskelverletzung wieder zum Münchner Aufgebot. „Wie groß seine Rolle sein kann, müssen wir abwarten“, sagte Kompany. Der 18-jährige Karl hatte sich in der Vorbereitung der Nationalmannschaft auf die WM im vergangenen Juni in Chicago am Oberschenkel verletzt und ein erstes großes Turnier verpasst.
Im letzten Spiel der vergangenen Saison hatten die Bayern die Stuttgarter dank dreier Tore von Harry Kane im DFB-Pokalfinale in Berlin mit 3:0 besiegt. „Ein Spiel gegen Stuttgart sieht ein bisschen aus wie ein Premier-League-Spiel, sehr intensiv“, sagte Kompany, der einst den FC Burnley trainierte. „Es ist eine Mannschaft, die immer Druck macht, die immer fußballerische Lösungen versucht zu finden. In der vergangenen Saison waren sie die zweitbeste Offensive. Es ist kein schlechtes Spiel zum Anfang.“
Alphonso Davies haben die Zusammenbrüche seines Teamkollegen und sehr guten Freundes Jamal Musiala in den zwei zurückliegenden Testspielen des FC Bayern München bestürzt. „Es war herzzerbrechend“, sagt Davies auf einer Pressekonferenz vor dem Franz-Beckenbauer-Supercup bei Borussia Dortmund.Er sieht die Bundesliga generell als starke Liga. „Die Fankultur in Deutschland ist sehr besonders. Man darf nicht vergessen, wie stark die Bundesliga ist“, betonte der Trainer. „Die Premier League ist aufgrund der finanziellen Mittel eine andere Liga. Das Potential ist auch international für die Bundesliga aber sehr groß. Es gibt eine gute Mischung aus Mannschaften mit Intensität und spielerischen Teams. Wenn man auswärts gegen Union Berlin spielt, ist es total anders als auswärts gegen Leipzig oder Frankfurt. Man muss gemeinsam schützen, was diese Liga gut macht, und trotzdem schauen, dass man sich weiter verbessert.“
Die Verkaufskandidaten des FC Bayern
Am Dienstag nach dem ersten Spieltag endet die Transferperiode. Auf der Zugangsseite soll sich bis dahin beim FC Bayern nun nichts mehr tun. Eberl sprach von einer Wahrscheinlichkeit von „99 Prozent“.
Ohne Zukunft in München: Sacha Boey soll den FC Bayern bis Dienstag verlassenWeitere Abgänge könnte es dagegen noch geben. Außenverteidiger Sacha Boey ist dafür erster Kandidat. Auch der vom 1. FC Heidenheim zurückgekehrte Offensivspieler Arijon Ibrahimovic könnte den Verein noch verlassen. Die Aussichten des 20-Jährigen auf Einsatzzeiten seien nach der Saisonvorbereitung doch geringer als erhofft, so Eberl.
Die Stuttgarter haben sich für Freitagabend Großes vorgenommen. Dass für einen Coup „Überzeugung“ und eine „klare Idee“ notwendig seien, habe man aus dem verlorenen Finale im DFB-Pokal gelernt, sagte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß.
Das sei „die größtmögliche Chance, die Bayern auch zu ärgern“, so der 44-Jährige. „Das muss natürlich auch wieder unser Anspruch sein.“ Das erste Spiel der Saison sei eine „wunderbare Bühne, um genau diesen Mut wieder an den Tag zu legen“.
Als neuer Kapitän wird Nationalstürmer Deniz Undav die Stuttgarter auf den Rasen führen.
Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern, die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Zuletzt war er bei der Fußball-WM in den USA.
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