Nach der Machtdemonstration sollte Magdeburgs Baumeister den Rollentausch anpeilen
Die Bedeutung des Titels strich er schon in den Tagen vor dem großen Showdown heraus: „Die Bundesliga hat für mich die größte Wertigkeit. Es ist unheimlich hart, die stärkste Handball-Liga der Welt zu gewinnen“, sagte Bennet Wiegert, den sie in der Branche alle nur „Benno“ rufen, über den kurz bevorstehenden Triumph.
Insofern war der Donnerstagabend vor allem für den Trainer des SC Magdeburg ein ganz besonderer. Er stellte nichts weniger als die Fortsetzung einer beeindruckenden Machtdemonstration durch die Seinen in dieser Saison dar: Im direkten Duell mit dem Zweitplatzierten, der SG Flensburg-Handewitt, gab es für Wiegert und Co. beim 31:30 (13:13) nicht nur einen Sieg zu bejubeln, sondern auch den vorzeitigen Gewinn der deutschen Handball-Meisterschaft. Und das bereits drei Spieltage vor dem Saisonende.
Wiegerts nachhaltiges Wirken in der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt ist dabei kaum hoch genug zu bewerten. Er ist nicht nur Trainer des Vereins, sondern auch Geschäftsführer Sport und damit der Baumeister im deutschen Vereinshandball schlechthin. Die große Frage, die sie seit geraumer Zeit in der Szene stellen, ist folgende: Wann traut es sich der Sohn von Handball-Legende Ingolf Wiegert zu, den Rollentausch anzutreten und als wichtigster Mann im deutschen Handball zu fungieren? Und zwar in der Rolle des Bundestrainers.
Das Leid der Sportart
Wiegert versteht es wie kaum ein anderer Coach, das Optimum aus seiner Mannschaft herauszukitzeln. Und mit 44 Jahren ist er zudem im allerbesten Alter, um Alfred Gislason nach der Weltmeisterschaft 2027 im eigenen Land abzulösen. Der Isländer, unter dem Wiegert mit dem SCM als Spieler 2002 Champions-League-Sieger geworden war, war schon bei der zurückliegenden Europameisterschaft der älteste aller 24 Coaches: 66. Nach der Heim-WM könnte nun eine Zäsur anstehen – und Wiegert für seinen alten Ziehvater übernehmen.
Bundestrainer Alfred Gislason. Sein Vertrag endet nach der WM 2027Es wäre sowohl ihm als auch dem mit rund 790.000 Mitgliedern größten Handball-Verband der Welt zu wünschen. Denn schließlich weiß auch Wiegert nur allzu gut, dass von einer deutschen Nationalmannschaft noch einmal eine ganz andere Strahlkraft als von einem Klub ausgeht. Die nunmehr dritte Meisterschaft unter seiner Ägide und die insgesamt vierte nach der Wende in der Vereinshistorie sind nach einigen Tagen der bundesweiten Anerkennung oft nur noch von regionalem Interesse.
Das ist das Leid der Sportart – und deswegen sollte der gebürtige Magdeburger nun den Rollentausch für das nächste Frühjahr anpeilen. Sein Vertrag beim Vorzeigeverein läuft zwar ohne Befristung, und er hat eine mehr als enge Bindung zum SCM – doch zur Not wäre auch eine Doppelrolle möglich: als Vereins – und Bundestrainer in Personalunion. Damit hat der Verband schon einmal beste Erfahrungen gemacht: Dagur Sigurdsson coachte anfangs die Füchse Berlin und die deutsche Auswahl in Personalunion – und führte die Mannschaft 2016 zum größten Triumph der vergangenen 19 Jahre: dem sensationellen EM-Titel in Polen.
Einem smarten Tausendsassa wie Wiegert, der ja ohnehin schon zwei Posten in Magdeburg innehat, wäre ohne Zweifel eine Wiederholung dieser Geschichte zuzutrauen.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke