„Ich habe Deutschland ganz bewusst den Rücken gekehrt“
Der frühere Fußballprofi Thorsten Legat hat heftige Vorwürfe gegen Bundeskanzler Friedrich Merz erhoben. „Der Bundeskanzler versteht es nicht, dieses Land zu regieren. Am ersten Tag hat er davon gesprochen, was er alles verändern will, und es passiert nichts“, sagte der 57-Jährige der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz). „Ich sage es ganz deutlich: Er ist die Marionette Deutschlands! Keiner nimmt ihn mehr ernst. Da schäme ich mich, Deutscher zu sein.“ Legat lebt auf Mallorca, habe „Deutschland ganz bewusst den Rücken gekehrt“.
Legat arbeitete sich unter anderem am hohen Steuersatz ab, den er als „Katastrophe“ bezeichnete. Auch kritisierte er Merz’ Aussagen, dass die Deutschen faul seien und mehr arbeiten müssten. „Ich kenne Menschen mit Kindern, die drei Arbeitsstellen haben, um sich finanziell irgendwie über Wasser zu halten. Und er stellt sich hin und sagt, dass die Deutschen mehr arbeiten müssten, das ist Wahnsinn“, sagte der gebürtige Bochumer.
Zugleich sorge er sich, was passiert, wenn die AfD an die Macht käme. „Da bekomme ich Angst“, sagte Legat. Die AfD hofft vor allem bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (6. September) auf einen erdrutschartigen Sieg. Es könnte für eine Mehrheit reichen, aus der eine Alleinregierung der Partei hervorgeht.
Legat absolvierte in seiner Karriere als Fußballprofi von 1986 bis 2001 243 Bundesliga-Spiele für Bochum, Bremen, Frankfurt, Stuttgart und Schalke. Sein größter Erfolg war der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1992 mit Werder Bremen. Sein Vertrag in Stuttgart wurde 1999 wegen eines rassistischen Ausfalls gegen seinen Mitspieler Pablo Thiam gekündigt. Im Alter von 33 musste Legat wegen Sportinvalidität mit dem Fußballspielen aufhören.
Legat macht Schluss mit Reality-TV
Nach seiner Karriere machte Legat mit seinen Auftritten im Reality-TV („Dschungelcamp“, „Das Sommerhaus der Stars“, „Villa der Versuchung“) Schlagzeilen. Damit soll nach 18 Jahren nun Schluss sein. „Mich sieht im Reality-TV kein Mensch mehr, nie im Leben. Es war eine Lehre für mich, aber ich will auch mit den Menschen in dem Bereich nichts mehr zu tun haben“, sagte Legat. Er sprach von „verdammt viel“ Manipulation in der Branche, die Besetzungen einzelner Shows mit TikTokern seien „billig“.
Thorsten Legat (r.) beim Armdrücken gegen „Evil“ Jared HasselhoffIn dem Interview äußerte sich Legat auch zum neuen Nationaltrainer Jürgen Klopp. „Ich hoffe, Jürgen Klopp bekommt die Zeit, in Ruhe eine Mannschaft aufzubauen. Er ist als Nationaltrainer für Deutschland prädestiniert“, sagte der ehemalige Mittelfeldspieler. „Klopp hat das Wissen, uns wieder dahin zu führen, wo wir waren“, sagte Legat.
Julian Nagelsmann, der nach dem blamablen WM-Aus im Sechzehntelfinale im Sommer gehen musste, bescheinigte Legat mangelnde Ausstrahlung. „Jürgen Klopp hat als Trainer eine ganz andere Aura und Autorität als Julian Nagelsmann. Wenn Klopp im Raum ist, halten die anderen automatisch die Fresse“, sagte er.
Auch Legat hatte sich zwischenzeitlich als Trainer versucht. Die höchste Aufmerksamkeit erhielt er als Trainer des FC Remscheid mit einer Rede, die weit über die Landesliga Niederrhein hinaus für Aufmerksamkeit sorgte.
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