In England steigt die Spannung. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wird Pep Guardiola nach dem letzten Saisonspiel der Premier League am Sonntag gegen Aston Villa als Trainer von Manchester City zurücktreten. Einem Bericht der „Sun“ zufolge teilte der 55-Jährige seinen Spielern die Entscheidung in einer eilends einberufenen Telefonschalte am Montagabend mit. Ein Nachfolger muss her, Bayern Münchens Trainer Vincent Kompany wurde natürlich als ein Kandidat für den Posten ins Spiel gebracht. Münchens Vereinspräsident Herbert Hainer aber macht klar, dass der Rekordmeister da unter keinen Umständen weich werden würde.

Frage: Herr Hainer, der FC Bayern könnte mit einem Sieg im DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart am Samstag (20.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT, die Redaktion) das Double perfekt machen. Braucht es diesen zweiten Titel, damit man in der Saisonbewertung von einer sehr guten Spielzeit sprechen kann?

Herbert Hainer: Das Wichtigste ist für uns immer die Meisterschaft. Das Double würde die Saison natürlich krönen – und nachdem unser Frauenteam es bereits verteidigt hat, sollten die Männer nachziehen. Wir sind erstmals seit 2020 wieder im Pokalfinale und wollen nicht mit leeren Händen heim, insgesamt ist es aber schon jetzt eine tolle Saison: Wir begeistern mit unserem Fußball, bei unseren Spielen gegen Real und Paris bekamen wir weltweit Beifall – und auch von Leuten, die es sonst nicht mit dem FC Bayern halten. Der FC Bayern ist topfit und setzt internationale Benchmarks. Als wir vor unserem Champions-League-Spiel beim Lunch in München zusammensaßen, sagten die Vertreter von Real Ma­drid, es gäbe nur einen Verein, an dem sie sich orientieren: den FC Bayern. Wir hängen nicht am Tropf eines Fremdinvestors. Unsere DNA ist unbezahlbar.

Frage: Entscheidenden Anteil am attraktiven Spielstil hat Trainer Vincent Kompany. Sein Vertrag läuft noch bis 2029. Warum passt er so gut zum FC Bayern?

Hainer: Ottmar Hitzfeld sagte mal, das Wichtigste als Trainer ist, authentisch zu sein. Vincent ist die Authentizität in Person – er ist auf seine zuvorkommende Art geradezu radikal echt. Die Spieler wissen, woran sie bei ihm sind, das ist neben seinem Auftreten und seiner fachlichen Extraklasse der Schlüssel. Er ist nicht nur ein sehr guter Trainer, sondern auch ein toller Mensch. Vincent ist immer höflich, gleichzeitig kann er auch bestimmt sein, wenn es im Training oder im Spiel nicht so läuft, wie er es sich vorstellt.

Frage: Was charakterisiert seine Arbeit?

Hainer: Vincent ist der Erste, der in der Früh an der Säbener Straße ist, und der Letzte, der geht. Wenn wir nach Auswärtsspielen zurück nach München fliegen, sehe ich, wie er schon im Flieger am Laptop alle Spielszenen durchgeht und seinen Trainerstab für die ersten Analysen zu sich holt. Dieser Fleiß überträgt sich nicht nur auf die Mannschaft, sondern auf den gesamten Verein. Kompany ist ein Upgrade.

Frage: Haben Sie seinen Vertrag im Oktober vergangenen Jahres auch deshalb verlängert, um einem möglichen Wechsel zu Manchester City vorzubeugen?

Hainer: Unsere Antriebsfeder bei der Verlängerung war nicht, dass wir Manchester City schnell zuvorkommen wollten. Wir haben mit ihm verlängert, weil er hervorragende Arbeit leistet und weil wir ihn einfach gern länger bei uns haben wollten. Vielleicht trainiert er irgendwann mal Manchester City, weil er früher ja dort gespielt hat. Seine erfolgreiche Arbeit macht Spitzenvereine generell auf ihn aufmerksam. Er ist jung und hat viele Jahre als Trainer vor sich. Aber er fühlt sich mit seiner Familie in München sehr wohl.

Frage: Können Sie sich dennoch vorstellen, dass Manchester City bei Ihnen wegen Kompany anklopfen wird?

Hainer: Das können sie gern machen. (lacht) Bei Spielern heißt es oft: unverkäuflich. Und für einen Kompany gibt es keine Ablösesumme, er ist unverkäuflich. Vincent hat einen Vertrag bis 2029, das gibt uns Sicherheit – und hoffentlich bleibt er noch viel, viel länger. Er hat sich hier bei uns einen Namen gemacht.

Frage: Ist VfB-Trainer Sebastian Hoeneß ein Bayern-Kandidat für die Zeit nach Kompany?

Hainer: Er macht einen tollen Job in Stuttgart. Wenn ich mir die jungen Trainer anschaue, dann ist er einer der Ersten, der mir in den Sinn kommt, dem ich eine große Karriere zutraue. Warum sollte er nicht auch eines Tages Bayern München trainieren – aber wir haben Kompany, und wir werden nicht müde, zu betonen, dass er noch lange bleiben soll.

Frage: Trauen Sie Hoeneß zu, dass er den FC Bayern im Pokalfinale schlägt?

Hainer: Ich traue Sebastian sehr viel zu. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir am Samstag den Pokal nach langer Wartezeit zurück nach München holen werden.

Frage: Die Planungen für das Sommer-Transferfenster laufen bereits auf Hochtouren. Einer Ihrer Wunschspieler ist Nachwuchs-Juwel Kennet Eichhorn von Hertha BSC. Ist die positive Entwicklung von Lennart Karl ein Vorteil im Poker um Eichhorn? Schließlich hat er in dieser Saison bewiesen, dass man sich als junger Spieler beim FC Bayern durchsetzen kann.

Hainer: Ich bin überzeugt davon, dass Lennarts Entwicklung für Talente immer eine Motivation ist. Früher hieß es, dass man als junger Spieler keine Chance bei Bayern habe. Das gilt nicht mehr. Wir hatten dieses Jahr zehn Debüts von Talenten vom FC Bayern Campus, Altersschnitt 17 Jahre – beides Rekord. Wir müssen verstärkt auf den Campus setzen: Wer die Zukunft im eigenen Haus hat, muss sie nicht teuer einkaufen.

Frage: 2023 kam Harry Kane für 100 Millionen Euro, 2024 Michael Olise für 53 Millionen Euro. Vergangenen Sommer verpflichtete der FC Bayern Luis Díaz für knapp 70 Millionen Euro. Werden derartige Summen auch in dieser Transferperiode fließen?

Hainer: Natürlich ist der FC Bayern nach wie vor in der Lage, hohe Summen zu investieren. Aber wir werden wie immer keine Verrücktheiten machen – und sicher nicht das mitmachen, was sich manche Berater vorstellen.

Frage: Mit Harry Kane würden Sie gern verlängern. Wollen Sie noch vor der WM Klarheit?

Hainer: Dass wir den Vertrag mit Harry Kane verlängern wollen, ist keine Frage. Ich glaube auch, dass Harry mit uns verlängern möchte. Er selbst hat gesagt, dass er überhaupt keinen Druck verspürt, ob es vor oder nach der WM passieren soll. Er ist da super entspannt. Wichtig war ihm, sich zunächst auf die Saison und die Ziele mit dem FC Bayern zu konzentrieren. Das zeigt, was für ein toller Sportler er ist.

Frage: Wie wichtig war die Vertragsverlängerung mit Manuel Neuer?

Hainer: Wir gehen in die 16. gemeinsame Saison – der FC Bayern hatte viele herausragende Torhüter-Persönlichkeiten, und Manuel hat in dieser Reihe einen einzigartigen Platz. Er ist das Gesicht nicht nur von einer, sondern von zwei Generationen. Wie körperlich fit und reaktionsschnell er mit 40 Jahren ist, ist sensationell. Er ist ein Phänomen. Pep Guardiola würde sagen, er ist ein Top-Top-Top-Torwart.

Frage: Wie steht es um Michael Olise? Auch ihn möchte der FC Bayern unbedingt halten.

Hainer: Absolut, er hat einen Vertrag bis 2029. Michael hat sich super entwickelt, weil er bei uns die Chance bekam, sich in einer internationalen Top-Mannschaft zu zeigen. Wir haben einen Sturm, der sich in der Welt sehen lassen kann. Es gibt nicht viele Vereine, die so eine starke Offensive haben. Das kommt Michael zugute. Zudem hat er bei uns jedes Jahr die Chance auf alle Titel. Ich sehe keinen Grund, warum er sich anderweitig umschauen sollte.

Frage: Die Verpflichtung von Olise hat in erster Linie Max Eberl angeschoben. Sein Vertrag läuft 2027 aus. Über Eberls Zukunft soll bei der Aufsichtsratssitzung im August diskutiert werden. Wie bewerten Sie seine Arbeit?

Hainer: Wir beurteilen die Arbeit eines Vorstands immer in ihrer Gesamtheit, das heißt zum Beispiel beim Sportvorstand: Zusammenstellung des Kaders, Entwicklung der Talente am Campus, die Zusammenarbeit mit dem Trainer, dem Staff, den Physios und den Ärzten etc. Das alles werden wir uns ansehen, zusammen analysieren und dann entscheiden.

Frage: Inwieweit wird das Sommer-Transferfenster in Ihre Bewertung einfließen?

Hainer: Wie gesagt: Es gibt nicht nur das eine Kriterium. Das Transferfenster ist aber bei jedem Verein eine wichtige Phase – dazu gehören Zugänge und natürlich auch Abgänge.

Frage: Wie sehen Sie die Entwicklung von Jamal Musiala? Nach seinem Wadenbeinbruch im Juli 2025 fiel er über ein halbes Jahr aus. Er macht den Eindruck, dass er noch nicht bei 100 Prozent ist.

Hainer: Ich finde, dass er in den letzten Wochen noch einmal einen echten Sprung gemacht hat. Auch von seiner persönlichen Erscheinung ist er durch die schwere Phase gereift. Mittlerweile geht er wieder selbstbewusst ins Dribbling, was seine große Stärke ist. Man merkt, wie er Stück für Stück an seine alte Klasse herankommt. Jamal würde sich jeder Verein wünschen.

Frage: Kann er auch bei der WM schon eine prägende Rolle spielen?

Hainer: Das traue ich ihm auf jeden Fall zu. Und sich auf dieser großen Bühne zu zeigen, wird ihm bestimmt guttun. Als junger Spieler wie er musst du eine solche Verletzung nicht nur körperlich, sondern auch psychisch verarbeiten. Die WM wird ihn weiter voranbringen.

Frage: Machen Sie sich für die WM Sorgen um die Nationalmannschaft?

Hainer: Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften ist Deutschland jeweils in der Vorrunde ausgeschieden. Das ist definitiv nicht der Anspruch, den der deutsche Fußball als größter Verband der Welt an sich selbst stellen sollte. Da muss deutlich mehr rauskommen.

Frage: Uli Hoeneß hat Nagelsmann neulich kritisiert, worauf Andreas Rettig sagte, der DFB habe ihn nicht um ein Zwischenzeugnis gebeten.

Hainer: Uli Hoeneß braucht keine Erlaubnis von Andreas Rettig, wenn er seine Meinung sagen möchte. Grundsätzlich wünschen wir uns als Fans alle ein erfolgreiches Abschneiden der deutschen Mannschaft.

Frage: Bevor der FC Bayern Kompany verpflichtet hat, wurde auch mit Nagelsmann gesprochen. Die Rückholaktion scheiterte aber. Im Nachhinein ein Glücksfall?

Hainer: Wir haben Julian Nagelsmann damals von Leipzig geholt und uns später von ihm getrennt. Die Trennung ist nicht ganz glücklich gelaufen. Aber das Thema ist abgehakt. Wir haben jetzt Vincent Kompany und sind sehr glücklich.

Frage: Könnte es trotzdem irgendwann ein Wiedersehen mit Nagelsmann beim FC Bayern geben?

Hainer: Im Fußball soll man zwar nie „nie“ sagen, aber das ist aktuell natürlich überhaupt kein Thema.

Torwart Manuel Neuer wird nach Informationen der „Bild“ als Nummer eins im deutschen Nationalteam zur Fußball-WM in diesem Sommer reisen.

Frage: Die Transfers zeigen: Der FC Bayern hat in den vergangenen Jahren vermehrt Spieler aus der Premier League verpflichtet. Ist das Zufall oder eine neue Philosophie?

Hainer: Es ist weder unsere Philosophie noch reiner Zufall. In der Premier League spielen nun mal viele der besten Fußballer aus der ganzen Welt, weil dort viel Geld im Umlauf ist und die Liga attraktiv ist. Wenn wir Spieler verpflichten wollen, die den FC Bayern besser machen, dann gibt es viele davon in der Premier League.

Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.

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