Der größte Skandal des Handball-Sommers – Nordhorns Konkurrent plant Strafanzeige
Es war am 22. Juli, als die Handball-Bundesliga (HBL) mit einem Absatz in einer offiziellen Stellungnahme den Skandal des Handball-Sommers 2026 öffentlich bestätigte.
Grund waren die publik gewordenen finanziellen Probleme des Zweitligisten HSG Nordhorn-Lingen, deutscher Meisterschaftszweiter von 2002 und EHF-Pokalsieger von 2008. Der Klub aus Niedersachsen hatte die Spielberechtigung für die Saison 2026/27 ohne Auflagen erhalten. Der Verdacht, dass im Lizenzantrag mit falschen Zahlen gearbeitet worden war, hatte sich durch das HBL-Statement erhärtet.
Der Absatz im Wortlaut: „Den Entscheidungen der Lizenzierungskommission liegt zugrunde, dass nach heutigem Kenntnisstand nicht unerhebliche Abweichungen gegenüber den im Frühjahr 2026 von dem HSG Nordhorn e. V. im Lizenzierungsverfahren für die Saison 2026/27 gemachten Angaben bestehen.“ In diesem Lizenz-Krimi stellen sich Fragen über Fragen, eine thront jedoch über allem.
„Wirtschaftlich herausfordernde Situation“
Allein die Chronologie der vergangenen rund acht Monate sorgt für Spannung. Mitte November 2025 teilte die HSG mit, dass Geschäftsführer Matthias Stroot (56) den Klub nach neun Jahren verlässt, sein Nachfolger solle „Anfang 2026“ Michael Jonker (54) werden. Am 9. Juli wurde Jonker auch im Handelsregister als neuer Geschäftsführer eingetragen.
Jener Jonker, dessen Aussagen gegenüber den Grafschafter Nachrichten (GN) den Krimi Mitte Juli auslösten. Er warf sich vor, „Zahlen nicht kritischer hinterfragt zu haben“, und räumte ein, dass beim Lizenzantrag Zahlen verwendet wurden, „die in der Realität leider nicht umsetzbar sind“. Hat Jonker vom ganzen Ausmaß nichts gewusst?
Am 31. März 2026, rund vier Wochen nach Abgabetermin des Lizenzantrags bei der HBL, gab Hauptsponsor ROBEO GmbH seinen Ausstieg zum Saisonende 2025/26 bekannt. Grund waren die „personellen Veränderungen innerhalb der Geschäftsführung“.
Täuschung im Lizenzierungsverfahren?
Am 22. April betonte die HSG Nordhorn-Lingen per Pressemitteilung, die Lizenz für 2026/27 „ohne Auflagen“ erhalten zu haben. Die Feststellung des Jahresabschlusses zum 30. Juni 2025 erfolgte am 23. Februar 2026. Darin werden ein Jahresfehlbetrag von 622.989,40 Euro und der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag von 778.972,51 Euro publik.
Am 17. Juli bestätigte Nordhorn, dass sich „der Klub weiterhin in einer wirtschaftlich herausfordernden Situation“ befindet. Vier Tage später meldete sich die HSG Krefeld Niederrhein, als 17. eigentlich sportlich abgestiegen, öffentlich zu Wort und hofft, dass sich „im Sinne des Handballsports“ die „im Raum stehenden Vorwürfe einer möglichen Täuschung im Lizenzierungsverfahren nicht bestätigen“.
Das war der Auftakt der juristischen Eskalation. Die Krefelder beauftragten die Anwälte Helge-Olaf Käding und Dr. Michael Kintrup (Ex-Handballer) mit der Wahrung ihrer Interessen. Sogar die Einreichung von Strafanzeigen bei Staatsanwaltschaften ist inzwischen denkbar, da Krefeld wirtschaftliche Schäden erlitten haben könnte.
Unterdessen macht eine Gruppe ehemaliger Sanierer, die den Klub nach dessen erster Insolvenz im Februar 2009 wieder auf die Beine stellten, mobil. Zu ihnen zählt auch der CDU-Politiker Marc Linkert (44). Er sagt vor einem Treffen mit lokaler Politik und Wirtschaft am 14. August: „Wir möchten, dass unsere beiden schönen Hallen in Nordhorn und Lingen weiterhin mit Bundesliga-Handball gefüllt werden.“
Ob sich dieser Wunsch langfristig erfüllen kann, ist derzeit völlig offen.
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Bild“ veröffentlicht.
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