Fifa geht auf ihre Kritiker los – Weltverband wittert Kampagne gegen Infantino
Die Fifa hat in einem neuen Statement scharf mit ihren Kritikern abgerechnet sowie die jüngste Berichterstattung rund um den Weltverband und ihren umstrittenen Präsidenten Gianni Infantino attackiert. In der Stellungnahme, die in der Nacht zu Sonntag veröffentlicht wurde, machte die Fifa auch klar, dass Infantino „demokratisch gewählt wurde“ und „sein Amt weiterhin im Auftrag der Verbände“ ausübe.
Der Weltverband witterte in dem Statement eine Kampagne. Es gebe „gezielte und anhaltende Bemühungen einiger Akteure, die Fifa und ihren Präsidenten zu untergraben“. Welche Akteure gemeint sein könnten, blieb unklar. Die Fifa sprach dennoch einen Appell aus: „Diejenigen, die nicht die Unterstützung der Fifa-Mitgliedsverbände haben, sollten nicht versuchen, durch Anschuldigungen, Unterstellungen oder Falschinformationen das zu erreichen, was sie durch die etablierten demokratischen Prozesse der Fifa nicht erreichen können.“
Vage blieb das aus sechs Absätzen bestehende Statement auch, als es um die jüngste Berichterstattung rund um den Weltverband ging. „In jüngsten Berichten wurden unbegründete Behauptungen und nachweislich falsche Angaben bezüglich der Fifa und ihres Präsidenten veröffentlicht“, hieß es. Beispiele wurden nicht angeführt. Dennoch hieß es weiter: „Spekulationen und Andeutungen sollten nicht als Tatsachen dargestellt werden, und die bloße Wiederholung einer Behauptung macht diese noch lange nicht wahr.“
Die Fifa begrüße eine „berechtigte Überprüfung“. Diese sei „jedoch kein Freibrief dafür, Fakten zu verzerren, unbegründete Vorwürfe aufzubauschen oder Ablenkungsmanöver zu inszenieren, die darauf abzielen, Fortschritte zu untergraben“, hieß es. Die Fifa kündigte an, ungenaue oder irreführende Berichterstattung anzufechten.
Kritik an Investorenplan und Unruhe wegen Vorfall zu Uefa-Zeit
Zuletzt war der Weltverband für seine Investorenpläne in die Kritik geraten. Geplant war, rund 20 Prozent der Anteile an einem neu zu gründenden Tochterunternehmen Fifa Forward Enterprise (FFE) zu veräußern, dessen Wert zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt war. Die FFE hätte die kommerziellen Rechte an den Fifa-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM gebündelt. Die Pläne wurden nach wenigen Tagen zurückgenommen, hatten jedoch zu einer Welle der Kritik und zu Rücktrittsforderungen an Infantino geführt.
Der „Telegraph“, der wie WELT zum Axel Springer Global Reporters Network gehört, hatte am Samstag zudem von einem Vorfall zu Infantinos Zeit als Uefa-Generalsekretär (2009 bis 2016) berichtet. Demnach hat eine enge Mitarbeiterin Infantinos an dessen Seite einen steilen Karrieresprung hingelegt, der schon damals Fragen innerhalb des europäischen Verbandes ausgelöst hatte und Infantino offenbar fast die Karriere kostete. Der Mitarbeiterin wurde nach ihrem Ausscheiden eine sechsstellige Abfindung und ein MBA-Studium von der Uefa bezahlt.
Die Fifa stellte sich sowohl im FFE-Fall als auch im „Telegraph“-Bericht hinter ihren Präsidenten. Das bekräftigte der Weltverband in dem neuen Statement erneut. „Der Fifa-Präsident hat mehr als 30 Jahre seines Berufslebens dem europäischen und dem weltweiten Fußball gewidmet und damit zu bedeutenden Veränderungen in diesem Sport beigetragen“, schrieb die Fifa.
Infantino ist seit 2016 Fifa-Chef und bislang der einzige Kandidat bei der Wahl eines neuen Präsidenten im März. Um wiedergewählt zu werden, muss er eine Mehrheit der 211 Stimmen der Mitgliedsverbände auf sich vereinen – im ersten Wahlgang eine Zwei-Drittel-Mehrheit, im zweiten eine einfache Mehrheit. Die Uefa stellte sich mit ihrer WM-Boykottdrohung zuletzt klar gegen Infantino. Auch die für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Concacaf hatte mit Ausnahme von Mexiko eher Ablehnung für Infantino signalisiert. Afrikas Dachverband Caf hat seine Unterstützung für den Präsidenten hingegen bekräftigt, auch Südamerika ist tendenziell eher für Infantino.
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