Die erstaunliche Stille der Bayern-Bosse in der Causa Jürgen Klopp
Von Jürgen Klopp ist derzeit nichts zu hören. Erst beim großen WM-Finale zwischen Titelverteidiger Argentinien und Fußball-Europameister Spanien an diesem Sonntag (21 Uhr, ZDF, MagentaTV und Liveticker bei WELT) in East Rutherford bei New York wird der 59-Jährige noch einmal als Experte bei MagentaTV auftreten.
Dabei wird er womöglich ein Update zu seiner fest eingeplanten Bundestrainer-Zukunft geben. Abseits der Öffentlichkeit wird derweil weiterhin intensiv über und mit dem designierten Nachfolger von Julian Nagelsmann gesprochen.
Die Neubesetzung des Cheftrainer-Postens im Deutschen Fußball-Bund (DFB) gestaltet sich zäh. Es gibt „noch lange keinen Vollzug“, wie aus dem Entscheider-Kreis nach der nächsten Gremien-Schalte zu vernehmen war.
Spannend ist abseits davon aber auch die Rolle des FC Bayern. Auch aus München ist nichts zu hören. Der nationale Branchenführer, der auch beim Neuanfang Richtung Europameisterschaft 2028 sicherlich das Gros der Nationalspieler stellen dürfte, ist beim Klopp-Deal nur Zuschauer; ohne aktive Rolle in den DFB-Gremien, mit schweigenden Chefs und schweigenden ehemaligen Bossen.
Der deutsche Fußball-Rekordmeister ist wenige Tage vor dem Start einer noch kleinen Trainingsgruppe in die Saisonvorbereitung weitgehend mit sich selbst und den Umbaumaßnahmen seines Kaders beschäftigt.
Am vergangenen Mittwoch etwa hießen Vorstandschef Jan-Christian Dreesen und Sportvorstand Max Eberl den Zugang Ismael Saibari, der für Marokko furiose Leistungen bei der WM-Endrunde in Amerika gezeigt hatte, bei einem Kurzbesuch in München willkommen.
Was sie in München von Jürgen Klopp halten
Zum Thema Klopp sind von der Säbener Straße seit dem frühen deutschen WM-Aus und dem Nagelsmann-Rückzug keine meinungsstarken Kommentare zu vernehmen. Nur Schweigen. Auch von den Granden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge kamen weder Bedenken noch Zustimmung.
Eingebracht hatten sich die vielstimmigen Bayern-Bosse zuletzt kurz vor der WM, als es um die DFB-Rückkehr von WM-Rekordtorwart Manuel Neuer ging. „Ich würde das sehr begrüßen“, warb etwa Hoeneß für den Münchner Kapitän.
Ein Bundestrainer Klopp würde beim größten, erfolgreichsten und mächtigsten deutschen Klub goutiert. Davon ist fest auszugehen. Der 59-Jährige genießt als Trainer bei den Bayern höchste Wertschätzung, nicht zuletzt, weil er sie in der Vergangenheit als Gegner oftmals ärgerte und erfolgreich herausforderte.
Als Uli Hoeneß mit Jürgen Klopp schon einig war
Als der heutige Ehrenpräsident Hoeneß noch Manager war, war er sich mit dem damals beim 1. FSV Mainz 05 tätigen Klopp über eine Zusammenarbeit ab Mitte 2008 einig. Der Plan platzte, weil sich die Bayern-Führung letztlich für Jürgen Klinsmann als Cheftrainer entschied. Klopp wechselte nach Dortmund und entwickelte die Borussia als Meister 2011 und 2012 zum Bayern-Konkurrenten auf Augenhöhe.
Als Klopp den FC Liverpool trainierte, besiegte er die Bayern im Viertelfinale der Champions League 2019. 3:1 gewannen „die Reds“ das Rückspiel in München.
Nach dem Ende der Partie zwischen Frankreich und Marokko kommt es zu einer Begegnung zwischen Jürgen Klopp und Kylian Mbappé. Die beiden haben eine gemeinsame Geschichte. Klopp wollte Mbappé vor dessen Wechsel nach Paris nach Liverpool lotsen.Wenn Klopp als Bundestrainer verpflichtet ist, dürfte auch der FC Bayern wieder eine Hauptrolle spielen – und zwar als Spieler-Lieferant. Bis auf den 40-jährigen Neuer und Leon Goretzka, der die Münchner verlassen hat, kommen die weiteren Münchner WM-Fahrer Joshua Kimmich, Jonathan Tah, Aleksandar Pavlović und Jamal Musiala für den Neuaufbau Richtung EM 2028 infrage.
Zu diesem Quartett kommen noch die Offensivspieler Serge Gnabry und Lennart Karl, die beide die WM verletzungsbedingt verpassten, Torwart Jonas Urbig, der schon in der Nationalmannschaft eingesetzte Tom Bischof und vor allem auch WM-Entdeckung Nathaniel Brown. Der Außenverteidiger wechselt für bis zu 55 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt nach München.
Aleksandar Pavlović (l.) und Joshua Kimmich (Deutschland) vom FC Bayern werden unter Jürgen Klopp wohl wichtig bleiben für die NationalmannschaftKlopp würde sicherlich rasch mit Bayern-Trainer Vincent Kompany und Nationalelf-Kapitän Joshua Kimmich in Kontakt treten, wenn er Bundestrainer ist. Bis zur Vertragsunterzeichnung beim DFB sind aber noch Schritte zu gehen.
In der Info-Veranstaltung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH & Co. KG skizzierten Verbandspräsident Bernd Neuendorf und DFB-Vize Hans-Joachim Watzke am vergangenen Mittwoch die bislang diskutierten Eckpunkte.
Letzte Hausaufgaben für DFB, Klopp und Red Bull
Ein paar Hausaufgaben sind noch zu erledigen, darunter die konkrete Ausgestaltung des DFB-Vertrages mit Klopp bis zur WM 2030. Wen bringt er mit zum Verband? Wie bringt er sich über die Nationalelf hinaus in die sportlichen Strukturen ein? Klopps private Werbepartner sind auch noch Thema in den weiteren Gesprächen des DFB mit dessen Berater Marc Kosicke.
Auch Klopps Vertrags-Exit bei Red Bull muss final geregelt werden. Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff soll sich rund ums WM-Finale mit dem 2024 verpflichteten Head of Global Soccer in New York besprechen.
Zwischen DFB und Red Bull geht es um „kreative Lösungen“ für die Klopp-Freigabe. Der ambitionierte DFB-Zeitplan sieht vor, bis Ende nächster Woche den Klopp-Deal zu finalisieren.
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