„Verrät mehr über unsere Zeit als über Fußball“ – Kahn springt Tuchel bei
Der ehemalige Fußball-Nationaltorhüter Oliver Kahn hat Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel in Schutz genommen. Der 52 Jahre alte Tuchel war in die Kritik geraten, weil er nach dem 2:1 nach Verlängerung gegen Norwegen im WM-Viertelfinale mehr von Fehlern im Spiel seiner Mannschaft sprach als über den Einzug ins Halbfinale am Mittwoch (21.00 Uhr/MagentaTV und ARD) gegen Argentinien in Atlanta.
„Die Reaktionen folgten sofort. Und sie verraten mehr über unsere Zeit als über den Fußball“, schrieb Kahn (57) in einem Beitrag bei LinkedIn. Ihn irritiere nicht Tuchel. Ihn irritiere, dass Fragen, warum ein Trainer eine Mannschaft nach einem Sieg kritisiert oder warum er nicht lobt, überhaupt gestellt werden.
„Denn sie offenbaren eine Eigenart, die weit über den Sport hinausreicht. Wir glauben, Niederlagen seien der gefährlichste Moment einer Entwicklung. Tatsächlich ist es oft der Sieg“, meinte Kahn. Eine Niederlage zwinge zur Analyse. Ein Sieg verführe dazu, auf sie zu verzichten: „Deshalb beginnt die eigentliche Führungsarbeit nicht nach einem verlorenen Spiel, sondern nach einem gewonnenen.“
„Verhindert, dass ein Sieg wichtiger als die Wahrheit wird“
Tuchel habe auch keine schlechte Stimmung verbreitet, befand Kahn. „Er hat etwas getan, das im Spitzensport selbstverständlich sein sollte. Er hat verhindert, dass ein Sieg wichtiger wird als die Wahrheit“, schrieb der langjährige Torhüter des deutschen Rekordmeisters Bayern München, der 2002 mit Deutschland WM-Zweiter wurde: „Denn der Unterschied zwischen guten und außergewöhnlichen Mannschaften zeigt sich nicht nach Niederlagen, sondern nach Siegen.“
Kahn und Tuchel arbeiteten kurz beim FC Bayern zusammenKahn kennt Tuchel aus der gemeinsamen Zeit beim FC Bayern. Er hatte im März 2023 in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der Münchner Tuchel als Trainer verpflichtet. Zwei Monate später trennte sich der Verein von Kahn.
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