Schalkes gefährliche Abhängigkeit von Edin Dzeko
Zum Abschluss der am Ende doch noch erfolgreichen Dienstreise wurde ein Selfie gemacht. Edin Dzeko und Junior Adamu stellten sich nebeneinander auf, die Fans im Rücken – und Dzeko drückte auf den Auslöser eines Smartphones. Beide Stürmer hatten ihren Anteil daran, dass der FC Schalke 04 die erste Hauptrunde im DFB-Pokal überstehen konnte – vor allem aber Dzeko. Doch es war äußerst mühevoll: Erst in der Verlängerung konnte sich der Bundesligist beim Regionalligisten Hallescher FC durchsetzen.
„Wir sind den schwierigen Weg gegangen, den Schalke-Weg – aber das sind wir gewohnt. Es war wichtig, nicht den Kopf zu verlieren. Das haben die Jungs richtig gut gemacht“, sagte Miron Muslic. Damit wählte der Schalker Trainer die einzig mögliche positive Interpretation der Vorstellung seiner Mannschaft. Die teilweise großen spielerischen Probleme thematisierte er nicht. Zumindest nicht öffentlich.
Eine knappe Woche vor dem Bundesliga-Auftakt beim FC Augsburg (17.30 Uhr/live DAZN) wäre es kontraproduktiv, die Defizite auch noch breit zu debattieren. Die waren ohnehin offensichtlich. Denn wenn Muslic an diesem Montagabend nicht die Möglichkeit gehabt hätte, Edin Dzeko einzuwechseln – die Schalker wären möglicherweise der bis hierhin einzige Erstligist geworden, der sich aus dem Wettbewerb hätte verabschieden müssen.
„Er gibt uns diese Qualität in der Box“, sagt der Trainer
Doch der Stürmer-Veteran, der in der 64. Minute kam, kann immer noch Spiele entscheiden – zumindest dann, wenn es gegen einen unterklassigen Gegner geht, der irgendwann müde wird und ihm auch Platz lässt. Der Bosnier traf in der regulären Spielzeit per Foulelfmeter zum 2:1, in der Verlängerung legte er Moussa Sylla das 3:2 auf und sorgte dann mit seinem Tor zum 5:2-Endstand für die finale Entscheidung. Dzeko sorgte dafür, dass das Spiel Struktur bekam. Das unterstreicht, welche Bedeutung er nach wie vor hat – und darin liegt auch eine gewisse Gefahr. Schalkes Offensivbemühungen waren von einem 40-Jährigen abhängig.
„Es geht nicht um Abhängigkeit, aber wir haben ihn und er gibt uns diese Qualität in der Box. Da gibt es nicht so viele. Das verlernt man nicht: das Positionsspiel, das Kombinationsspiel, den Instinkt“, erklärte Muslic. „Wir werden Edin brauchen, aber ich bin glücklich, dass auch Moussa Sylla und Junior Adamu getroffen haben“, fügte der Coach an. Es sei nicht so, dass Schalke nur auf Dzeko angewiesen sei – zumal es mit Kenan Karaman ja noch einen weiteren Unterschiedsspieler gibt. Der Kapitän hatte sich allerdings im Test gegen Bergamo eine Hüftverletzung zugezogen. Ob Karaman, der meist hinter der Spitze spielt, bis Sonntag wieder einsatzfähig sein wird, ist fraglich. Ein längerfristiger Ausfall würde Schalke hart treffen.
Dann würde die Bedeutung von Dzeko noch größer werden. Denn ohne Karaman und vor Dzekos Einwechslung waren die Schalker Bemühungen – unpräzise Flanken, wenig gelungene Kombinationen – so durchschaubar, dass sie selbst von einem Viertligisten leicht verteidigt werden konnten. Erst das Spielverständnis des Bosniers, seine klugen Ablagen und seine Fähigkeit, Situationen zu erkennen, änderten das.
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In der Bundesliga aber, in der viel schneller gespielt wird und man es mit deutlich besseren Abwehrspielern zu tun bekommt, dürfte es dem Routinier allerdings nicht ganz so leicht fallen, seine Qualitäten einzubringen. Offen ist zudem, ob Dzeko noch in der Lage sein wird, regelmäßig über lange Distanzen zu spielen.
Erschwerend kommt hinzu, dass ein wichtiger Offensivspieler den Klub noch verlassen könnte. Schalke muss wegen der nach wie vor angespannten finanziellen Lage einen Transferüberschuss erwirtschaften. Bislang hat Sportvorstand Frank Baumann 2,7 Millionen Euro in Ablösesummen für Spieler investiert, allerdings nur 300.000 Euro eingenommen. Als Verkaufskandidaten werden Sylla und Adil Aouchiche gehandelt, der in der vergangenen Zweitliga-Rückrunde ein wichtiger Impulsgeber war.
Die Frage ist also nicht, ob Dzeko noch gebraucht wird. Die Frage ist vielmehr, ob er den Anforderungen tatsächlich noch über eine komplette und intensive Erstligasaison im vollen Umfang entsprechen kann.
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