War das der letzte Jubel? Viele offene Fragen um die Fünf-Milliarden-Dollar-Liga
Jon Rahm beendete die Saison der LIV-Golf-Tour stilvoll: Er sicherte sich seinen dritten Titel in der Saisonwertung in Folge sowie seinen zweiten Teamtitel nacheinander beim improvisierten Saisonfinale vor den Toren von Indianapolis. Nun müssen der spanische Superstar und seine Kontrahenten abwarten, wie und ob es mit LIV weitergeht. Zunächst steht für Rahm der Rückzug ins Private an.
„Ich freue mich darauf, nach Hause zu fahren und meiner hochschwangeren Frau mit den Kindern zu helfen“, sagte der 31-Jährige: „Unser viertes Kind wird im Oktober erwartet, und ich bin glücklich, ein paar Tage einfach Vater sein zu können.“ Rahm spielte zum Abschluss eine 63er-Runde und wurde damit zum zweiten Mal in Folge Zweiter in Indianapolis. Am Ende lag er einen Schlag hinter dem 22-jährigen Sieger Michael La Sasso.
War der Amerikaner der letzte Sieger, den LIV hervorbrachte? Oder geht es wirklich weiter? Im April wurde bekannt, dass der saudi-arabische Staatsfonds seine Investitionen in die Liga nach dieser Saison beenden werde. In den vergangenen fünf Jahren hatte LIV mehr als fünf Milliarden Dollar investiert und zahlreiche der besten Golfer von anderen Touren abgeworben.
Saisonfinale in Michigan wurde gestrichen
Die Organisatoren strichen in dieser Saison zudem zwei Veranstaltungen, nämlich das Turnier im Juni in New Orleans sowie das ursprünglich für das kommende Wochenende geplante Saisonfinale in Michigan. Auch die geplanten Unterhaltungsprogramme rund um die Events wurden abgesagt.
Jon Rahm steht vor einer ungewissen ZukunftLIV-Geschäftsführer Scott O’Neil erklärte am Mittwoch, er blicke optimistisch auf die Pläne für 2027 und darüber hinaus. Die Spieler sollen künftig Anteile am Unternehmen halten und ihre kommerziellen Rechte zurückerhalten. Geplant seien fünf Teammeisterschaften im Ausland sowie fünf Einzelturniere in den USA.
Den neuen Hauptinvestor, mit dem LIV eine Vereinbarung getroffen haben soll, nannte O’Neil nicht. Mehrere Medien berichten jedoch, dass es sich um Ted Goldthorpe von der Private-Equity-Gesellschaft BC Partners handelt, der sich am Dienstag mit den Spielern getroffen habe. Zudem sagte O’Neil, es gebe eine Frist, bis zu der sich die Spieler zu LIV 2.0 bekennen müssten, ohne jedoch ein konkretes Datum zu nennen. Auch über das Volumen der geplanten Investition machte er keine Angaben.
So bleiben viele Fragen offen. Rahm steht noch bis Ende der kommenden Saison unter Vertrag. Bryson DeChambeau, der andere große Star der Serie, ist hingegen ab sofort frei. Er teilte sich am Sonntag Rang drei mit Sergio Garcia, sprach nach dem Turnier jedoch nicht mit den Medien. Im Gegensatz zu Rahm.
„Seit unserem Wechsel zu LIV gab es ständig Spekulationen und Diskussionen um uns“, sagte der Spanier: „Aber wenn man auf dem Golfplatz steht, geht es einfach nur um Golf. Dann verschwinden alle Probleme, und man konzentriert sich auf den Wettkampf. Es war weder schwieriger noch einfacher als sonst. So ist eben das Leben eines Profisportlers.“
Über die Anlage hallen „U-S-A! U-S-A!“-Rufe
Trotz der ungewissen Zukunft und der schweren Überschwemmungen in Zentral-Indiana, die die Organisatoren dazu zwangen, bei Parkplätzen und Shuttle-Verkehr für die Zuschauer improvisieren zu müssen, verlief die Veranstaltung weitgehend wie geplant. Entlang des Platzes wurden elektronische Anzeigetafeln, Videowände und temporäre VIP-Bereiche aufgebaut. Werbung von Riyadh Air und weiteren Sponsoren war sichtbar. Als La Sasso seinen kurzen Putt am 18. Loch zum Sieg versenkte, schallten „U-S-A! U-S-A!“-Rufe über die Anlage, bevor die obligatorische Champagnerdusche folgte.
Nach seinen Auftritten vor den Fans von Indianapolis in den vergangenen zwei Jahren hatte Rahm zum Abschied noch eine Botschaft.
„Ich möchte einfach Danke sagen. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, vor einem so begeisterungsfähigen Publikum zu spielen“, sagte Rahm. „Ich bin sicher, viele Menschen hier haben Freunde oder Familienmitglieder oder sind selbst von den Überschwemmungen betroffen. Mein Mitgefühl gilt allen, die ihr Zuhause oder Angehörige verloren haben. Umso mehr bedeutet es uns, dass so viele Menschen gekommen sind und uns unterstützt haben.“
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