Als die Schalker Bosse befürchten, Dzekos Gunst verloren zu haben
Eigentlich müsste dieses Tagebuch im Dezember 2024 beginnen. Schalke krebste durch den Tabellenkeller der zweiten Liga, und es war klar: So kann und darf es nicht weitergehen. Schon zuvor beschlossen die Verantwortlichen um Vorstandsboss Matthias Tillmann und Sportdirektor Youri Mulder, dass der Revier-Klub endlich ein Konzept brauche. Eine Philosophie. Auf und neben dem Platz.
Sie entwarfen eine vereinseigene Software, die sowohl Spieler als auch Trainer nach dem neuen, intensiven Spielstil bewerten kann. In diesem Dezember fragten sie das Programm, welche Trainer zu ihnen passen könnten. Die Antwort auf dem Bildschirm: Roger Schmidt, der aber nicht zu bezahlen war. Und es spuckte einen Namen aus, den einige Bosse erst einmal nachschlagen mussten: Miron Muslic.
Als im Frühjahr 2025 feststand, dass Frank Baumann neuer Sport-Vorstand wird, bat Tillmann ihn, ebenfalls eine Trainerliste anzufertigen. Ohne ihm vorher seine gezeigt zu haben. Sie glichen die Listen ab. Ein Name rangierte auch bei Baumann ganz oben: Muslic. Der Beginn der Schalker Revolution.
Was dann passierte, hätten die Bosse selbst nicht für möglich gehalten. Nach zwei Jahren, die einer Fahrt in einer Geisterbahn glichen, schmeckte die Schalke-Welt schon bald nach Zuckerwatte.
Mitte Juni 2025: Baumann bittet Finanzchefin Christina Rühl-Hamers um ein Budget für bauliche Veränderungen. Verbunden mit einem deutlichen Signal an die Mannschaft: Der Schlafsaal im Profi-Leistungszentrum wird verkleinert, der Fitnessbereich dafür vergrößert. Ab jetzt gilt: Das Leben auf Schalke ist kein Mittagsschlaf.
19. Juni 2025: Schalke gibt die Verpflichtung von Soufiane El-Faouzi bekannt. Das Ergebnis der Software „StatsLibuda“. Das Programm errechnet, wie sehr der Spielstil eines Spielers zur Schalke-DNA passt. El-Faouzi schafft es auf 97 Prozent. Er kommt aus der dritten Liga von Alemannia Aachen – und wird einer der Schlüsselspieler sein.
20. Juni 2025: Der Revier-Klub stellt seinen neuen Trainer vor. Miron Muslic. Einen Tag später hält der Österreicher mit bosnischen Wurzeln seine erste Ansprache an die Mannschaft. In einem fast schon ehrfürchtigen Ton sagt er: „Fasten seat belt!“ – „Schnallt euch an!“ Bereits in den Tagen zuvor rief Muslic bei Kapitän Kenan Karaman an, um ihm von seinem Schalke-Plan zu berichten. Und er telefonierte mit Loris Karius, um ihm zu sagen: „Du bist meine klare Nummer eins.“ Der Torhüter wird das Vertrauen mit Leistung zurückzahlen.
Beginn der Muslic-Ära: Der neue Trainer (M.) wird vor dem Stadion neben Youri Mulder (l.) und Frank Baumann (r.) vorgestellt22. Juni 2025: Muslic erhält einen Anruf von Nikola Katic, den er in Plymouth trainierte. Der Abwehrspieler würde gerne weiterhin unter Muslic spielen. Ob Schalke ihn nicht verpflichten wolle. Muslic geht mit der Idee zu den Bossen – und kämpft wie ein Löwe für den Bosnier. Die Bosse nehmen die Verhandlungen mit Zürich auf, wo Katic zuletzt unter Vertrag stand. Auch Offensivspieler Mustapha Bundu von Plymouth wendet sich an Muslic, will ebenfalls zu Schalke wechseln. In dem Fall sagen die Bosse ihrem Trainer aber: Wir haben erst einmal nur Geld für Defensivspieler. Bundu geht zu Hannover.
Ende Juni 2025: Wieder wird im Profi-Leistungszentrum umgebaut. Ex-Trainer Kees van Wonderen saß gemeinsam mit seinen Assistenten in einem Großraumbüro. Muslic wünscht sich ein eigenes Büro, um vertraulich mit Spielern sprechen zu können. Zudem werden in dem Trainer-Trakt mehrere Tafeln und Boards an den Wänden installiert, um die Taktik des kommenden Gegners immer im Auge zu haben.
1. Juli 2025: Schalke verpflichtet Katic. Er wird Muslics Abwehrboss.
7. Juli 2025: Die Mannschaft bricht ins Trainingslager nach Neustift (Österreich) auf. Weil nur wenige Spieler – etwa Kenan Karaman und Loris Karius – ein Einzelzimmer bekommen, überlegen die Bosse genau, wie sie die Doppelzimmer besetzen wollen. Schalke-Urgestein Timo Becker bezieht ein Apartment mit Katic, um ihm den Klub erklären zu können. Und damit sich die beiden Abwehrspieler auch privat kennenlernen.
Mitte Juli 2025: Muslic führt neue Regeln ein. Eine davon: Teambesprechungen dürfen nur noch höchstens 15 Minuten andauern, weil laut Experten anschließend die Aufnahmefähigkeit nachlasse. Und Muslic geht einen Deal mit seinen Spielern ein: Wenn die Mannschaft bei Auswärtsspielen ohne Gegentreffer bleibt, schenkt er ihnen einen freien Tag. Eine Maßnahme, um die Gegentor-Flut der Vorsaison in den Griff zu bekommen.
30. Juli 2025: Der Klub schwört sich auf den Saisonstart ein. Der Vorstand bestellt eine mobile Pommesbude sowie einen Eiswagen für die Mitarbeiter. Als Dank für ihre aufopferungsvolle Arbeit. Nach dem denkwürdigen letzten Heimspiel der Vorsaison, als die Fans die Mannschaft verpönten, herrscht große Anspannung. Die einhellige Sehnsucht: Hoffentlich hört die Sch**** hier endlich auf!
1. August 2025: Saisonauftakt gegen Hertha. Muslic ruft seinen Spielern in der Kabine zu: „Set the tone!“ – „Gebt den Ton an!“ Nach zwei Minuten erkämpft Peter Remmert mit großem Willen einen Eckball. Mannschaft und Fans sind wieder vereint. Schalke gewinnt 2:1. Nach dem Spiel unterhalten sich Matthias Tillmann und Karaman in der Stadionloge. Der Kapitän sagt zum Boss: „Das wird eine komplett andere Saison.“
Ben Manga konnte sich mit dem Konzept nicht anfreunden
31. August 2025: Die Mannschaft erhält nach dem 1:0 in Dresden ihren ersten freien Extra-Tag. Schalke glänzt nicht, aber rackert, kämpft. Drei Siege aus den ersten vier Saisonspielen.
22. September 2025: Der Kaderplaner muss gehen, das Aus für Ben Manga. Weil er sich mit dem neuen Konzept nicht anfreunden konnte, von „StatsLibuda“ nicht wirklich viel hielt. Manga suchte Künstler, keine Kämpfer.
23. Oktober 2025: Baumann ruft bei Hannovers Kaderplaner Maximilian Lüftl an. Der geht jedoch nicht ans Handy. Der Sport-Boss spricht ihm auf die Mailbox und bittet um Rückruf.
Frank Baumann (l.) hat Maximilian Lüftl von Hannover 96 losgelöst24. Oktober 2025: Schalke ist nach dem 1:0-Erfolg gegen Darmstadt erstmals Tabellenführer. In der Kabine ist der Begriff „Aufstieg“ aber tabu. Muslic fordert immer wieder vollen Fokus, verbietet Träumereien.
8. November 2025: Das wohl schwierigste Spiel für Baumann in seiner Manager-Karriere. In der Nacht zuvor verstarb seine Mutter. Der Sport-Boss kommt dennoch zum Spiel. Nach dem 1:0-Sieg gegen Elversberg verlässt er sichtlich erschöpft das Stadion.
Mitte November 2025: Lüftl erklärt seinen Vorgesetzten in Hannover, dass er gerne zu Schalke 04 wechseln wolle. Er wird daraufhin kaltgestellt, darf kaum mehr bei Transfers mitreden. Baumann versucht durch mehrere Gespräche, eine sofortige Freigabe zu erwirken. Lüftl besitzt bei 96 nur noch einen Vertrag bis Saisonende. Baumann und Co. entscheiden: Dann verpflichten wir ihn eben erst für die nächste Saison.
21. Dezember 2025: 17. Spieltag, 1:2 in Braunschweig. Die Mannschaft ist ausgelaugt, der Spielstil zollt seinen Tribut. Die Bosse entscheiden: Ein Zusammenkommen am Tag danach entfällt. Stattdessen ist die Botschaft an die Spieler: Geht direkt in den Urlaub, erholt euch. Mit nur zehn Gegentoren in 17 Spielen ist S04 völlig überraschend Herbstmeister.
28. Dezember 2025: Nach dem Mittagessen mit seiner Mannschaft bleibt Edin Dzeko in Italien alleine im Essensraum sitzen und grübelt. Er fragt sich, wie es für ihn weitergehen kann. Am Vortag verlor Florenz 0:1 in Parma. Und trotz des Rückstandes wurde Dzeko nicht einmal eingewechselt. Er kommt zum Schluss: Ich will hier weg. Dzeko greift zum Handy und schreibt Katic, seinem Kumpel aus der bosnischen Nationalmannschaft. Er fragt: „Braucht ihr noch einen Stürmer?“ Katic informiert Muslic über die Nachricht von Dzeko, der wiederum Baumann. Baumann ruft bei Tillmann an, der wiederum den Aufsichtsrat. Es sind sich alle einig: Wenn Dzeko zu haben ist, müssen wir zuschlagen. Zumal es schon im Sommer den Wunsch des Aufsichtsrates gab, einen Spieler mit großer Strahlkraft zu verpflichten.
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29. Dezember 2025: Frohe Kunde aus Hannover. Lüftl darf, nachdem auch Sport-Boss Marcus Mann (RB Salzburg) den Abflug machte, umgehend bei Schalke beginnen. Die Schalker wittern ihre Chance, die Winter-Transferperiode so zu nutzen, dass der Aufstieg realistisch werden kann.
30. Dezember 2025: Katic überlegt fieberhaft, wie er Dzeko überzeugen kann. Er kontaktiert Kapitän Karaman, erzählt ihm von der Idee. Karaman fragt ihn: „Was kann ich dafür tun?!“ Gemeinsam überlegen sie, dass auch Karaman dem Stürmer schreibt. Dzeko, der aus seiner Zeit bei Fenerbahçe ein wenig Türkisch spricht, antwortet dem Kapitän und schreibt: „Kardes“ – „kleiner Bruder“.
Testspiel gegen Osnabrück – Fußball aus der Hölle
2. Januar 2026: Schalke gibt die Verpflichtung von Lüftl bekannt. Der schlägt intern umgehend Spieler vor. Darunter: Adil Aouchiche, zu der Zeit von Sunderland an Aberdeen verliehen. Tillmann antwortet ihm in einer internen Sitzung: „Super Idee! Aber wie sollen wir den bezahlen?!“ Lüftl antwortet: Er wolle kreativ werden.
10. Januar 2026: Testspiel gegen Osnabrück (0:2), Fußball aus der Hölle. Dzeko schaut sich die Partie in Italien im Livestream an, soll erschrocken gewesen sein. Die Schalker Bosse befürchten: Das kann uns den Zuschlag gekostet haben. Zumal der Paris FC ebenfalls um Dzeko buhlt und ihm rund das Vierfache an Gehalt bietet.
17. Januar 2026: Rückrundenauftakt in Berlin. Ein grausames 0:0. Schalke bleibt ohne echte Torchance. Vitalie Becker verletzt sich am Knie. Trotz der Personalnot auf der Position entscheiden die Bosse, keinen neuen Linksverteidiger im Winter zu verpflichten. Sie wollen ihrem großen Talent keinen neuen Spieler vor die Nase setzen.
19. Januar 2026: Die Führungsspieler um Karaman, Karius und Timo Becker warten, bis Muslic die Kabine im Profi-Leistungszentrum verlässt. Dann hauen sie auf den Tisch. Sie teilen ihren Kollegen in aller Deutlichkeit mit, dass sie eine Einheit bleiben müssen. Dass es nicht so weit kommen dürfe, dass jeder nur sein eigenes Ding macht.
22. Januar 2026: Nachdem Muslic fast täglich versuchte, Dzeko vom Schalke-Wechsel zu überzeugen, die Sensation: Der Weltstar entscheidet sich für den Zweitligisten. Die Bosse versuchen mit aller Macht, dass Dzeko noch am selben Tag mittrainieren kann, bei der wichtigsten Einheit der Woche. Baumann will dafür ein Gesetz brechen – und bietet Dzeko an, für ihn einen Privatjet zu buchen. Er schickt ihm ein Foto mit der Maschine per WhatsApp. Doch Dzeko will aus zwei Gründen nicht sofort fliegen: Zum einen möge er keine so kleinen Jets. Und zum anderen könne er nicht fliegen, ohne sich vorher von seinen Kindern zu verabschieden, die noch in der Schule sind. Sie noch einmal in den Arm zu nehmen, gehe vor. Die Bosse zeigen Verständnis und fragen ihn, welchen Linienflug sie für ihn buchen sollen. Seine Antwort: Er habe selbst schon einen Eurowings-Flug für den Abend gebucht. Eine Rechnung dafür wird Schalke nie erhalten.
25. Januar 2026: Muslic bricht seine eigene Regel, dass Spieler, die unter der Woche kaum mit der Mannschaft trainieren konnten, nicht spielen dürfen. Er wechselt Dzeko gegen Kaiserslautern ein. Der Stürmer trifft umgehend zum 2:2-Ausgleich. In den Tagen danach verkauft der Klub 10.000 Dzeko-Flocks auf den Trikots.
27. Januar 2026: Baumann erhält einen Anruf von Muslic. Der Trainer teilt ihm mit, dass er das Spielsystem umstellen werde. Offensiver, attraktiver, mit Viererkette anstatt Fünferkette. Die Sorge von Muslic: Dass die Gegner in den Spielen gegen Schalke von nun an deutlich defensiver spielen werden – und die eigene Mauer-Taktik nicht mehr aufgehen werde. Zuvor sprach der Trainer mit Karaman über die Idee. Der Kapitän meldete Zweifel an, ob das wirklich funktionieren könne, mitten in der Saison. Muslic antwortet: „Vertrau’ mir! Ich weiß das!“
31. Januar 2026: Schalke verliert völlig verdient mit 0:2 in Bochum.
1. Februar 2026: Die Köpfe rauchen. Da Vitalie Beckers Verletzung langwieriger sein dürfte als zunächst gedacht, schließen sich Baumann, Mulder und Muslic im Profi-Leistungszentrum ein und studieren stundenlang Videos. Sie beobachten dabei Moussa Ndiaye – der am liebsten in einer Viererkette spielt. Nach der Sitzung ruft Baumann bei Tillmann an und sagt ihm: „Wir wollen noch einen Spieler holen.“ Lüftl, der Ndiaye vorgeschlagen hatte, handelt eine halbjährige Leihe mit Anderlecht aus. Aufgrund der zuvor verlängerten Sponsoring-Deals mit verbesserten Konditionen (Veltins, Adidas) ist noch etwas Geld vorhanden. Ndiaye spielt eine überragende Rückrunde.
Baumann macht in England eine Ansage
2. Februar 2026: Der Revier-Klub verpflichtet Aouchiche. Weil Lüftl wusste, dass Sunderland dringend einen weiteren Leih-Slot benötigt – in England dürfen nur sechs Spieler verliehen werden –, macht er dem englischen Klub einen Vorschlag: Löst die Leihe und den Vertrag mit Aouchiche auf, dann habt ihr die benötigte Kapazität. Wir verpflichten ihn dann. Als Sunderland versucht, eine Ablöse und Erfolgsbeteiligungen zu bekommen, ruft Baumann in England an. Seine unmissverständliche Ansage: Wir zahlen keinen Cent. Aouchiche kommt ablösefrei – und gehört in der Rückrunde zu den besten Spielern der gesamten Liga.
2. Februar 2026: Die Führungsspieler reagieren nach der Bochum-Pleite nochmals, dieses Mal mit einem Mannschaftsabend. Das Team trifft sich im Düsseldorfer Restaurant „The Lox“, das Sidney Sam gehört. Der Ex-Spieler ist bei S04 für die Leihspieler zuständig. Es wird kaum über Fußball gesprochen, vielmehr über private Dinge. Die gesamte Rechnung bezahlt Dzeko. Ganz günstig wird es nicht gewesen sein: Ein Rinderfilet (300 Gramm) kostet in dem Lokal 75,90 Euro.
3. Februar 2026: Stürmer Moussa Sylla steht kurz vor dem Wechsel zu New York City, dann scheitert der Deal. Weil der US-Klub Probleme beim Medizincheck feststellt. Der Vertrag (sechs Mio. Euro Ablöse) war bereits ausverhandelt, dann will New York den Preis drücken bzw. nur noch eine Leihe anstreben. Baumann ruft beim Sportdirektor des Klubs an und teilt diesem in aller Deutlichkeit mit, dass Schalke sich nicht auf der Nase herumtanzen lasse. Sylla bleibt – und wird in der Rückrunde zu einem wichtigen Faktor.
Moussa Sylla war eigentlich weg – am Ende feierte den Aufstieg mit15. Februar 2026: Nach vier sieglosen Spielen im neuen Kalenderjahr (Hertha, Kaiserslautern, Bochum, Dresden) steht der Traditionsklub erstmals unter Druck. Es geht nach Kiel, wo es bitterkalt ist. Beim morgendlichen Spaziergang vor dem Spiel läuft Katic trotz minus sechs Grad in T-Shirt und kurzer Hose durch Kiel. Nicht umsonst nennt Muslic ihn einen „Krieger“. Vor dem Anpfiff sagt der Trainer zu seinen Spielern: „Zeigt das wahre Herz dieses Teams.“ Schalke gewinnt 2:1, ist zurück an der Tabellenspitze – und wird diesen Platz bis zum Ende nicht mehr abgeben.
28. Februar 2026: Es droht Knatsch. Nach dem 1:1 bei Greuther Fürth kritisiert Muslic Ersatz-Torhüter Kevin Müller öffentlich. Einen Tag danach sucht er das Gespräch mit dem Schlussmann, entschuldigt sich und sagt, dass er weiterhin voll auf ihn setze. Der Karius-Ersatz zeigt eine Woche später gegen Bielefeld (1:0) eine Top-Leistung.
10. März 2026: Die Verantwortlichen wollen den Teamgeist nochmals stärken – und organisieren einen Team-Ausflug zu einem „Escape Room“, in dem man durch das Lösen von Rätseln den Ausgang finden muss. Auch Muslic ist dabei.
23. März 2026: Länderspielpause. Muslic richtet eine ungewöhnliche Bitte an Mulder und Baumann: Er wolle eine Woche Urlaub haben. Um bei seiner Familie in Österreich Kraft zu tanken für den Saisonendspurt. Die Bosse willigen ein.
12. April 2026: Trotz Unterzahl ab der 51. Minute gewinnt Schalke beim direkten Aufstiegskonkurrenten Elversberg (2:1). Winter-Zugang Dejan Ljubicic ruft nach Abpfiff per Video-Call bei Katic an, der verletzt ausfiel. Die Mannschaft will ihn an der Kabinen-Party teilhaben lassen. Die Spieler grölen das Lied „Freed from Desire“.
14. April 2026: Spieletag auf Schalke. Die Mannschaft wird in Zweier-Teams eingeteilt, die an mehreren Stationen gegeneinander antreten müssen. Zum Beispiel beim Fußball-Tennis oder am sogenannten „Roundnet“. Die schlechtesten vier Teams müssen ein Grill-Event in der Woche danach ausrichten – inklusive Eis als Nachtisch. Es herrscht das Gefühl: Uns kann keiner mehr stoppen.
15. April 2026: Tillmanns Handy klingelt. Es meldet sich Dr. Christoph Beumer mit dem Hinweis, dass er nur kurz Zeit habe. Dann folgt der wohl wichtigste Satz für Tillmann in diesem Jahr: „Wir machen das so.“ Beumer wird neuer Hauptsponsor, unterschreibt einen Dreijahresvertrag und zahlt in der Bundesliga knapp sieben Millionen Euro. In Zeiten von Kriegen und einem deshalb deutlich angespannten Werbemarkt, weil viele Unternehmen in diesem Bereich aus Sorge sparen, ein Top-Deal für den Revier-Klub. Eine Woche später wird der Konzern aus Beckum offiziell als Partner präsentiert. Der Schalker Vorstand lädt die Vertreter des Unternehmens anschließend zum Essen ein. Die Stimmung: ausgelassen.
Im Mannschaftsbus ins Krankenhaus
25. April 2026: Der Schalke-Tross reist am Vortag des so wichtigen Spiels beim Tabellenzweiten Paderborn an. El-Faouzi schaut sich in seinem Hotelzimmer das Abendspiel zwischen Darmstadt und Elversberg (3:3) an, will dann schlafen. Bis er heftige Magenschmerzen bekommt. Ab 0.30 Uhr muss er sich fast pausenlos übergeben. Dass vor dem Hotel Paderborner Fans die ganze Nacht Feuerwerk und Böller zünden, um den Schalker Spielern den Schlaf zu rauben, bekommt er nur am Rande mit.
Um 5 Uhr ruft der Mittelfeldspieler den Mannschaftsarzt an. Dieser kommt umgehend in sein Zimmer, will ihm zunächst eine Magen-Tablette verabreichen. Doch El-Faouzis Körper sträubt sich. Er kann keinen Schluck trinken, ohne sich wieder zu übergeben. Der Arzt sucht eine Apotheke auf, in der er einen Beutel Infusionsmittel kauft.
Das Hotelzimmer wird zu einem Behandlungsraum. Mithilfe einer Stehlampe legt der Arzt ihm einen Zugang. Zwei Stunden später fragt der Doktor ihn, ob es besser sei. Nein. Da ein Mannschaftsarzt aus Doping-Vorschriften nur eine gewisse Menge an Infusionen ohne Aufsicht verabreichen darf, fahren beide – mit dem Mannschaftsbus – in ein nahegelegenes Krankenhaus. Dort erhält Schalkes Dauerläufer die nächste Infusion.
Der Trainerstab erhält zu dem Zeitpunkt die Nachricht: El-Faouzi fällt kurzfristig aus. Doch nach rund zwei Stunden rappelt er sich auf, will unbedingt spielen. Zurück im Hotel, isst El-Faouzi eine Portion Pasta. Sie bleibt im Magen. Rund zwei Stunden später steht er auf dem Rasen, spielt überzeugende 90 Minuten. Schalke gewinnt 3:2. Nach dem Sieg ist klar: Gegen Düsseldorf kann die Mannschaft die Bundesliga-Rückkehr perfekt machen.
Soufiane El-Faouzi (r.) gegen Filip Bilbija kurz nach seinen Magenproblemen29. April 2026: Schalke wird mit Kartenanfragen überhäuft. Baumann teilt sogar in seinem WhatsApp-Status mit, dass er keine Tickets besorgen könne.
2. Mai 2026: Die Ekstase. Der Aufstieg. 1:0 gegen Düsseldorf, Schalke ist zurück in der Bundesliga. Karaman wird nach Abpfiff über das Stadionmikro interviewt. Als die Fans seinen Namen mit Sprechchören feiern, versagt ihm die Stimme. Es fließen Tränen. Im „Blauen Salon“ des Stadions feiert die Mannschaft in ihren Spiel-Outfits, Mulder gibt den Takt auf der Tanzfläche vor. Die Mitarbeiter grölen: „Der S04 ist wiieeeedeeeer daaaaaa!“ Um 2.59 Uhr sind die Biervorräte plötzlich aufgebraucht, auf einem Schiebewagen werden neue Fässer gebracht.
4. Mai 2026: Die Mannschaft fliegt nach Ibiza. Was beim FC Bayern vor rund einem Jahr verboten wurde – dass die Spieler während der Saison einen Party-Trip machen –, wird bei den Schalker Bossen anders bewertet. Die sagen: „Sie haben es sich einfach verdient …“ Für Kater-Stimmung können nur noch die Drinks auf der spanischen Insel sorgen.
Der FC Schalke 04 ist zurück – und wie!
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.
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