Deutscher Extremläufer bleibt nach mehr als 623 Kilometern erschöpft im Wald liegen
Nach drei Tagen und 22 Stunden hat der „Last Soul Ultra 2026“ seinen Champion gefunden: Mark Dowdle. Der Amerikaner lief bei dem sogenannten Backyard-Format, bei dem im Stundentakt eine 6,7 Kilometer lange Runde absolviert werden muss, insgesamt 94 Runden im Fürsten Forest (Osnabrücker Land) und damit 630,4 Kilometer. Dowdles letzter verbliebener Kontrahent, der Deutsche Ayyoub El Osrouti, genannt „Ello“, blieb auf dieser Runde entkräftet auf einer Wiese liegen und schaffte es nicht mehr rechtzeitig ins Ziel. Dritter wurde der Deutsche Norman Mascher-Aspensjö mit 80 Runden.
Mehr als 120.000 Menschen sahen am Dienstagmittag in einem YouTube-Livestream, wie die Läufer kämpften und Dowdle das Rennen gewann. Es ist sein siebter Backyard-Sieg in Folge – noch nie hat er ein Rennen verloren. Dabei war der Ultraläufer aufgrund von Flugverspätungen erst 15 Minuten vor dem Start des Rennens am Freitag an der Strecke bei Köln angekommen. Mit einem Überseeflug in den Beinen war Dowdle trotzdem besser als jeder andere.
Ayyoub El Osrouti aber lieferte ihm einen großen Kampf. Im vergangenen Jahr war er mit 66 gelaufenen Runden Zweiter hinter Organisator und Extremläufer Kim Gottwald geworden. Jetzt steigerte er seine Bestmarke auf 93 Runden. In der Backyard-Geschichte gab es mit Hendrik Boury (100 Runden) bisher nur einen Deutschen, der jemals weiter gelaufen ist.
Junges Format, erfunden von „Lazarus Lake“
Der Backyard Ultra ist ein noch recht junges Format, bei dem alle Teilnehmer gemeinsam in einen 6,7 Kilometer langen Rundkurs starten – mit offenem Ziel. Die Läufer haben immer genau eine Stunde Zeit, um die Schleife zu absolvieren. Wer das nicht schafft, scheidet aus – wer rechtzeitig zurück am Start ist, macht weiter. Gestartet wird zu jeder vollen Stunde immer wieder gemeinsam, sodass die schnelleren Läufer zwar keinen Vorsprung, aber mehr Erholung haben. Und das alles so lange, bis nur noch eine Person übrigbleibt.
Startschuss zum „Last Soul Ultra“Erfunden wurde das Format 2011 von dem Amerikaner Gary „Lazarus Lake“ Cantrell, der in den Barkley Marathons in Tennessee auch das wohl geheimnisvollste Ultratrailrennen überhaupt erdacht hat. Das Backyard-Format gibt es mittlerweile weltweit, und auch in Deutschland finden mehrere Veranstaltungen dieser Art statt. Den Weltrekord bei den Männern hält der Australier Phil Gore mit 119 Runden beim „Dead Cow Gully“. Bei den Frauen lieferte die Britin Sarah Perry mit 95 Runden den Rekord, aufgestellt bei der Backyard-Ultra-Weltmeisterschaft 2025, die auf Cantrells Grundstück stattfindet.
Bei Backyard-Rekorden ist allerdings, wie unter anderem auch bei Triathlon-Bestmarken, zu beachten, dass sich die Bedingungen einzelner Events aufgrund der Streckenbeschaffenheit teilweise stark unterscheiden und deshalb nicht unbedingt vergleichbar sind.
„Was er die letzten Tage gezeigt hat, ist unglaublich“
Der „Last Soul Ultra“ fand jetzt zum zweiten Mal statt – und lockte 169 Teilnehmer an, die sich der Herausforderung stellen wollten. Während der 94. Runde gingen Ayyoub Ello El Osrouti dann die Kräfte aus. Immer wieder blieb er stehen. Als er schließlich merkte, dass er es innerhalb der 60 Minuten nicht mehr ins Ziel schaffen würde, legte er sich für einige Minuten im Wald erschöpft auf eine Wiese. Danach ging er langsam zurück und wurde eingesammelt.
„Ello ist ein großartiger Mensch, ein wahnsinniger Kämpfer. Was er die letzten Tage gezeigt hat, ist unglaublich“, sagte Gottwald. „Es gibt keinen 27-Jährigen oder Jüngeren, der in einem Backyard-Format jemals so weit gelaufen ist.“ Im vergangenen Jahr hatte Gottwald, der mit seinem Sieg beim „Go One More Ultra 2025“ in Texas in Deutschland berühmt wurde, sein eigenes Backyard-Format gewonnen.
In diesem Jahr war er verletzungsbedingt nicht dabei, feierte aber als Kommentator die Athleten – darunter auch Caroline Bolte und Hubert Karl. Beide schafften bei ihren Backyard-Debüts Außergewöhnliches. Bolte lief 52 Runden und damit 342 Kilometer – das ist ein neuer deutscher Rekord. Der 68 Jahre alte Extremsportler Karl schaffte 45 Runden und damit 301,5 Kilometer. Er war vor Ort nicht nur der älteste Teilnehmer, sondern lief auch eine Backyard-Rundenzahl, die weltweit in der Altersklasse 65+ noch niemand absolviert hat.
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