„Es war keine leichte Zeit, aber wunderschön“
Die Fußball-Fans in der Bundesliga kennen Niko Kovac (54) seit Jahrzehnten. Und doch gibt es viele Geheimnisse, die nur wenige über ihn wissen. Im aktuellen „Bild“-Podcast „Phrasenmäher“ verrät der BVB-Trainer, welche Macke er an Spieltagen hat, wie viel Kraft er aus seinem Glauben zieht und wie ihn seine Kindheit im Arbeiterviertel im Berliner Wedding geprägt hat.
Kovac über …
… seinen Uhren-Tick: „Ich habe so einen kleinen Tick und wechsele immer die Armbanduhr, wenn wir verlieren. Ich habe ein paar Uhren, die mir viel bedeuten. Sie sind aber gar nicht zu Hause, ich bewahre sie bei einer Bank auf und tausche sie dann durch.“
… die Frage, ob er sich wie Klopp, Tuchel oder Hitzfeld daran messen lässt, Titel beim BVB zu holen: „Jeder Trainer, der in Dortmund arbeitet, muss sich natürlich daran messen lassen, Titel zu holen. Der BVB steht für Leidenschaft, Intensität, Aggressivität und letzten Endes auch für Titel. Ich sage aber immer: Viel erzählen und Funken pusten bringt nichts. In der Arbeit generiert sich die Hoffnung. Das ist unser Credo.“
… den Ursprung dieses Credos: „Meine Eltern kamen 1970 aus Kroatien nach Deutschland, ich bin 1971 geboren, mein Bruder Robert 1974. Mein Vater hat als Zimmermann, meine Mutter als Reinigungskraft gearbeitet. Wir waren Migrationskinder, kamen in eine fremde Welt, meine Eltern konnten kein Wort Deutsch, mussten sich alles hart erarbeiten. Wir haben zu viert in einer Zweizimmerwohnung auf 50 Quadratmetern im Wedding gelebt. Im Grunde hatten wir fast nichts. Wir hatten den Hof, auf dem wir mit einem Schaumstoffball gespielt haben, haben Wettläufe im Treppenhaus gemacht, waren im Religionsunterricht. Es war keine leichte Zeit, aber wunderschön.“
Wer durfte im Stockbett oben schlafen? Robert oder er? Kovac lacht: „Der Chef durfte oben schlafen, da habe ich nicht lange gefackelt.“
… über seine Tochter Laura, die er nie im Mensch-ärgere-dich-nicht hat gewinnen lassen: „Mir war es wichtig, dass sie um den Sieg kämpfen sollte und auch Widerstände überwinden muss. Es ist eine Kleinigkeit, aber all das, was man sich im Leben hart erarbeitet, weiß man ganz anders zu schätzen. Christoph Daum hat mal gesagt: ‚Es gibt keine Alternative zum Gewinnen und wir wollen Sieger sein.‘ Und das muss man meines Erachtens von klein auf versuchen, zu implementieren.“
… seinen Glauben: (Kovac war als Kind im Religionsunterricht, ist praktizierender Christ. Er bekreuzigt sich vor dem Essen, geht in einer kroatischen Gemeinde in Dortmund auch regelmäßig zur Messe und auch zur Beichte) „Ich glaube fest daran, dass es den lieben Gott gibt. Ich glaube auch, dass wir alle letzten Endes eine Bestimmung haben und das Leben nach dem Tod weitergeht. Auch in meinem Leben gibt es Momente, in denen es nicht ganz einfach ist. Der eine spricht dann mit seinem Psychologen, der andere mit seinem Freund, seinem Vater oder wem auch immer. Ich vertraue auf das, was der liebe Gott mir mitgegeben hat. Er lässt mich nur das schultern, was ich schultern kann. Und wenn es ein bisschen mehr wird, weiß ich, dass er trotzdem da ist. Das hilft mir.“
… Karim Adeyemi: „Ich rede mit allen meinen Spielern, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich mit Karim am meisten gesprochen habe, seit ich hier bin. Ich mag ihn unheimlich, weil er als Typ einzigartig gut ist, ein toller Junge, kein schlechter Mensch – im Gegenteil: Manchmal ist er ein zu guter Junge, meines Erachtens. Er hat nichts Böses. Und ich gehe felsenfest davon aus, dass er ein ganz großer Fußballer werden kann, wenn er gewisse Sachen anpasst. Aber dafür muss er mir noch ein bisschen mehr glauben (schmunzelt). Er muss an seiner Genauigkeit arbeiten, seiner Akribie. Er hat ein Riesentalent bekommen, jetzt geht es um die Arbeit, Details und Nuancen zu verändern, die ihn nach vorne bringen. Dazu muss er jede Trainingsminute nutzen.“
Karim Adeyemi polarisiert… das Härteste, was er je zu einem Spieler gesagt hat: „Wenn man sieht, dass man argumentativ nicht weiterkommt und mit einer Wand spricht, werde ich schon deutlicher und zeige den Spielern auf: Es gibt genau zwei Lösungen. Deine und meine Lösung. Die bessere wäre dann schon meine – denn wenn wir deine nehmen, ist es keine gute Lösung.“
… Glücksbringer: „Giovanni Trapattoni, unter dem ich in Salzburg gespielt habe, hatte immer Weihwasser in einem Fläschchen in seiner Hosentasche. Ich habe immer mal wieder einen Rosenkranz oder eine kleine Medaille dabei. Beim Pokalsieg 2018 mit der Eintracht war es ein Armband, das ich getragen habe. Es hat mir Schutz und irgendwo auch die Kraft, Stärke und den Glauben gegeben, dass wir die Situation meistern können.“
… sein Saisonfazit, Stand jetzt: „Ich glaube, dass wir mit dem, was wir zur Verfügung hatten – auch finanziell im Vergleich zu den Bayern – das Maximum aus dieser Bundesliga-Saison herausgeholt haben. In der Champions League haben wir eine Runde unterperformt, das war Komplettversagen im Rückspiel bei Atalanta. Das Aus im Pokal in Leverkusen war unglücklich. Aber auf die Leistungen in der Liga können wir stolz sein.“
… die Kritik, er würde nur auf Erfahrung setzen und zu wenig Talente einsetzen: „Stimmt nicht! Ich habe damals in Salzburg die zweite Mannschaft übernommen und Spieler wie Hinteregger oder Ilsanker gefördert, die dann in der Bundesliga gespielt haben. Als Kroatien-Trainer waren Brozovic, Kovacic, Rebic dabei. In Monaco Tchouameni (ging für 80 Millionen Euro zu Real Madrid, d. Red.). In Wolfsburg van de Veen, der zu Tottenham und Nmecha, der zum BVB ging. Da wird viel kolportiert, aber nicht mit Fakten belegt.“
… seinen größten Glücksmoment als Trainer: „Der Klassenerhalt mit Frankfurt in der Relegation gegen Nürnberg. Das war die Grundvoraussetzung für den Pokalsieg gegen die Bayern später. Ich kam damals im März zur Eintracht, es hätte Mitte Mai alles zu Ende sein können. Ohne diesen Klub und diese Menschen wäre mein späterer Weg nicht möglich gewesen, und daher liebe ich Eintracht bis heute und stehe auch dazu, weil sie mir alles gegeben haben.“
… eine Vertragsverlängerung über 2027 hinaus: „Mein Bruder Robert und ich fühlen uns sehr wohl, und ich denke, dass beide Seiten sehr zufrieden mit der Konstellation sind, die wir im Moment haben. Lars (Ricken, d.Red.) hat mich damals ins Boot geholt. Sein Vertrag läuft ja auch bis 2027.“ Rickens Vertrag soll bald verlängert werden. Kovac: „Ich würde mich freuen, wenn es so kommt, weil ich Lars für einen richtig Guten halte, der hier schon einiges auf den Weg gebracht hat.“
… sein Fitness-Geheimnis: „Natürlich mache ich Sport, aber das hat auch viel mit der Genetik zu tun, die mir der liebe Gott mitgegeben hat. Wir hatten bei der Nationalmannschaft mal eine Messung, wie viel Energieverbrauch man auch während des Schlafs hat – und mein Motor arbeitet durchgängig. Das heißt: Wenn ich spät etwas gegessen habe, hat es nicht angesetzt, sondern wurde trotzdem verarbeitet. Mein Bruder war schön bedient, als er das gehört hat (lacht). Als Spieler hatte ich 77 Kilo. Jetzt sind es circa 72 Kilo.“
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