Verwirrt er auch den neuen Weltmeister? Im Endspiel gibt Donald Trump sein WM-Debüt
Zum WM-Finale mit Lionel Messi und Lamine Yamal taucht Donald Trump dann doch noch auf. Mit Ausnahme seiner Einmischung in den Rote-Karte-Skandal um US-Profi Folarin Balogun hat sich der US-Präsident beim XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko bislang komplett herausgehalten und kein einziges Spiel besucht.
Die Befürchtungen, dass die WM von Trump überschattet werde, haben sich nicht bestätigt. Am Sonntag beim Finale zwischen Spanien und Argentinien (21.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT und bei MagentaTV sowie ZDF) führt aber kein Weg am mächtigsten Mann der Welt vorbei – zumindest nicht für den neuen Weltmeister.
Denn Trump wird bei der Siegerehrung nicht nur in einer Reihe stehen mit Fifa-Präsident Gianni Infantino und gemeinsam mit weiteren Repräsentanten des Weltfußballs Händeschütteln und Glückwünsche aussprechen, wie das in der Vergangenheit üblich war. Gut einen Monat nach seinem 80. Geburtstag will er den goldenen Pokal an den Kapitän der Weltmeistermannschaft, entweder Argentiniens Messi oder Spaniens Rodri, übergeben. So hat es Infantino angekündigt.
Infantino gibt Trump gern Pokale
Die Beziehung der beiden wird mit großem Argwohn beobachtet. Für Trump erfand Infantino einen Fifa-Friedenspreis und überreichte dem Politiker bei der WM-Auslosung mit viel Brimborium einen goldenen Pokal und eine Medaille, die sich Trump selbst umhängte. „Das ist eine der größten Ehren meines Lebens“, berichtete Trump damals.
Nach der Rücknahme einer roten Karte gegen Balogun bei der Fußball-WM steht Fifa-Präsident Infantino wegen mutmaßlicher Einflussnahme durch Trump in der Kritik. „Zwischen denen geht nichts mit rechten Dingen zu“, sagt Sportredakteur Walter M. Straten.Überhaupt überlässt Infantino ihm gern goldene Pokale. Im Weißen Haus steht eine Kopie des WM-Pokals. Und streng genommen auch das Original der Klub-WM. Als er sich bei der Fifa erkundigt habe, wann sie die im Oval Office stehende Trophäe für das im vergangenen Sommer ausgetragene Turnier abholen würden, habe er gesagt bekommen: „Die können Sie für immer behalten. Wir machen eine neue.“
Dass Trump dann bei Infantino anrief und anregte, die Rote Karte für US-Stürmer Balogun zu überprüfen, war der Skandal dieser WM. Da können Trump und Infantino noch so sehr beteuern, dass der Fifa-Präsident mit der Entscheidung, die Sperre zur Bewährung auszusetzen, gar nichts zu tun hatte.
Das WM-Finale ist nicht die erste Siegerehrung der Fifa, die Trump übernimmt. Schon vor einem Jahr kam er ins NFL-Stadion der New York Giants und der New York Jets. Von der Tribüne aus verfolgte er das Endspiel der Klub-WM zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Chelsea. Danach war es Trump, der den Pokal an Kapitän Reece James übergab – und auf der Bühne stehen blieb.
Was machen Sie hier? Chelseas Reece James (links) schaut verwundert zu US-Präsident Donald TrumpReece schaute Trump mit dem Pokal in der Hand erst fragend an und reckte die Trophäe schließlich jubelnd in die Höhe, während Trump inmitten der Chelsea-Profis stand. Dass auch der neue Weltmeister die ersten Siegerfotos mit dem US-Präsidenten teilen muss, ist deswegen nicht unwahrscheinlich.
Finale mit Hymne der USA
Das ärgert Fans ebenso wie die Ankündigung der Fifa, dass Jennifer Hudson vor dem Finale die US-Nationalhymne singen wird. Das ist beim Super Bowl ein emotionaler Moment und zählt im US-Sport zum Standardprogramm selbst vor normalen Liga-Spielen etwa in der NBA. Bei Fußball-Weltmeisterschaften aber ist die Hymne des Gastgebers normalerweise kein Bestandteil.
Schon das ist in den USA anders gewesen, bislang kam die Hymne bei Spielen etwa eine Stunde vor Anpfiff vom Band und fand keine große Beachtung – Ausnahmen waren die Partien am 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag der USA, und Spiele der US-Nationalmannschaft. Nun soll Hudson bei der Show im New-York-New-Jersey-Stadion die Hymne live schmettern. Trump wird dazu wohl auf der Tribüne stehen und salutieren.
Dieses Bild kennen US-Sport-Fans bereits vom Super Bowl, den Trump vor eineinhalb Jahren in New Orleans als erster amtierender US-Präsident live im Stadion verfolgte. Oder den NBA-Finals, die er zum dritten Spiel der Serie zwischen den San Antonio Spurs und den New York Knicks im Madison Square Garden besuchte – übrigens dem einzigen Spiel, das die Knicks auf dem Weg zum Titel in den Finals verloren.
Aus einem Moment der Gemeinschaft – die Hymne ist für Amerikaner durchgehend wichtig – wurde jeweils eine Situation, die die politische Spaltung der Vereinigten Staaten veranschaulichte. Denn sobald Trump auf der Stadionleinwand gezeigt wurde, gab es mindestens ebenso viele Buh-Rufe wie Applaus für den Republikaner. Und allzu viel Zuneigung der Fans aus Spanien und Argentinien sollte Trump auch nicht erwarten.
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