„Nicht von oben herab oder besserwisserisch“ – Baumann über das Telefonat mit Nagelsmann
Jetzt kommt ein brisantes Gespräch ans Licht: Nationaltorwart Oliver Baumann (36) wurde kurz vor der Weltmeisterschaft von Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann degradiert, stattdessen stand Bayern-Keeper Manuel Neuer (40) im Tor. Baumann verriet jetzt im TSG-Trainingslager in Seefeld (Österreich), dass es im Anschluss an die WM ein klärendes Gespräch zwischen ihm und dem ehemaligen Bundestrainer gab.
Baumann: „Wir haben eine knappe Stunde telefoniert, und das, was mir wichtig war, habe ich ihm gesagt. Das war alles gar nicht emotional, auch nicht von oben herab oder besserwisserisch, sondern wir haben einfach ganz sauber über verschiedene Sachen gesprochen.“ Baumanns Fazit: „Es tat ihm schon leid, wie am Ende alles gelaufen ist.“
Julian Nagelsmann (l.) klatscht mit WM-Ersatztorhüter Oliver Baumann abDoch wie kam es überhaupt zu dieser Aussprache und wie ging Baumann abseits des Platzes mit der bitteren Enttäuschung um? Der Keeper gibt einen ehrlichen Einblick in sein Gefühlsleben nach der Degradierung: „Ich habe das viel mit mir selbst ausgemacht und natürlich zu Hause mit meiner Frau. Dazu kommen natürlich immer wieder Freunde und Bekannte, die Bescheid wissen wollten und das Thema so immer wieder hervorgerufen haben. Aber das war nicht schlimm. Mit Julian hatte ich zeitnah nach der WM kurz SMS-Kontakt, und dann haben wir abgemacht, dass wir mal telefonieren.“
Die neue Ära unter Jürgen Klopp
Trotz des Schocks kurz vor dem Turnier hat der 36-Jährige die harte Entscheidung extrem professionell weggesteckt: „Es ist verarbeitet und auch verdaut. Das haben mir die Jungs hier und alle anderen auch einfach gemacht, aber es war phasenweise nicht einfach und hat Energie gekostet. Ich habe es aber sehr gut geschafft – auch weil ich es wollte –, der Mannschaft und den Jungs viel Energie zu geben. Ich finde schon, dass ich von meiner Seite aus den Grundstein so gelegt habe, dass dem Erfolg eigentlich nichts im Wege stand.“
In der Debatte um die Torhüter-Frage in der deutschen Nationalmannschaft hat Trainer Nagelsmann jetzt doch Manuel Neuer vor Oliver Baumann den Startelfplatz zugesprochen. Viele Kritiker sprechen von „Vertrauensbruch“. „Oliver wird sich dem Teamgedanken unterordnen“, sagt Ex-Trainer Friedhelm Funkel.Die Nationalmannschaft startet nun mit Jürgen Klopp (59) als neuem Bundestrainer in eine völlig neue Ära. Wie sieht Baumann seine Chancen unter dem Star-Coach? Er schickt ein klares Signal der Vorfreude: „Ich freue mich auf alles, was in der Zukunft kommt, und freue mich auf neue Aufgaben. Wir haben bisher noch keinen Kontakt gehabt, aber für mich persönlich ändert sich nichts. Ich bin da, freue mich, wenn er sich meldet, und freue mich auf das, was kommt.“
Für die kommende EM ist Baumann optimistisch: „Wir haben extrem viel Talent und extrem viel Qualität im Land. Wir haben einen Top-Trainer, es wird sich zeigen, wie sich die Mannschaft findet.“
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