„Geheult wie ein Baby“ – Deutsche Meisterin kann Sieg über Mihambo kaum fassen
Die neue deutsche Meisterin konnte ihren Erfolg und ihre Leistung kaum fassen: Soeben hatte sie nicht nur ihren ersten nationalen Titel gewonnen, sondern auch die Olympiasiegerin und zweimalige Weltmeisterin besiegt sowie die EM-Norm geschafft – und all das nach mehr als einem Jahr verletzungsbedingter Zwangspause. „Ich habe direkt nach meinem letzten Sprung geheult wie ein Baby“, sagte Weitspringerin Mikaelle Assani (23) am ARD-Mikrofon.
Malaika Mihambo (32) blieb nur der ungewohnte zweite Platz. Die Meisterin der letzten Versuche, die in ihrer Karriere im sechsten Anlauf noch so manchen Wettkampf gedreht hatte, musste ihrer Kontrahentin in Bochum den Vortritt lassen. Mit nur 6,63 Metern aus dem ersten Versuch sprang Mihambo vier Zentimeter kürzer als Assani, die besser mit den schwierigen Bedingungen zurechtkam.
Zwei Wochen vor den Europameisterschaften in Birmingham erlebte Mihambo damit eine seltene Niederlage in Deutschland – zuletzt hatte sie es bei ihren Teilnahmen bei nationalen Titelkämpfen 2017 nicht auf das oberste Siegerpodest geschafft. Damals war sie Dritte geworden. Mit Ausnahme vom Olympiajahr 2024, als sie die deutschen Meisterschaften erkrankt verpasst hatte, gewann Mihambo seit 2018 jedes Mal.
Mihambo sprang gerade über sieben Meter weit
Grund zur Sorge muss das vor den am 10. August beginnenden Europameisterschaften allerdings nicht machen: Mihambo ist nach Rückenproblemen wieder fit und übersprang kürzlich in London die Sieben-Meter-Marke. Das Ergebnis von Bochum nahm sie deshalb gelassen hin, gratulierte und umarmte als Erstes die Siegerin.
„Ich habe Mika gesagt, dass heute für sie die 6,60 drin waren. Das war wichtig für sie, damit sie jetzt nach Birmingham fahren kann. Das hat mich sehr gefreut – unabhängig davon, dass es für mich nicht so lief wie erhofft, kann ich mich freien Herzens für sie freuen“, sagte Mihambo. Sie selbst hatte stark mit dem Wind zu kämpfen gehabt, war bei einigen Versuchen mit Gegenwind durchgelaufen, weil das Brett zu weit weg war. Im letzten Versuch hatte sie dann beim Absprung 44 Zentimeter verschenkt.
Es lief nicht für Malaika Mihambo„Ich hatte heute kein so gutes Los bei der Windlotterie, aber so ist es manchmal. Deshalb hat mein Anlauf nicht gepasst“, sagte Mihambo. „Bei der EM ist man nochmal mehr unter Druck und kann mehr herausholen. Hier war ich auch mental nicht ganz da, wo ich gerne bin.“
Assani: Die Hallen-EM endete im Rollstuhl
Für Assani ist es das beeindruckende Comeback nach einem langen Leidensweg, der im März 2025 begann. Damals – Assani war gerade dabei, sich ihren Weg in die internationale Spitze zu bahnen – zog sie sich bei der Hallen-EM in Apeldoorn/Niederlande im letzten Versuch einen An- und Abriss der Oberschenkelsehne zu. Sie verließ die Halle im Rollstuhl und wurde später operiert.
8. März 2025: Mikaelle Assani muss verletzt aus der Halle begleitet werdenJetzt der Sieg nach 15-monatiger Verletzungs-Auszeit. „Ich bin einfach reingegangen in den Wettkampf und dachte: ‚Wow, nach 15 Monaten Verletzung wieder bei Deutschen Meisterschaften zu stehen, ist ein Geschenk. Ich will es genießen. Dass ich dann Deutsche Meisterin werde – ich weiß gar nicht, wie ich das in Worte fassen soll.“
Agyekum mit erneutem Rekord
Mit Blick auf den Saisonhöhepunkt in Birmingham holte sich in Bochum nicht nur Assani einen ordentlichen Motivationsschub. So unterbot 400-Meter-Hürdenläufer Emil Agyekum die nächste Bestmarke des deutschen Leichtathletik-Idols Harald Schmid: Der 27-Jährige gewann in 47,65 Sekunden und brach damit Schmids Meisterschaftsrekord aus dem Jahr 1985 (48,02 Sekunden). Agyekum hatte zuletzt in 47,45 Sekunden nach fast 44 Jahren den deutschen Rekord von Schmid geknackt. Auch der 22 Jahre alte Owe Fischer-Breiholz zeigte als Zweiter in 48,08 Sekunden eine starke Leistung. „Ich habe gute Konkurrenz in Deutschland, das macht mich so stark“, sagte Agyekum.
Ebenfalls top: Weitspringer Simon Batz mit 8,29 Metern, Speerwerfer Julian Weber, der mit seinem sechsten Meistertitel in Folge mit Klaus Wolfermann, dem Olympiasieger von 1972, gleichzog oder 1500-Meter-Rekordler Robert Farken, der in zwei Wochen um eine EM-Medaille, wenn nicht gar um den Sieg laufen will. Gleiches gilt für den WM-Zweiten im Hammerwurf, Merlin Hummel. „Natürlich geht's in Birmingham um die Medaillen. Ich würde lügen, wenn es nicht so wäre“, sagte er.
Erleichtert und glücklich zeigte sich Gesa Krause, die über 3000 Meter Hindernis nicht zu bezwingen war. „Ich war lange nicht mehr so nervös. Ich wollte heute unbedingt gewinnen“, sagte die 33-Jährige.
Im Fokus stand zudem Owen Ansah. Der 100-Meter-Champion gewann zum Abschluss in 20,13 Sekunden auch über 200 Meter und schüttelte zumindest für die DM-Tage den Wirbel um das Verfahren der Nationalen Anti-Doping-Agentur ab.
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