Die Europameisterschaften in Birmingham sind am Sonntagabend zu Ende gegangen – und die Ausbeute der deutschen Mannschaft ist beeindruckend. Vor zwei Jahren in Rom gab es lediglich einmal Gold und einschließlich der nicht olympischen Teamwertungen im Marathon insgesamt elf Medaillen. Dieses Mal stand das deutsche Team 21-mal auf dem Siegerpodest.

Mit sechsmal Gold, zehnmal Silber und fünfmal Bronze ist es die beste EM-Bilanz seit 1998 in Budapest. Im Medaillenspiegel bedeutete das hinter Gastgeber Großbritannien und der erfolgreichsten Nation Italien Rang drei. Fünf Wahrheiten über die deutsche Leichtathletik:

1. Deutsche Athleten können wieder rennen und nicht mehr nur werfen

Von Sprint bis Marathon hat Deutschland wieder richtig starke Läufer. Beim Marathon-Gold von Amanal Petros war Deutschland lange sogar mit drei Läufern auf Podiumskurs.

Über 3000-Meter-Hindernis waren mit Gesa Krause, Olivia Gürth und Lea Meyer drei deutsche Frauen unter den ersten vier. Im Rennen der Männer siegte am Sonntagabend Frederik Ruppert und holte damit den ersten EM-Titel eines Deutschen über 3000 Meter Hindernis seit Damian Kallabis 1998. Mit Karl Bebendorf als Drittem stand auch sein Teamkollege auf dem Podest.

Owen Ansah wurde mit Gold über 200 Meter und Bronze über 100 Meter zum Sprint-König von Birmingham. Während sich Deutschland bei Großereignissen oft nur auf die Werfer verlassen konnte, sind wir inzwischen wieder viel breiter aufgestellt.

2. Die junge Generation macht Hoffnung

Mit Weitspringerin Malaika Mihambo, die am Sonntag überraschend keine Medaille holte, und Speerwerfer Julian Weber sind zwei langjährige Erfolgsgaranten über 30 Jahre alt. Aber die nächste Generation macht Hoffnung. Die Speerwerfer Nick Thumm und Julia Ulbricht sowie Hindernisläuferin Gürth holten bei ihrer ersten EM direkt Silber beziehungsweise Bronze.

Der deutsche Rekordhalter Emil Agyekum (l.) gewann Silber über 400 Meter Hürden – und musste Teamkollege Owe Fischer-Breiholz später trösten. Der 22-Jährige war völlig frustriert

Beispiele weiterer junger Hoffnungsträger: Zehnkämpfer Amadeus Gräber (Platz acht), 400-Meter-Hürdenläufer Owe Fischer-Breiholz oder Smilla Kolbe (800 Meter/Platz 6).

3. Es gibt echte Typen, die auch Emotionen zeigen

Wer die glattgebügelten Interviews der Fußball-WM satt hatte, durfte sich bei der Leichtathletik-EM auf echte Emotionen freuen. Herrlich ehrlich, wie sich Frust und Freude bei den Athleten nach den Wettkämpfen entluden.

Das kam gut an: Bei den Übertragungen der Abendsessions hatten ARD und ZDF teilweise mehr als vier Millionen TV-Zuschauer.

4. Deutschland braucht Großereignisse im eigenen Land

Um dem Trend jetzt einen Booster zu geben, brauchen wir wieder Großereignisse im eigenen Land. München bewirbt sich bereits um die Leichtathletik-EM 2029 oder 2031 (Entscheidung im September). Noch viel wichtiger wäre aber eine erfolgreiche Olympiabewerbung. Für 2036, 2040 oder 2044 will Deutschland ins Rennen gehen. Offen ist noch, mit welcher Region (München, Berlin, Köln-Rhein-Ruhr).

5. Auf Welt-Niveau sind wir noch nicht erste Liga

Zur Wahrheit gehört auch: Bei der Leichtathletik-WM 2027 in Peking und bei den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles ist die Konkurrenz viel größer. Da ist kein neuer Goldrausch zu erwarten. Leider.

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